Der Sandstein war das Gestein des Jahres 2008*
von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
Der alte Steinbruch im Sandstein bei Heigenbrücken
- der Heigenbrückener Sandstein
*Wie es eine Pflanze, einen Vogel oder ein Insekt des Jahres gibt, so wurde
vom Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG) und der Deutschen Gesellschaft
für Geowissenschaften (DGG) auch ein Gestein des Jahres gekürt.
Sandsteine gehören
weltweit zu den häufigen Gesteinen, mit einer Verbreitung
von Grönland bis zur Antarktis (YOUNG et al. 2009). Sie sind
oft bunt gefärbt, oft mit einer verschiedenartigen Schichtung
überliefert, ganz hart bis weich, grob- bis feinkörnig,
aber ebenso strukturlos eintönig; und es gibt sogar Arten, die
in dünnen Stücken biegsam sind! Sandsteine sind Sedimentgesteine
die zu mehr als 50 % aus den Komponenten der Sandfraktion (0,063 - 2
mm) bestehen. Sie werden auch als Arenite und Grauwacken bezeichnet.
Verbreitet sind Quarzsandsteine, wenn mehr als 25 % Feldspat enthalten
sind, sind dies Arkosen. Weiter gibt es auch Kalksandsteine, pyroklastische
Sandsteine, glaukonitische Sandsteine oder Kohle führende Sandsteine.
Sie bilden eindrucksvolle Felsen, die nahezu jeder
schon gesehen hat, hier angeführt in einer beispielhaften,
aber bei Weitem nicht vollständigen Aufzählung:
Flinders Range, Südaustralien: Hier wurden
in den präkambischen Sandsteinen die Fossilien der Ediacara-Fauna
gefunden, die zur Namenbildung des Ediacariums (635 - 542 Millionen
Jahren) führte. Aufgenommen am 15.10.1982.
Monument Valley, Arizona, USA: Die sehr markanten
Inselberge in einer wüstenhaften Landschaft aus dem De Chelly-Sandstein
sind allen Rauchern und aus Westernfilmen bekannt, aufgenommen
am 13.05.1981.
Checkerboard-Mesa aus einem Samdstein mit Kreuzschichtung
im Zion Canyon, Utah, USA: Die Schluchten der Narrows und der riesigen
Felswände des Zion Canyons bestehen aus dickbankigen Navajo-Sandsteinen,
aufgenommen am 17.05.1981.
Grand Canyon, Arizona, USA: Ein Teil der hohen
Felsbänke wird aus sehr widerstandfähigen Coconino-Sandsteinen
aufgebaut, die wohl großartigste Landschaft der Welt, aufgenommen
am 09.05.1981.
Antelope-Canyon bei Page, Arizona, USA: Die
farbenprächtigen, "gebogenen" und selektiv beleuchteten Schichten
des kleinen Canyons sind das Ziel von Fotographen aus aller Welt,
aufgenommen am 13.09.1994.
Colorado River, Arizona, USA: Nahe der
Stadt Page kann man ein beeindruckenes Mäander des ca. 200
m tief eingeschnittenen Flusses Colorado sehen, aufgenommen am 13.09.1994.
Natural Bridges, USA: Auf einer für amerikanischen
Verhältnisse kleinen Fläche wurden von einem Fluss in
den Sandstein Brücken geschnitten, die bis zu 70 m hoch sind,
aufgenommen am 14.05.1981.
Canyon de Chelly, USA: Beeindruckende, bis
zu 300 m hohe Felswände und frei stehende Felsnadeln aus
Sandstein - mit den Resten der indianischen Bevölkerung, aufgenommen
am 17.09.1994.
Meteora, Griechenland: Die berühmten Klöster
stehen auf den rundlichen Sandstein-Felsen ohne Vegetation, teils
von mächtigen Konglomeraten durchsetzt, aufgenommen am 19.07.2011.
Elbsandsteingebirge, Sachsen, Deutschland:
Die beühmten Felsen der Bestei und andere sind - wie der
Namen sagt - Sandsteine, ebenso die Mesas wie der Lilienstein,
aufgenommen am 13.06.1992.
Der etwa 14 m hohe "Teufelstisch" bei Hinterweidenthal
aus dem Buntsandstein des Pfälzer Walds, aufgenommen am 06.04.1980.
Der Felsen ist auf dem Titel des Buchs von Martin Schwarzbach "Europäische
Stätten geologischer Forschung" von 1976 abgedruckt.
Sandsteine sind damit faszinierende Felsbildner.
Hinzu kommen bis vor kurzem noch recht unverstandene Merkwürdigkeiten,
dass so stabile - weil Quarz-haltige Gesteine - unter geeigneten
Bedingungen der Tropen so löslich sind, dass es sogar Höhlen
darin gibt!
Vorausgesetzt, wir hätten ein dauerhaft arides
oder semiarides Klima, dann hätten wir im Spessart sicher auch
Felstürme, Schluchten und spektakuläre Erosionsformen.
Derzeit verhindert die üppige Vegetation eine schnellere Erosion.
Wie kein anderes Gestein hat der Buntsandstein den Spessart geprägt: Waldbau, Formenschatz der Berge und Täler, Werkstein, Glasmacher, Steinbrüche, Arbeitgeber für die Steinhauer des Mittelalters bis ins 20. Jahrhundert bis hin zum Sand in den Kies- und Sandgruben der Niederungen. Der "Miltenberger Sandstein" wurde als geschätzter Baustein sogar ins europäische Ausland exportiert!
Sandstein mit farblich abgesetzter
Bänderung und Schrägschichtung;
Steinbruch der Fa. Wassum, Miltenberg
Historisches:
Der Name Buntsandstein steht für
den ältester Abschnitt der Trias, dessen Name auf
Friedrich von ALBERTI (1795-1878) zurück geht.
Gleichzeitig versteht man darunter den Sandstein aus den gleichen
Zeit in Deutschland.
Im Spessart wird der leicht zu
bearbeitende Sandstein mindestens seit römischer
Zeit zur Werksteingewinnung abgebaut.Im Verbreitungsgbiet
gab es früher in jedem Ort mind. einen Steinbruch in dem
man für den örtlichen Bedarf die Bausteine gewann.
Hunderte solcher Abbaue und Steinbrüche sind inzwischen
von der Vegetation zurück erobert worden und meist nur
noch schwer erkennbar. Die Entwicklung erreichte sicher an der
Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Heute stehen
nur noch sehr wenige Steinbrüche im Abbau (z. B. die Firmen
Wassum in Miltenberg; das seit ca. 100 Jahren bestehende Natursteinwerk
bricht ca. 5.000 m³ Fels pro Jahr und Fa. Zeller betriebt
mehrere Steinbrüche im Mainsandstein und verarbeiten diesen
zu vielfältigen Bausteinen).
Man errichtete insbesondere im 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts nahezu
alle öffentlichen Bauwerke wie Brücken, Schulen,
Bahnhöfe, Forstgebäude, Schlösser und
Burgen, Kirchen, aber auch Stützmauern, Fundamente
der Häuser, Treppen und Fenstereinfassungen aus dem leicht
zu bearbeitenden Baustoff. Auch Mühlsteine, Tröge,
Tränken und sehr viele Skulpturen (Bildstöcke, Feldkreuze,
Grenzsteine, ...) wurden daraus gefertigt. Aus dem Sand des Buntsandsteins
gewann man den Quarz als Rohstoff der vielen Glashütten im
Spessart. Der Sand aus dem Sandstein diente an vielen Stellen geschürft
als Scheuersand für die Dielenböden der Vergangenheit.
Sandstein-Bildergalerie:
Fenster an der Kirche in Oberbessenbach am 24.05.2003 |
Bildstock bei Alzenau am 01.05.2005 |
Der Steinmetz Reiner Großmann aus Haibach beim
Bearbeiten eines Buntsandsteinstückes am 16.05.2005 in Rothenbuch anlässlich 10 Jahre kurfürstliches Schlosshotel Rothenbuch |
Kilometer-Stein aus dem Buntsandstein
(Heigenbrücker Sandstein) zwischen Vormwald und Engländer |
Uralte Treppe aus dem Sandstein
von
Eichelsbach, aufgenommen am 21.1.2012 |
Taufe (16. Jahrhundert) aus Mainsandstein in der Kirche St. Jakobus in Großauheim, aufgenommen am 15.09.2012. |
Die Schnecke aus Mainsandstein am oberen Ende der Treppe zur Empore im Senckenberg-Museum in Frankfurt a. Main, wohl ein Symbol für die Mühen des Aufstiegs, aufgenommen am 13.1.2013 |
Der stark mit Brombeeren verwachsene und seit langem auflässige Steinbruch im Heigenbrückener Sandstein (Unterer Buntsandstein) auf dem Gipfel des Findbergs bei Haibach, aufgenommen am 21.01.2012. Der Sandstein wurde auch bis nach Aschaffenburg und über den Main dann auch mainabwärts verkauft. Achtung: Der gesamte Weg zum Steinbruch ist mit dem sehr dauerhaften Diorit-Schotter von Dörrmorbach befestigt! |
Typische Spaltenfüllung aus gelblichem bis weißlichem Calcit in kleinen skalenoedrischen Kristallen. Solche Stücke wurden Anfang der 1970er Jaher in großen Massen in einem alten Steinbruch südlich von Obernburg gefunden, Bildbreite 14 cm |
Harald Rosmanitz von Ärchäologischen Spessartprojekt erklärt den Besuchern die Funktion der mittelalterlichen Fernstraße am 07.07.2012. Die Birkenhainer Straßen nahe dem Kloster Einsiedel zwischen Lohrhaupten und Rieneck wurde bis auf den felsigen Untergrund des hier anstehenden Mittleren Buntsandsteins (Volpriehausen-Formation) ausgefahren, so dass ein Hohlweg entstand. Durch die Befahrung mit eisernen Rädern schnitt sich die Spurbreite in den Fels und übermittelte eine Spurbreite von 1,05 m. Der Weg verfiel und ist nur noch als Graben im Wald erkennbar. |
Teilnehmer einer Wanderung durch die Seltenbach-Schlucht bei Klingenberg am 15.07.2012. Das Kerbtal weist einige felsige Stellen auf, an denen der Mittlere Buntsandstein angesehen werden kann. Das Tal ist im oberen Teil sicher mittelalterlich überprägt worden, so dass die steilen, V-förmigen Talflanken sehr jung sind. Die Wanderung war vom LBV organisiert worden, der das ehemalige Gelände des Tonbergwerks pflegen will. |
Ehemaliges Elektrizitätswerk von Großauheim (Hanau), heute Museum mit Dampfmaschinen, die mit echtem Wasserdampf betrieben werden können! Das Gebäude besteht in Teilen aus dem Plattensandstein (stellenweise gegen das Lager eingebaut) mit dem Schriftzug des Jugendstils, aufgenommen am 15.09.2012 |
Bauplastiken aus Mainsandstein von einem Kaufmannshaus in Mainz um 1317 einer mittelrheinischen oder mainzer Werkstatt, ausgestellt im Landesmuseum in Mainz, aufgenommen am 17.07.1012 |
Das Schloss in Mainz mit den Ausstellungsräumen des Römisch-Germanischen Zentralmuseums. Das Gebäude wurde aus "Mainsandstein" erbaut. Dies ist aber nicht sichtbar, da man die Fassade überstrichen har, so dass man die Farbe, aber nicht die Struktur des Sandsteins sehen kann. Nur dort wo die Farbe oder der Stein bröckelt, ist die Natur des Steins sichbar, aufgenommen am 17.07.2012. |
Typisches Schadbild am Heigenbrückener Sandstein an der Kirche in Heigenbrücken durch aufsteigendes Wasser im Porenraum des Sandsteins, aufgenommen am 01.05.2013 |
Typisch im Aussehen ist die Sandsteinfassade aus Mainsandstein am Ärztehaus neben dem Huaptbahnhof in Aschaffenburg, aufgenommen in der Morgensonne am 25.07.2012 |
Etwa 4 mm breite Wurmspuren (oder vielleicht auch Krebsspuren) in der Schichtfläche eines großen Sandsteinblocks, aufgenommen am 25.08.2012 südlich von Röllbach, unmittelbar südlich des Eselsweg gelegen. |
Tongalle mit einem Entfärbungssaum im Sandstein eines Maingerölls, gefunden am 20.05.1971 in der Kiesgrube Schulz zwischen Dettingen und Kleinostheim, Bildbreite 2 cm |
Zwischen dem Hauptbahnhof von Berlin und dem Bundestag quert die Willy-Brandt-Straße (früher Moltkestr.) über die Moltkebrücke die Spree. Sie wurde nach einem Vorgängerbau an gleicher Stelle 1886 - 91 aus rotem Mainsandstein erbaut. Als Herkunft des Buntsandsteins werden Kleinheubach, Kreuzwertheim und Dietenhan angeführt. Der rote Sandstein weist zahlreiche Beschädigungen aus dem 2. Weltkrieg auf, aufgenommen am 15.02.2013 |
Namenschild der Moltke-Brücke über die Spree in Berlin mit den Gebäuden der Bundesregierung in Berlin im Hinter- grund, aufgenommen am 15.02.2013 |
Das durch die Deutsche Bank genutzte, 1899 errichtete Gebäude an der Straße Unter den Linden Nr. 13 hat eine üppig ornamentale Fassade mit Balkonen und Säulen aus rotem Mainsandstein (Rötsandstein). Infolge der Leuchtenmaste und der Bäume in geringer Entfernung vor dem Gebäude ist die Fassade auch im Winter ohne das Laub nicht gut zu sehen. Es fällt zwischen den anderen Bauwerken durch den dunklen Stein auf. Der untere Teil der Fassade ist mit einer Farbe überstrichen, aufgenommen am 15.02.2013. |
Ehemaliger Kalkofen, gemauert aus den Quadern des Oberen Buntsandsteins. Der Schachtofen zeigt die Technik des späten 18. oder des frühen 19. Jahrhunderts, wurde aber nach den Berichten bis um 1920 unregelmäßig betrieben. Der einzig erhaltene Ofen des Spessarts soll weiter ausgegraben und erhalten werden, aufgenommen am 07.05.2013 |
Heunesäule (siehe weiter unten) am Main in Miltenberg - durch die Bananenstauden ergibt sich ein südliches Flair. Oben erkennt man noch die gegenüberliegend vorstehenden Nocken für das Anschlagen zum Transport, aufgenommen am 29.09.2012 |
1948 ganz aus dem örtlichen Sandstein des Buntsandsteins erbaut: Das kombinierte Rathaus mit Feuerwehrhaus in Dornau, aufgenommen am 09.05.2013 |
Offenbach, Ludwigstraße (gegenüber der IHK): Hier steht ein Jugenstiel-Doppelhaus aus dem lokalen Basalt erbaut. Die Gesimse und Laibungen, an Ecken, Fenstern und an den Erkern sind in Mainsandstein ausgeführt, aufgenommen am 14.05.2013 |
Der Neubau des Kreiskrankenhauses in Wasserlos mit einer vorgehängten Fassade aus Sandstein, vermutlich aus dem Spessart, aufgenommen am 18.05.2013 |
Ablauf aus Sandstein unter einer Fensterbank; dahinter war der Spülstein, einst wohl auch aus Sandstein - aus der Zeit, in der es keine Abflussrohre im Haus gab, aufgenommen am 18.05.2013 |
Leider ist der hohe Anteil an Quarz bei der trockenen Bearbeitung der Grund für die nur geringe Lebenserwartung der "Steinhauer" (Steinmetze). Der lungengängige Feinanteil erzeugt beim Menschen die gefürchtete Silikose (lokal als "Steinhauerkrankheit" bezeichnet), die nach schleichendem Siechtum immer zum Tode führt. Dies gilt noch mehr und schneller für die Kombination Rauchen und Steinbearbeitung. Aber die geringen sonstigen Verdienstmöglichkeiten im Spessart ließen oft keine andere Wahl.
Heunesäule aus Sandstein auf
dem Marktplatz vor
dem Dom in Mainz, aufgenommen am
01.09.2007
Die Heunensäule am Dom in Mainz soll über 1000 Jahre alt sein.
Auf den Mainzer Marktplatz gelangte die zu einem Denkmal
mit Bronze "verzierte" Buntsandsteinsäule erst aus
Anlass des 1000jährigen Domjubiläums im Jahre 1975.
Die senkrecht stehende Säule wiegt ca. 16 Tonnen, ist
6,40 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 1,20 Meter. Am oberen
Ende sind zwei herausstehende Nocken zu sehen, die man für
das sichere Anbringen von Seilen stehen ließ. Die eindrucksvolle
Säule stammt vom Osthang des Bullauer Berges bei Miltenberg am
Main, wo mehrere solcher Säulen als "Heunensäulen"
liegen. Hier an einem Felsenmeer sollen im 17. Jahrhundert noch 14
Säulen gelegen haben. Man glaubt dass sie für einen frühen
Kirchenbau, vielleicht sogar in Mainz, verwandt werden sollten. Weitere
Säulen wurden nach Nürnberg und München gebracht und dort
aufgestellt.
Außenwand einer Scheune in Dörrmorsbach,
aufgenommen am 07.07.2012.
Sandsteine sind hervorragende Baustoffe, aber nicht
alle Sandsteine des Buntsandsteins im Spessart eignen sich zur Errichtung
dauerhafter Gebäude. Insbesondere bei der Vermauerung mit kalkarmen
Mörteln und Feuchte können erhebliche Absandungen beobachtet
werden, so dass der Mauerverband nicht mehr sicher gestellt ist.
Die Sandsteine des Mittleren Buntsandsteins eignen
sich nur bedingt für eine Verwendung, weshalb es hier nur
wenige Steinbrüche gibt.
Denkmäler?
Bei der Restaurierung von denkmalgeschützten Gebäuden
kann es zu Schwierigkeiten kommen, dass man das originale Gestein (z.
B. Gelnhäuser Sandstein) nicht mehr kaufen kann, weil es nicht mehr
abgebaut wird und auch keine Steinbrüche mehr gibt (Basalt von
Hanau), in denen sich ein gleiches Gestein gewinnen ließe. Hier
gibt es die Möglichkeit, ein ähnliches Gesteine zu verwenden
- oder man baut in einem der alten Steinbrüche wieder Material ab
- dies würde die Geowisschaftler am meisten freuen. Eine Gewinnung
von einigen m³ Gestein ist in der Regel problemlos, wenn Besitzverhältnisse
und Zufahrten geklärt sind.
Mit der Suche nach einem gleichwertigen und akzeptablen Ersatz
wende man sich an die unten aufgeführten Firmen.
Geologie:
Ca. 75 % der Fläche des Spessarts
werden vom Buntsandstein überdeckt, nur der westliche
Teil des Vorspassarts ist davon frei; d. h. hier wurde
er von der nach Osten rückschreitenden Erosion abgeführt.
Als markante Geländekante - meist mit Wald bestanden - ist
er Landschaftsbild leicht erkennbar. Infolge der Nährstoffarmut
werden die Bundsandsteinflächen tradionell mit Waldbau
genutzt:
Links: Blick auf Schöllkrippen
mit dem Wald über dem Buntsandsteins in der Bildmitte,
Rechts: der Mittlere
Buntsandstein zwischen Rohrbrunn und der Haseltalbrücke
an der Autobahn A3 westlich von Bischbrunn - ein beeindruckender
Aufschluss!
Aus dem überlieferten Formenschatz kann man die Geschichte rekonstruieren:
Der Sandstein wurde zu einer Zeit
gebildet (251 - 247 Millionen Jahre), als das heutige Deutschland
dort lag wo sich heute die Sahara ausdehnt (ca. 20° nördlicher
Breite)! Während der Trias drifteten wir dann ca. 10°
weiter nach Norden. Hier wurden unter kontinentalen Bedingungen
enorme Sandmassen mit einem nassen, aber trotzdem ariden Umfeld
abgelagert. Dazwischen gab es auch lokal marine Phasen und Ablagerungen
aus Stillwässern. Der grösste Teil wurde von mehr oder
minder periodisch laufenden Flüssen bewegt und als Spendergebirge
wird das im Süden liegende Vindelizische Hochland angenommen.
Gröbere Anteile repräsentieren Schichtfluten wie auch
häufig eine eine Sortierung der Korngrößen zu beobachten
ist (unten größere Körner und oben feineres Korn).
Dass es zu langen Trockenperioden
kam, belegen die Trockenrisse (Netzleisten) im Ton (siehe
Bild oben, Bildbreite ca. 28 cm). In diesem Falle wurde der
Ton sanft von Sand überdeckt und beim Spalten dann wieder
frei gelegt (das Stück lag bereits lange im Steinbruch,
so dass der Ton bis auf Reste abgefallen ist. Die hellen Punkte
sind Flechten. Der Glanz enstand durch die Fixierung der nur ca.
1 cm dicken Platte mit Kunststoff; gefunden im Steinbruch Wassum,
Miltenberg)
Dies betrifft
auch die verbreiteten Tongallen - diese erreichen 10 cm
Größe. Deren Entstehung kann man sich so vorstellen:
Nach einer Überflutung wurde zurest der Sand und später
dann auch der Ton in den Stillwässern abgesetzt. Nach dem
Eintrocknen bildeten sich Risse und der Ton zerfiel in blättrige
Brocken. Beim Überfluten mit den nächsten Flut wurde
der Ton leicht abgerollt und im Sand neu fixiert. Dies erfolgte
aber so schnell, dass der Ton weder weich noch aufgelöst wurde.
Bei der heute angreifenden Verwitterung werden die Tongallen zuerst
ausgewaschen und hinterlassen dann die linsenförmigen Hohlräume.
große Tongallen (teilweise
ausgewaschen) im Sandstein, Miltenberg
Die Tonsteinablagerungen sind in den sich nicht bewegenden Flußarmen und Restseen gebildet worden. Die Schrägschichtung sind Rinnensedimente eines weit das Gelände überdeckenden, mäandernden Flußsystems, welches das sich absenkende Germanische Becken von Süden mit Sedimenten füllte. Wellenrippeln sind verbreitet überliefert, Trockerisse selten und ganz selten Steinsalzpseudomorphosen. Auch kugelförmige Konkretionen sind schichtweise zu erkennen. Als Zeichen einer früheren Bodenbildung wird der Karneol-Dolomit-Horizont gedeutet.
konkretionäre Kugeln im Sandstein
(Spessart-Museum, Lohr am Main)
An Fossilien sind selten Pflanzenreste und Abdrücke von Sauriern (Chirotherium sp.) überliefert. Verbreiterter sind Rollmarken und Grabgänge. Diese sind aber auch leicht mit den Druckmarken zu verwechseln.
Chirotherium-Fährte (Spessart-Museum,
Lohr am Main)
Auch wenn es nicht mehr der klassische Spessart ist, aber bei Külsheim (westlich von Tauberbischofsheim) gibt es einen geologisch-naturkundlichen Wanderweg von 5,5 km Länge. An einem Parkplatz ca. 2 km nördlich des Ortes an der Straße nach Bronnbach wurde unter einem kleinen Dach eine ca. 5 x 2 m große Buntsandsteinplatte aus dem Plattensandstein (Oberer Buntsandstein) aufgestellt, die ca. 20 Abdrücke des Chirotheriums spec. beinhaltet. Leider ist die Platte mit der tonigen Oberfläche seit 1997 der Witterung und den Besuchern ausgesetzt, so dass die diagonal verlaufenden Abdrücke in der hangenden Platte nur noch schemenhaft erkennbar sind. Eine rechts angebrachte Tafel hilft bei der Interpretation.
Die Seltenheit der Fossilien, die geringen Abbaumengen und der maschinelle Abbau macht Fossilfunde nahezu unwahrscheinlich.
Der Buntsandstein des Spessarts besteht meist aus fein- bis grobkörnigen
Sandsteinen mit tonigen, eisenhalten oder gar quarzitischen
Bindemitteln. Das kann man im Dünnschliff besonders
gut sehen:
Das Dünnschlifffoto zeigt
einen leicht eisenhaltigen Sandstein von Obernburg, der
neben den eckigen Quarzkörnern
auch noch angewitterte Feldspäte enthält
(Bildbreite ca. 2 mm, #Polarisatoren)
Infolge der unterschiedlichen Bindungen der Körner ist der Sandstein leicht zu bearbeiten - aber dann auch weniger Verwitterungsresistent. Man kann das an den heute noch stehenden Bauten gut sehen, dass insbesondere in dem ersten Meter über dem Boden eine mehr oder minder starke Absandung erfolgt (Tafonibildung). Aber auch Skulpturen in schattigen Standorten können stark beschädigt sein.
Die einzelnen Lagen werden durch Tonsteinlagen unterbrochen (bis zu 15
% der Schichtmächtigkeit). Man unterscheidet heute
den Unteren- (aus Gelnhausen- und Salmünster-Folge),
Mittleren- (aus Volpriehausen-, Detfurth-, Hardegsen- und
Solling-Folge) und Oberen Buntsandstein (aus Rötfolge).
Die Einheitennamen wie Miltenberger- und Heigenbrückener
Sandstein haben heute nur noch lokale Bedeutung. Die Mächtigkeiten
und Fazies unterliegen starken Schwankungen.
Der "Miltenberger Sandstein" (Calvörde-Formation)
knapp unterhalb der Bernburg-Formation im Steinbruch Aubach (Wanderer-Parkplatz)
ca. 900 SO von Wiesen an der Straße von Wiesen nach Frammersbach.
Der Steinbruch wurde dankenswerterweise im April 2012 vom Bewuchs
frei gestellt (durch Bayerische Biodiversitätstrategie, Main-Echo
vom 11. Mai 2012 S. 21), so dass man die Sandsteinwände wieder
gut sehen kann; aufgenommen am 01.05.2012 (siehe Spessartführer Aufschluss Nr. 133 S. 227,
GPS-Koordinaten: N 50° 6,316´ E 9° 22,708´).
Der Steinbruch war zumindest zeitweise bis 1928 im Betrieb, meist im Winter.
Die Mächtigkeit der Sandsteine liegt im zentralen Spessart bei ca.
530 m und es ist damit die mächtigste Gesteinsabfolge
in Unterfranken! Der Name Buntsandstein ist im Spessart
kaum gerechtfertigt, da fast nur rote und gelbliche Farben
vorkommen. Die rote Farbe wird von einer sehr dünnen
Ümhüllung der Sandkörner mit dem Eisenoxid Hämatit
verursacht. Stellenweise sind die Feldspatanteile in weiße
Tone verwittert, so dass auch lokal (z. B. bei Eichenberg) weißliche
Sandsteine vorkommen.
Auch so etwas gibt es: Ein Harnisch
im Sandstein,
gefunden von Maria Lindner bei Ebenheid,
kanpp südlich des Spessarts, Bildbreite 7 cm
Der Sandstein ist hier stark beansprucht
und gestaffelt verschoben, so dass rundliche Bruchstücke
entstehen, die wegen der Striemung als "Pflanzenfossilien"
interpretiert werden könnten. Aber es ist nur Sandstein. Die
gestriemten Harnischflächen sind überzigen von Muskovit-Schüppchen,
Tonmineralien und feinstschuppigem Hämatit, der dem Begutachter
rote Finger erzeugt. Dies zeigt, wie schwer eine sichere Ansprache
von Gesteinen sein können.
Die Geschichte des Buntsandsteins
ist dem im Vergleich zu anderen Gesteinen wenig attraktiven
Sandstein nur schwer zu entlocken, weshalb sich nur sehr
wenige Geologen diesem Gestein verschrieben haben. Das Gestein
ist sehr gleichförmig, beinhaltet keine visuell schönen
Mineralien und es gibt nur wenige, gute Aufschlüsse trotz des
großen Verbreitungsgebietes.
Die anderen Gesteine - Muschelkalk und Keuper - die in die Trias gehören,
sind im Spessart bis auf einen Erosionsrest bei Unterwittbach
abgetragen worden.
Mineralien:
Der Buntsandstein äußerst
arm an neugebildeten Mineralien. Verbreitet ist nur Calcit,
der als weiße bis braune Kristalle (Skalenoeder) und
Krusten in Spalten gebildet wurden. Weiter gibt es dabei den
Formenschatz wie in Tropfsteinhöhlen zu beobachten,
allerdings in sehr bescheidenem Umfang. Solche Bildung werden
an geeigneter Stelle noch heute gebildet (z. B. neben dem Möbelgeschäft
"Spilger" bei Obernburg, südlich von Obernburg oder
auch aus Steinbrüchen bei Weibersbrunn). Diese Calcite
zeigen auch eine sehr intensive gelbe bis rote Fluoreszenz und
teilweise auch eine Phosphoreszenz (Nachleuchten).
Verbreitet sind auch Eisen- und Manganerze als synsedimentäre Bildungen lokal angereichert ("Eisensandsteinbank"). Diese enthalten dann erdigen bis glaskopfartigen Goethit und schlecht kristalline Manganoxide. Stellenweise versuchte man einen Abbau der Erze, was sich jedoch aufgrund der geringen Fe-Gehalte kaum lohnte.
Die verbreiteten Baryt-Gänge (auch Schwerspat genannt) im Sandstein
wurden viel später aus hydrothermalen Lösungen
in den Störungen ausgeschieden. Da sie bis in den Buntsandstein
reichen, wurden sie später gebildet. Heute geht man
von einem jurassischen bis kreidezeitlichen Alter aus. Die
an vielen Stellen des Spessarts bergbaulich genutzten Gangzüge
mit den reichen Schwerspat-Vorkommen von bis zu 5 m Mächtigkeit
bestehen meist aus weißem Baryt ohne eine größere
Vielfalt an Begleitmineralien.
Von den einst vielen Steinbruchbetrieben um Miltenberg existieren nur noch die Fa. Wassum und die Fa. Zeller.
Steinbruch der Fa. Wassum, Miltenberg
1904 gründete der Straßenbauunternhemer
Friedrich Wassum einen Steinbruchbetrieb. Dieser wurde
von Erich Wassum fortgeführt und wird heute von Thomas
Wassum geleitet. In dem treppenförmig angelegten Steinbruch
werden Werksteine gewonnen. Man bohrt senkrecht nahe nebeneinander
ab und sprengt die großen Blöcke vorsichtig ab.
Im eigenen Betrieb erfolgt das Sägen und die weitere Zurichtung zu den zahlreichen Produkten. Der Miltenberger Sandstein wird als "Roter Mainsandstein" gehandelt. Man gewinnt in dem kleinen Steinbruch nördlich von Miltenberg jährlich ca. 5.000 m³ Werkssandstein und stellt daraus Werksteine, Blockstufen, Restaurierungs- und Bildhauerarbeiten, Bossenverblender, Fassaden- und Fußbodenbeläge und Bruchsteine für die Gartengestaltung her. Referenzobjekte sind beispielsweise: Obermainbrücke und der Eiserne Steg in Frankfurt, die Erf-Brücke in Riedern, Bahnhof Schöllkrippen, Fa. NUKEM in Alzenau, Schloss Maisenhausen, diverse Kirchen, ....
Die braurote Farbe, die weißgraue Streifung und eine Pigmetierung aus Eisenoxiden machen den besonderen Reiz des Sandsteins aus. Der dickbankige Sandstein wird durch 2 Hauptkluftsysteme in klotzige Quader gegliedert. Die braunen Tüpfel im Sandstein sind wohl Pseudomorphosen von Eisenoxiden nach früheren Carbonaten (aus diesem Grund wurde der Sandstein früher "Pseudomorphosensandstein" genannt). Die bis zu 40 cm mächtigen, dünnplattigen Zwischenschichten aus Tonsteinlagen sind stellenweise reich an Muskovit. Stratigraphisch gehört der Miltenberger Sandstein heute zur in die höchste Calvörde(-Gelnhausen)-Folge und in die tiefere Bernburg(-Salmünster)-Folge.
Die Fa. Wassum, Miltenberger Natursteinwerk Peter Wassum GmbH, Im Söhlig 9, 63897 Miltenberg, Tel.: 09371/2781 betreibt neben dem Steinbruch eine Steinbearbeitung. Hier arbeiten derzeit ca. 30 Menschen in allen Betriebsteilen.
Zum Besuch fahre man in Miltenberg in Richtung Klingenberg, überquere
am Bahnhof die Bahngleise und biege bei der nächsten
Straße rechts ab ins Industriegebiet "Nord". Hier
folge man der Beschilderung.
Im weitläufigen Betriebsgelände
steht ein geschmackvoll eingerichtetes Bürogebäude
mit einem hübschen Ausstellungsraum, in dem man den
Sandstein in seiner vollen Schönheit anschauen kann. Auf
den Freiflächen werden die zugesägten und bearbeiteten
Steinblöcke gelagert.
Steinbruch
der Fa. Zeller (Umpfenbach) in Kirschfurt:
1890 wurde die die Fa. Franz Zeller
gegründet; vorher war er Geschäftsführer
der Fa. Winterhelt in Miltenberg. In der Gründerzeit groß
geworden, beschäftigte man 1926 130 Mitarbeiter.
Die Fa. Zeller (Franz Zeller KG Natursteinwerke,
Eichenbühler Str. 11, 63930 Umpfenbach, Tel. 09378/777)
betreibt in der 5. Generation mit ca. 50 Mitarbeitern noch heute
in der Region 8 Steinbrüche, von denen der in Kirschfurt
innerhalb des Spessarts liegt. Man stellt in einem neuen Produktionswerk
in Umpfingen bei Miltenberg daraus eine große Vielfalt
an Sandsteinprodukten her. Dies reicht von Restaurationen für
historische Gebäude bis hin zu Fassadenelementen von Neubauten.
Typische Arbeitsfelder sind Brücken, Krankenhäuser,
Kirchen, chemische Industrie, Sparkassen und Banken, Villen, Einfriedigungen,
Brunnen und Grabsteine.
Auch die Fa. Zeller wie Winterheld u. a. betrieb als Abbaumethode zur Felsgewinnung das Unterhöhlen. Dabei wurde am Wandfuß eine bis zu 2 m hohe Kerbe bis zu 10 m in den Fels geschlagen. Man ließ dabei Pfeiler stehen und stützte mit Holstempeln zusätzlich ab. Anschließend wurde mit Schwarzpulver diese Stützen weggesprengt, so dass die bis zu 50 m hohen Wände einstürzten. Dieses Verfahren führte infolge der nach "Gefühl" ausgelegten Sicherheiten zu Unfällen.
Heute sind die Abbauwände bis zu 10 m hoch. Man bohrt senkrechte Löcher
in dichtem Abstand und sprengt dann die Blöcke ab. Auch werden große
Blöcke durch Abkeilen gewonnen. Die so gewonnen Steine werden mittels
Radlader, Bagger und Krane bewegt und dann ins Werk nach Umpfenbach verfahren.
Der Steinbruch der Miltenberger Industriewerk
KG
Industriestraße 4, 63927 Bürgstadt, Tel: 09371/4005-0,
e-mail: info@miltenberger-industriewerk.de, wird auch von der Fa. Zeller
genutzt. Der sehr große Steinbruch liegt nahe des Theresienhofs
bei Kirschfurt.
Der nur wenig verwachsene Steinbruch
Kirschfurt mit den schön gebänderten Sandsteinen
(nördliche Steinbruchwand im Januar 2008). Früher
wurden mit einer Anlage Schotter gebrochen, die mit Schiffen auf
dem Main abgefahren wurden. Es bestand Ende der 1970er Jahren eine
Kapazität von ca. 400.000 t pro Jahr. Aufgrund von geänderten
Anforderungen an den Schotter für die Bahn musste der Betrieb
eingestellt werden.
Der hier gewonnene Sandstein wird
als "Mainsandstein" bezeichnet. Er wurde weit geliefert
und man kann ihn beispielsweise in folgenden Städten
bewundern: Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Karlsruhe, Freiburg,
Dortmund, Hamburg, Chemnitz, Lübeck, Berlin, Zürich,
St. Petersburg, ...
Im Bild (Bildbreite ca 40 cm) oben
sieht man kleine, weiße Flecken. Dabei handelt
es sich um Reduktionshöfe. Diese entstanden, weil das
färbende Eisenpigment im Sandstein kugelförmig um
ein Zentrum - oft aus einem Erzkörnchen - weggeführt
wurde. Der diesem zugrunde liegende Prozess ist bisher kaum
verstanden, da diese Höfe besonders in geologisch alten
Gesteinen ganz unterschiedlicher Art zu beobachten sind.
Im beeindruckenden Steinbruch Kirschfurt
sind schön gezeichnete Sandsteine weit verbreitet.
Hier wechseln helle Partien mit wenig Eisenoxiden mit sehr
eisenreichen in schönder Schräg- und Kreuzschichtung
ab. Ein großer Teil der Färbungen ist synsedimentär
angelegt worden. Die großen, rotbraunen Tongallen belegen
eine fluvatile Genese des Sandsteins (die gezeigten Blöcke
wurden aus dem Produktionsprozess aussortiert). Insbesondere
die Toneinschlüsse wittern sehr schnell aus und hinterlassen
Löcher, die kaum ein Kunde in einer Fassade toleriert.
Die nicht zur Werksteingewinnung nutzbaren Steine und Felsen werden
vielfältig verarbeitet (hinter den Wörtern sind Prospekte im
PDF-Format hinterlegt):
Die Partien, die nicht zur Werksteingewinnung
verwandt werden können, gehen in den Gartenbau oder werden
zu Schrotten gebrochen, so dass man das bunte Gemisch aus unterschiedlich
gefärbten Lagen zur Füllung von Gabionen verwenden kann.
Das Material wird im Sand- und Kieswerk der Fa. Fritz Weber GmbH &
Co. Miltenberger Industriewerke KG in Bürgstatt gebrochen
und ausgesiebt. Die Reste werden dann zu einem scharfen, braunroten
Brechsand aufgemahlen.
Die großen, alten und aufgelassenen Steinbrüche
sind nicht ganz ungefährlich. Am 28.03.2005 stürzte
eine größere Menge Gesteinbrocken bis zu einigen
Tonnen Gewicht auf ein Autohaus in Miltenberg (siehe Main-Echo
vom 29.03.2005 auf Heimat-Rundschau-Seite) und erzeugte hier
Schäden. Anschließend erfolgten umfangreiche Sicherungsmaßnahmen.
.
Der geologische Wanderweg an der Grenze zwischen Schöllkrippener Gneis, Zechstein und Buntsandstein:
Im Vorspessat, östlich von Schöllkrippen, wurde am Samstag,
den 11. September 2010 der Kulturrundweg Schöllkrippen 2 "Streifzug
durch die Erdgeschichte" zusammen mit dem Spessartbund Ortsgruppe Schöllkrippen
eingeweiht. Unter reger Teilnahme von etwa 80 Besuchern
aus der Umgbung* konnte im Anschluss der ca. 4 km lange
Weg bei schönem Wetter begangen werden; Erläuterungen
gaben die Herren Himmelsbach, Schlenke, Stühler und Lorenz.
An der Strecke wurden 7 große Tafeln aufgestellt, die die
lokale Geologie im regionalen Kontext darstellen. Der Weg fußt
auf einem bereits vor 40 Jahren begründeten Lehrpfad von
Dr. Gerhard Kampfmann; er ist somit der älteste Lehrpfad des
Spessarts.
Die Eröffnung des Rundweges
fand bei ausgezeichnetem Wetter und musikalischer Unterhaltung
durch die Kahlgründer Sänger statt. Der pyramidale
Felsblock
links besteht aus dem Schöllkrippener
Gneis. Rechts im Bild (von links) Akkordeonspieler der
Kahlgründer Sänger, Dr. Gerrit Himmelsbach,
Frau Hain, Bürgermeister
von Schöllkrippen Rainer Pistner,
stellvertrende Landrätin Marianne Krohnen, Dr. Walter
Mergner von den Bayerischen Staatsforsten und Joachim Lorenz
(Foto
Helga Lorenz).
Der Beginn ist entweder vom Naturschwimmbad oder vom Hof Schabernack (Gaststätte;
nahe an Vormwald) aus möglich. Der Weg ist leicht
begehbar; der größte Höhenunterschied führt
zum Standort der Alteburg, einer mittelalterlichen Motte.
Entlang des Weges passiert der Wanderer den Schöllkripper
Gneis (anstehend und als Felsblock), dann die Sedimente des Zechsteins
(als dunkelbraune bis schwarze Tonsteine und Dolomit, darin
eingestreut weißer Baryt (Schwerspat),
einen eindrucksvollen Steinbruch im Unteren Buntsandstein (auch
Heigenbrückener Sandstein, heute Calvörde-Formation genannt),
ein kleines "Felsenmeer" und die Wasseraufbereitung von Schöllkrippen
(Arsenproblematik). Das zugehörige blaue Faltblatt ist
beim Archäologischen Spessartprojekt,
der Gemeinde Schöllkrippen und beim Spessartbund
Ortsgruppe Schöllkrippen erhältlich.
Die Teilnehmer der Schlussrunde
während der Eröffnung hatten spontan die Gelegenheit,
das Wasserwerk von Schöllkrippen
auch von Innen anschauen zu können. Der
Bürgermeister Rainer Pistner
gab dazu ausführliche Erläuterungen.
Dabei ist der Sandsteinbruch am Röderhof (unweit der Rodberghütte
des Spessartbundes) nach seiner Freistellung von den
Bäumen durch die Bayerische Staatsforsten unter der
Leitung von Herrn Schlenke besonders beeindruckend (als Geologe
wünscht man sich aber, dass die östliche Hälfte
des Steinbruches auch noch vom Baumbewuchs befreit wird). In
der ca. 20 m hohen Felswand sind die typischen Merkmale des Buntsandsteines
erkennbar: Schrägschichtungen, Tonklasten, Störungen
und die sandige Verwitterung an der Oberfläche. Infolge
der vielen Klüften und losen Felsen kann man nur davor warnen,
ohne Schutzhelm an die stellenweise überhängende Steinbruchswand
zu gehen.
Die mächtige Felswand
des Unteren Buntsandsteins im Steinbruch am Röderhof
östlich von Schöllkrippen
(Foto Helga Lorenz).
Die Wegführung durch auch außerhalb des Waldes eröffnet
bei gutem Wetter zahlreiche Fernblicke in den Kahlgrund
und damit auch zu anderen geologisch-mineralogischen Besonderheiten,
wie z. B. zum Kalmus.
Über dem Kalmus erhebt
sich der aus Quarziten und Glimmerschiefern bestehende
Hahnenkamm (436 m), erkennbar an
den Sendemasten.
Hier kann man römische Sandsteine
anschauen:
Links: Eine bedeutende Sammlung
von ca. 35 Weihesteinen aus beschrifteten Sandsteinen
der Benefiziarien, von denen aber nur wenige ausgestellt sind.
Mitte: Der (Sand-)Stein mit der
Inschrift zur Errichtung des Kastells Obernburg (heute
würde man vom Grundstein sprechen)
Rechts: Der Leiter des Museums,
Dr. Leo Hefner, erläutert die Bedeutung der Funde
aus der obernburger Nekropole am Beispiel eines Grabsteines
aus Sandstein in einer Nachbildung des eigentliches Grabes.
Ein Teil der ausgestellten Steine
wurden aus Kirchen und Mauern gerettet (man hatte die behauenen
Steine aus der römischen Produktion weiter verwandt).
Die Steine waren nach der Herstellung in römischer Zeit
weiß gekalkt worden, dann die Schrift farbig hervorgehoben
und der Stein schön bunt bemalt worden - also völlig
anders als heute.
Das kleine Museum zeigt im Gewölbekeller
des Untergeschoßes einen Mithraskult, im EG die
Steine und im 1. Obergeschoß die Keramiken, Münzen,
Beschlagteile, Werkzeug, Glas und Neuerwerbungen.
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Ein Kerzenhalter aus Miltenberger Sandstein
der Fa. Zeller, Umpfenbach
hergestellt 2010.
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