von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
Wichtiger Hinweis:
Der Bergbau auf die Silbererze des Kupferschiefers wurde 1807, der
auf die Kobalt-Erze wurde 1867 und auf Eisen-(Mangan)-Erze wurde 1923
eingestellt. Infolge der seit langem anhaltenden Sammelaktivitäten
sind die wenigen Halden außerhalb des Naturschutzgebietes im Lochborn
abgesucht. Infolge der hohen Niederschläge sind alle empfindlichen
Phasen in den Halden zumindest angelöst, wenn nicht bereits zerstört.
Es versteht sich von selbst, dass ein Sammeln innerhalb des Naturschutzgebietes
im Lochborn ausdrücklich verboten ist!
Mit Bäumen bestande Halde um eine Schachtpinge im Lochborn bei
Bieber,
aufgenommen im Herbst 2008
Zur Pflege der Wiesen im Lochborn werden auch Ziegen eingesetzt, so
dass die
Flächen nicht verbuschen; dies ist einer der Ziele des Naturschutzes*,
aufgenommen am 11.10.2008
Zusammenfassung
Der vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert anhaltende Bergbau in um
um Bieber) (heute ein Ortsteil der Gemeinde Biebergemünd im hessischen
Teil des Spessarts östlich von Gelnhausen) war insbesondere im 18. und
19. Jahrhundert weit über die Grenzen bekannt (siehe Okrusch et al.
2011, S. 283ff, Aufschlüsse Nr. 263 - 271).
In die Mineralogie unauslöschlich eingegangen ist der Mineralname
Bieberit, der nach dem Ort von hier beschrieben worden ist. Ebenso stammt
das Mineral Rösslerit auch aus Bieber, so es die Typuslokalität
für das Mineral ist.
Sehr ausführliche Schilderungen zur lokalen Geologie des bieberer
Raumes und zum Auftreten der Erze auf den hydrothermalen Gängen finden
sich bei BÜCKING (1891 und 1892) DIEDERICH & LAEMMLEN (1964)
und DIEDERICH (1969). Leider gibt es keine neueren, umfassende geologisch-mineralogische
Beschreibungen.
In und um Bieber wurden drei verschiedene Bergbaue betrieben, sich deutlich
unterschieden lassen:
Es ist schriftlich belegt, dass im Mittelalter ein Abbau des Kupferschiefers
begonnen wurde. Dabei baute man eine wenige cm bis einige dm dicke Schicht
eines schwermetallhaltigen Zechsteinsedimentes ab, welches flächendeckend
des Zechstein-Dolomit unterlagert. Gehalte der Metalle liegen maximal bei
ca.: 0,7 % Kupfer, 2,4 % Blei, 1,7 % Zink und 0,007 % Silber. Dieser Bergbau
erzeugte ein weites aber sehr niedriges Stollensystem, welches unter kaum
vorstellbaren Arbeitsbedingungen erzeugt wurde. Das gesamte geförderte
Gestein wurde gepocht und mit Flußmitteln aufgeschmolzen; in einem
komplexen Prozess gewann man hauptsächlich Kupfer, Blei und in geringen
Mengen Silber. Die Ausbeute war insgesamt gering und deshalb wurde der
Abbau bereits 1807 eingestellt.
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Taler aus Bieber, Ausbeutetaler (oder Ausbeutemünze, auch Bergbauprägung, hier auch Bieber-Taler genannt) aus dem Silber von Bieber aus dem Jahre 1791, geprägt in der Münze von Hanau. In der Zeit von 1756 bis 1802 wurden ca. 40 verschiedene Varianten gestaltet, die sich machmal nur sehr gering unterscheiden. Allen eigen ist der textliche Hinweis auf die Verwendung von Silber aus Bieber. Von den einst ca. 40.000 geprägten Halb- und Talern sind nur noch geringe Bestände vorhanden. Sie werden heute zu recht hohen Preisen nahezu ausschließlich auf Münzauktionen gehandelt; je nach Erhaltungszustand und Jahrgang muss man zwischen 300 und 11.000 € dafür bezahlen!
Schachtpinge im Lochborn mit einer Erläuterungstafel des Kulturrundweges
(Bieberer 8), der von Bieber bis zum Wiesbüttsee verläuft - man
folge dem Schild wie rechts abgebildet.
Im 18. Jahrhundert begann man, die gangförmigen, hydrothermalen Cobalt-Nickel-Bismut-Gänge zu erschürfen. Dabei wurden lange Stollen angelegt und der gesamte Ganginhalt gewonnen. Das von Hand ausgelesene Erz wurde zerkleinert und zu Blaufarben für die keramische Industrie verwandt. Dieser Bergbau, den Bieber in der Geologie und Mineralogie bekannt werden ließ, stellte man 1867 ein.
Durch Funde nicht belegt, aber sehr wahrscheinlich ist die Eisenerzgewinnung
bereits zu vorrömischer Zeit (der spätere Bergbau hat dabei sicher
alle früheren Spuren getilgt). Sporadisch wurden Eisenerze sicher
zu allen Zeiten um Bieber gewonnen und wohl auch verhüttet. Der großmaßstäbliche
Abbau des Siderits mit einer gesamten Fördermenge von ca. 1,9 Millionen
t begann im 19. Jahrhundert und wurde 1923 eingestellt. Grund dafür
waren neben wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch die hohen Gehalte an
Arsen (bis ca. 1%!), die bereits in geringen Mengen einen Sprödbruch
des Eisens bewirken.
Es sind aus allen drei Bereichen noch abbaubare Vorkommen vorhanden.
Infolge der nach heutigen Maßstäben geringen Vorräte (“Rucksacklagerstätte“),
der damit verbundenen Kosten für Umweltauflagen, der schlechten
Qualität der Erzmittel und der niedrigen Metallpreise ist ein Wiederaufwältigen
der Abbau nicht denkbar.
Lage
Die Gewinnungsstellen der Erze lagen um die Orte Rosbach, Bieber, Gassen
und Röhrig verteilt. Sie gehören heute alle zur Gemeinde Biebergemünde.
Ein Großteil der Spuren ist überbaut oder durch die landwitschaftliche
Nutzung verschwunden.
Geologie
Im Raum Bieber stehen innerhalb des weitläufigen Buntsandstein-Spessarts
Schollen des Zechsteins und des darunter liegenden Grundgebirges aus metamorphen
Gesteinen (sehr gleichförmige, glimmerreiche Paragneise mit ±Staurolith)
an (“Bieberer Fenster“).
Das gesamte Gebiet ist von zahlreichen Störungen durchzogen. Die
Sprunghöhe der Verwerfungen werden mit ca. 10 - 70, teilweise bis 130
m angegeben. Auf vorwiegend herzynisch streichenden Klüften und Gängen
wurden aus hydrothermalen Lösungen buntmetallreiche Erze ausgeschieden
("Kobaltrücken")). Sie stehen im Gneis und halten bis in den
Zechstein und in den Bröckelschiefer durch. Die überwiegende Gangmasse
besteht aus Siderit und Baryt, in denen sich die begehrten Co-, Ni-, Bi-
und Cu-Erze fanden. Die mittlere Mächtigkeit der Gänge von 0,65
m (gewöhnlich 0,15 - 1,50 m) konnte bis zu 6 m anschwellen. Sie konnte
jedoch auch nur wenige mm stark sein! In nur wenigen Fällen bestand
die gesamte Gangfüllung aus Co- oder Nickelerzen (FREYMANN 1991). Die
Erzführung war insgesamt jedoch sehr ungleichmäßig. Nur
in den mittleren Teufen und an Scharungsstellen waren die Gänge „edel“
(BÜCKING 1892). Im Streichen konnten die größten Gänge
bis zu 2,4 km verfolgt werden.
Folgende Kobaltgänge wurden im Raum Bieber gefunden und teilweise
auch abgebaut (nach FREYMANN 1991):
1. Büchelberger Kobaltgang, 90°, 45-80° NE, 27 m, ~1790-1867
2. Büchelberger Kobaltgang, 150°, ?, ?, ~1790-1867
3. Büchelberger Kobaltgang, ?, ?, ?, -
1. Lochborner Kobaltgang, 135-150°, 55° NE, 7-24 m, 1748-1850
2. Lochborner Kobaltgang, herzynisch, 50-70° NE, ?, -
3. Lochborner Kobaltgang, herzynisch, 40-60°, ?, -
4. Lochborner Kobaltgang, 120°, SW, ?, nach 1780-1867
5. Lochborner Kobaltgang, 150°, SW, 20-38 m, nach 1780-1867
1. Röhriger Kobaltgang, 120-165°, 57° NE, >4 m, 1731-1800(?)
2. Röhriger Kobaltgang, 120-165(180)°, 57° NE, >4 m,
1731-1800(?)
Über dem Metamorphikum konnten früher noch wenig verfestigte Sedimente des Rotliegenden festgestellt werden. Die Schichtenfolge des Zechsteins erreicht hier bis zu 45 m. Sie sind als Mergel, dolomitische Kalk-, calcitische Dolomit-, Schluffsteine und Tone ausgebildet. Die liegenden Schichten des Zechsteins führen den metallreichen Kupferletten, die tonige Form der Kupferschiefers sedimentären Ursprungs. Der feinkörnige „Letten“ besteht nach FREYMANN (1991) aus Quarz, Glimmer, Calcit, Dolomit, Illit, Kaolinit, Chlorit, erdiger Baryt, Fe-Mn-Mineralien und bitumöse, organische Bestandteile (0,3 - 5,4 %). Die wirtschaftlich interessanten Erzmineralien (Korngröße 0,002 - 0,3 mm) sind darin feinst verteilt und bestehen aus Pyrit, Markasit, Arsenopyrit, Tennantit, Chalkopyrit, Arsenkies, Galenit und Sphalerit. In den oberflächennahen Bereichen kommen „Kupferglanz“, Covellin, Cerrusit, Azurit und Malachit hinzu.
Kupferschiefer in plattiger Ausbildung an einer Schachtpinge im Lochborn
Lokal enthält der Zechstein-Dolomit metasomatische Fe-Mn-Vererzungen,
meist Siderit (teils in oxidische Mineralien umgewandelt: Goethit, Pyrolusit,
Romanèchit, Lepidokrokit) in den verkarsteten Zonen, die teils hydrothermal
überprägt sind. Sie erreichen Mächtigkeiten von 2 - 25
m. Das Auftreten von Baryt, die geringen Gehalten an Buntmetallerzen und
das verstärkte Auftreten der Erze entlang der Störungen weisen
auf eine gemeinsame Genese der Erze hin. Eine Beeinflussung des Kupferschiefers
kann dabei ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.
Massiver bis erdiger Goethit mit brekziösem Baryt (Bildbreite
ca. 10 cm)
Darauf folgt wie oft im Spessart die Bröckelschieferfolge mit dem
unteren Buntsandstein aus Gelnhausen- und Salmünster-Folge aus feinkörnigen
Sandsteinen. Untergeordnet finden sich in der Umgebung kleine Durchbrüche
basaltischer Magmen, die ebenfalls Ziele eines bescheidenen Steinabbaues
(Beilstein, Hoher Berg, Madstein) waren. Unter den jüngsten Zeugnissen
geologischer Veränderungen ist das fast rezente Niedermoor am Wiesbüttsee
zu erwähnen, weil aus ihm bedeutende Beiträge zur Wald- und Besiedlungsgeschichte
des Spessarts gewonnen werden konnten.
Die meisten der durch den jahrhundertelangen Bergbau recht zahlreich
geschaffenen Aufschlüsse (wie bei DIEDERICH & LAEMMLEN 1964 aufgeführt)
sind seit langem aufgelassen und deshalb verwachsen, verschüttet oder
inzwischen überbaut.
Im Bereich des Bergbaugebietes sind an vielen Stellen steile, recht
frisch erscheinende Pingen zu finden, die sicher örtlich von Zeit zu
Zeit nachbrechen. Es muss auch obertägig ständig mit Einstürzen
gerechnet werden, wie zuletzt im oberen Lochborn, wo am 27. oder 28.12.1998
auf dem ehemaligen Bahndamm zwischen oberem und unterem Maschinenschacht
ein ca. 2 m großer, frischer Einsturztrichter gefunden werden konnte.
Die Kapelle am Burgberg bei Bieber
Historie
Über die bergbaulichen Aktivitäten liegen zahlreiche Schriften
vor, die größtenteils noch erhältlich sind (FREYMANN 1991,
HOFMANN) 1969 in Autorenkoll. 1994, CANCRIN 1787, DIEDERICH & LAEMMLEN
1964 und BACKHAUS & WEINELT 1967) weshalb hier auf eine Beschreibung
verzichtet wird. Auch gibt es eine sehr gute Seite im Internet zur Historie
(http://www.joerg-amberg.de/)
Der Lochborner Teich war über Jahre trocken, so dass Erlen wuchsen.
Mit dem Wiederfüllen vor ca. 10 Jahren starben die Erlen ab und
die
Stümpfe ragen aus dem Wasser.
Die umfangreichen und aus neuerer Zeit volumniösen Halden und andere an den Boden gebundene Zeugen des Bergbaues (Stollenmundlöcher, Pingen) sind meist reich an wenn auch fein verteiltem Erz. Alle bergbaulich interessanten Gangfüllungen und Erze enthalten typischerweise deutliche As-Gehalte. Diese Erze verwittern recht leicht unter den gegenwärtigen Bedingungen und sind heute Quellen eines bedeutenden As-Eintrages in die Gewässer. Dies wurde beispielsweise am Schwarzbach im Lochborn von TUROWSKI (1998) untersucht und ausführlich beschrieben. Die Wässer des Schwarzbaches erreichen As-Gehalte nach längeren Trockenzeiten bis zu 0,28 mg/l Bachwasser. Infolge der Größe der Halden und des Verwitterungsgrades der Erze ist mit einem Eintrag zu rechnen, der sicher noch hundert Jahre anhalten wird.
Heute findet sich in der Region die wohl bedeutendste Forschungsstelle für Mittelgebirge, unterhalten vom Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt. Dazu werden die Räumlichkeiten des früheren Bahnhofes der Eisenbahn genutzt, die das Eisenerz nach Gelnhausen brachte.
Der Bergbau von Bieber findet sich auch in den sehr bekannten Grimm´s
Märchen wieder. So beschreibt RUF (1995) ausführlich, warum man
heute davon ausgehen kann, dass es sich bei den sieben Zwergen in dem
Märchen vom Schneewittchen um Bergleute aus Bieber handeln kann!
Mineralien
Die wenig attraktiven Belegstücke aus dem Kupferschieferbergbau
sind heute nur einem sehr geringen Umfang vorhanden. Auch aus dem Bergbau
auf die Eisenerze liegen wegen der geringen Attraktivität und da aus
vielen ähnlichen Fundstellen bessere Stücke vorhanden waren,
kaum Belegstücke vor.
Zum Zeitpunkt des aktiven Bergbaues auf die Cobalt-Nickelerze wurden bereits international Mineralien gehandelt. Die damals noch junge Wissenschaft der Mineralogie entstand als Oryktognosie in Mitteleuropa und deshalb finden sich in fast allen alten Sammlungen der Universitäten und Museen sehr wenige Belegstücke aus Bieber; so auch in der Sammlung von J. W. von GOETHE in Weimar! Die wohl beste und umfangreichste Mineraliensammlung war die der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde zu Hanau, deren Sammlung im Bombenhagel auf Hanau 1945 verbrannte.
Reiches Belegmaterial findet sich in den alten großen Sammlungen Mitteleuropas, so z. in Berlin, Göttingen, Bonn, Wien (Österreich), Strasbourg (Frankreich), London (Großbritannien), München, Würzburg und in vielen anderen Sammlungen auch, so z. B. Aschaffenburg, Wiesbaden, ....
Die primären Erze in Bieber bestehen aus den Gangarten Siderit und
Baryt, selten Calcit (Ca[CO3]) und etwas Quarz, darin eingewachsen sind
die Erzmineralien (nach WAGNER & LORENZ 2002):
Alloklas ((Co,Fe)AsS)
Bismuthinit (Bi2S3)
Chalkopyrit (CuFeS2)
Cobaltit ((Co,Fe,Ni)AsS)
Emplektit (CuBiS2)
Galenit (PbS)
Gersdorffit ((Ni,Co,Fe)(As,Sb)S)
Löllingit (FeAs2)
Maucherit (Ni11As8)
Nickelin (NiAs)
Nickelskutterudit ((Ni,Co,Fe)As2-3)
Rammelsbergit (NiAs2)
Safflorit ((Co,Fe)As2)
Skutterudit (CoAs2-3)
Tennantit ((Cu,Fe)12As4S13)
gediegen Wismut (Bi).
Gediegen Wismut im Siderit (nicht wie auf dem sehr alten Zettel angegeben
im Baryt!) und auch ohne Bieberit, Bildbreite 8 cm.
Einige Bilder von den oben aufgeführten Mineralien aus dem Raum Bieber finden Sie auf der nächsten Seite (bitte beachten Sie, dass die 10 Fotos eine längere Ladezeit erfordern.
In GOLDSCHMIDT´s Atlas der Kristallformen finden sich mehrere Abbildungen von idiomorphen Kristallen des ged. Wismut aus Bieber (Band 9 , Tafel 48, Fig. 1, 3-6). Auch bei HINTZE (1904:124) wird das sonst nicht so häufge Mineral „auf Gängen im Glimmerschiefer mit Speiskobalt, Kobaltblüthe, Rothnickelkies, Eisenspath und Baryt krystallinische Partien und ausgebildete Krystalle;“ aufgeführt.
In dem sehr bekannten erzmikroskopischen Standardwert von RAMDOHR (1975:411) wird in Abb. 318 ein Einschluß von ged. Wismut in rissigem Skutterudit abgebildet. Das ged. Wismut zeigt die gleiche Anomalie beim Schmelzen wie das Wasser - es zieht sich beim Schmelzen zusammen, so dass es beim Erstarren sich ausdehnt. so können die abgebildeten Risse, ausgehend vom Bismut, im massiven Skutterudit gedeutet werden. Das Mineral kann deshalb auch als mineralogisches Thermometer verwendet werden.
Diese wurden stellenweise in Sekundärmineralien umgewandelt, so zu
Annabergit (Ni32+[AsO4]2·8H2O),
Bieberit (CoSO4·7H2O). Das Mineral wurde hier in Bieber zuerst gefunden (als Kobaltvitriol) und aus diesem Grund nach dem Fundort benannt (Typuslokalität).
Bieberit ist und war schon in Bieber im 19. Jahrhundert sehr selten. Die meisten "Bieberite" in den Mineralien-Sammlungen erwiesen sich bei einer genauen Analyse als Erythrin. Bieberit ist sehr empfindlich, weil wasserlöslich und deshalb auf den Halden kaum zu finden. Heute existieren nur noch wenige, wirkliche Bieberit-Proben aus Bieber in den (öffentlichen) und wohl nur ganz selten in privaten Sammlungen.
Erythrin (Co32+[AsO4]2·8H2O),
Jarosit (KFe33+[(OH)6/(SO4)2]),
Pharmakolith CaH[AsO4]·2H2O),
Pikropharmakolith (Ca4Mg[AsO3(OH)/AsO4]2·11H2O),
Rösslerit
und viele weitere.
Gemenge solcher Phasen wurden früher als "Erdkobalt" bezeichnet.
Eine anekdotische Besonderheit ist der verbreitete und sehr giftige Arsenolith
(As2O3; ebenfall als Neubildung auf alten Erzen), von dem KOPP 1807) schreibt:
„ ...sehr weich; leicht zersprengbar und besitzt einen zusammenziehenden
Geschmack. Auf einer Eisenplatte verdampft es gepulvert vollkommen unter
starkem Rauche. Auf glühende Kohlen gestreut gibt es einen, nach Knoblauch
riechenden, Rauch von sich.“
Museum Biebergemünd
Wenn Sie nach Biebergemünd, Ortsteil Bieber, kommen, dann empfiehlt
sich der Besuch des kleinen, aber feinen Heimatmuseums. Untergebracht in
neben einem großen Sandsteinbau (ehemaliges preußisches Amtgericht
- rechts im Bild) finden Sie in den Räumen im 1. OG eine schöne
Ausstellung zum Bergbau, Glashütten, Geologie, Eisenbahn, Vorgeschichte
und zur örtlichen Historie. Auch kann man hier einige der interessanten
Schriften zur Region käuflich erwerben.
Das Museum wird vom seit 10 Jahren bestehenden Geschichtsverein betreut
und ist am 1. Sonntag im Monat von 14 -17 Uhr offen - sonst nach Vereinbarung.
Bitte sprechen sie dazu den Geschichtsverein
in Biebergemünd an.
Literatur
Autorenkollekt. (1994): Festschrift 500 Jahre BIEBERER BERGBAU 1494
- 1994.- 70 S., Gemeinde Biebergmünd.
BACKHAUS, E. & WEINELT, Wi. (1967): Über die geologischen
Verhältnisse und die Geschichte des Bergbaues im Spessart.- in BACKHAUS,
E. (1967): Beiträge zur Geologie des Aschaffenburger Raumes.- Veröffentlichungen
des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., 10, 260 S.,
Aschaffenburg.
BERG, G. & FRIEDENSBURG (1944): Nickel und Kobalt.- Die metallischen
Rohstoffe, ihre Lagerungsverhältnisse und ihre wirtschaftliche Bedeutung.-
280 S., [Enke] Stuttgart.
BÜCKING, H. (1891): Erläuterungen zur geologischen Specialkarte
von Preussen und den Thüringischen Staaten. XLIX. Lieferung Gradabteilung
68, No. 54, Blatt Bieber.- 56 S., [S. SCHROPP´sche Hof-Landkartenhandlung]
Berlin.
BÜCKING, H. (1891): Erläuterungen zur geologischen Specialkarte
von Preussen und den Thüringischen Staaten. XLIX. Lieferung Gradabteilung
69, No. 49, Blatt Lohrhaupten).- 30 S., [S. SCHROPP´sche Hof-Landkartenhandlung]
Berlin.
BÜCKING, H. (1892): Der nordwestliche Spessart.- Abhandlungen
der Königlich Preussischen geologischen Landesanstalt, Neue Folge
Heft 12, 274 S., Berlin.
CANCRIN, F. L. (1787): Geschichte und systematische Beschreibung der
in der Grafschaft Hanau Münzenberg, in dem Amte Bieber und anderen
Ämtern dieser Grafschaft, auch dem dieser Grafschaft benachbarten
Ländern gelegenen Bergwerke.- 190 + XIX S., [Hertel] Leipzig; Reprint
in der 2. Aufl. von 1994, Bad Orb.
DIEDERICH, G. & LAEMMLEN, M. (1964): Das obere Biebertal im Nordspessart.
Neugliederung des Unteren Buntsandstein, Exkursionsführer und geologische
Karte.- Abh. Hess. L.-Amt Bodenforsch., Heft 48, 34 S., Wiesbaden.
DIEDERICH, G. (1969): Geologische Verhältnisse und Problemen bei
Bieber.- Natur und Museum 99 (7), S. 307 - 316, Frankfurt.
EMMRICH, S. (1997a): Quellen zum Bieberer Bergbau Die Betriebsberichte
1907 - 1925.- 110 S., Hrsg. vom Geschichtsverein Biebergemünd e.
V. [Eigenverlag] Bieber.
EMMRICH, S. (1997b): Quellen zum Bieberer Bergbau Betriebsstatistiken
1907 - 1926.- 48 S., Hrsg. vom Geschichtsverein Biebergemünd e. V.
[Eigenverlag] Bieber.
FREYMANN, K. (1991): Der Metallerzbergbau im Spessart. Ein Beitrag
zur Montangeschichte des Spessarts.- Veröffentlichung des Geschichts-
und Kunstvereins Aschaffenburg 33, 413 S., Aschaffenburg. GOLDSCHMIDT,
V. (1913-1923): Atlas der Krystallformen.- 9 Tafelbände mit je einem
Textband, [Winters], Heidelberg.
HINTZE, C. (1904): Handbuch der Mineralogie.- Erster Band, Erste Abtheilung,
1208 S., [Verl. v. Veit & Comp.] Leipzig.
HOFMANN, E.-L. (1969): Geschichte der Berg- und Hüttenwerke zu
Bieber.- Natur und Museum 99 (7), S. 317 - 328, Frankfurt.
KLUTH, C. (1967): Über ein Vorkommen vom Emplektit zu Bieber in
Hessen.- Aufschluss 18, S. 9 - 12, Heidelberg.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG,
G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine.
Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie
und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische,
mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches
Mittelgebirge.- s. S. 566ff, 714ff, 731ff.
OKRUSCH, M. (1963): Die Anfänge der mineralogisch-petrographischen
Erforschung des Vorspessarts.- Abh. Naturwiss. Ver. Würzburg, 4,
Heft 1, Würzburg.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart.
Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl.,
Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103
größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten
(43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
RAMDOHR, P. (1975): Die Erzmineralien und ihre Verwachsungen.- 4. bearbeitete
und erweiterte Auflage, 1277 S., [Akademie-Verlag] Berlin.
RUF, T. (1995): Die Schöne aus dem Glassarg Schneewittchens
märchenhaftes und wirkliches Leben.- 118 S., einige SW-Abb., [Verlag
Königshausen & Neumann GmbH] Würzburg.
TUROWSKI, S. (1998): Schwermetalluntersuchungen am Schwarzbach im Spessart
unter Berücksichtigung der Geologie des Lochborn von Bieber mit seiner
Bergbaugeschichte.- Geol. Jb. Hessen 126, S. 15 - 35, 14 Abb., 6
Tab. [Hess. Landesamt f. Bodenforschung] Wiesbaden.
WAGNER, T. & LORENZ, J. (2002): Mineralogy of complex Co-Ni-Bi
vein mineralization, Bieber deposit, Spessart, Germany .- Mineralogical
Magazine 66, No. 3 (Juni 2002), p. 385 - 407, 10 Fig., 9 Tab., The
Mineralogical Society, London.
NSG:
*Gedanken zum NSG (Naturschutzgebiet):
Es ist schon merkwürdig, dass eines der unnatürlichsten Täler
des Spessarts zum einem bedeutenden Naturschutzgebiet gemacht wurde, denn
hier im Lochborn ist praktisch Alles vom Menschen umgestaltet worden.
Selbst die Bäche sind verlegt, Halden, Tagebaue und Dämme haben
den Talgrund total verändert. Und zu Zeiten des aktiven Bergbaues
gab es hier wenig bzw. keinen Wald. Man könnte denken, dass die natürlichen
Gegebenheiten viel weniger Nischen bieten würden; dies würde zum
Schluss führen, dass eine Umgestaltung mit anschließender 50jühriger
Ruhe zu einer größeren biologischen Vielfalt führen würde
als ein "unberührter" Wald!
Aber wenn man nichts macht, dannn werden eben alle Flächen von
der Vegetation besiedelt; bei den hohen Niederschlägen im Raum Bieber
ist das kein Problem. Bis auf eine Ausnahme sind auch die Schwermetallgehalte
keine Hinderungsgrund für eine Ansiedlung von Bäumen. Wären
keine Schatten spendenen Bäume - auch Fichten - vorhanden, so wäre
das Tal noch weiter zugewachsen und man würde von den Bergbauresten
noch weniger sehen. Problematisch sind derzeit wohl die zahlreichen Wildschweine,
die erheblichen Wühlarbeit leisten und im Winter 2007/08 praktsich
die gesamten Wiesen "umpflügten".
Trotzdem sollte man die nicht standortgerechten Fichten herausschlagen,
so dass heimische Bäume die Flächen besiedeln können.
Der Geschichtsverein Biebergemünd:
Leider werden außerhalb des Naturschutzgebietes die verstürzten
Schächte (Schachtpingen) immer noch als illegale Müllplätze
genutzt. Es ist kaum zu fassen, welchen Aufwand man treibt, um die Zeugnisse
der hiesigen Kultur zuzuschütten. Hier gesehen während einer
aufschlussreichen Begehung durch ca. 15 Mitglieder des Geschichtsvereins
vom Biebergemünd am 14.06.2011 unter Führung von Siegfried Emmrich
am neuen Kunstschacht des 1. Röhriger Kobaltstollens. Von diesem Stollen
ist das Mundloch bei einem Versuch in der 1970er Jahren neu erbaut worden
als man versuchte, den Stollen für ein Besucherbergwerk zu sichern.
Leider wurde kein offener Stollen angetroffen, so dass das Vorhaben eingestellt
wurde.
Tag des Denkmals 2011:
Die Gruppe der Jubiläumsbegehung des Kulturrundweges der Bieberer
Acht am 11.09.2011 an der "Eisensau" in Bieber. Nach
Analysen stammt das Eisen sicher aus Bieber. (Foto Meinolf Drüll, Geschichtsverein
Biebergemünd)
Zum Tag des (offenen) Denkmals am 11.09.2011 trafen gegen 10 Uhr in Bieber
30 Teilnehmer zum Jubiläumsrundgang des Kulturweges ein, die der Geschichtsverein
von Biebergemünd eingeladen hatte. Das Führerduo aus Siefried Emmrich
(Kultur, Bergbaukunde) und Joachim Lorenz (Geologie, Mineralogie) begann
im Museum und an einem großen Eisenstück aus dem ehemaligen Hochofen
von Bieber mit der Wanderung. Dann gingen wir zum Burgberg, passierten die
Eisensteintagebau, die Schachtpingen des Kobaltbergbaues und auch den kaum
mehr sichtbaren Resten des Kupferschieferbergbaus, so dass wir verschwitzt
gegen 13.30 Uhr an der Gastwirtschaft am Wiebüttesee ankamen: ohne Regen,
aber bei großer Schwüle. Nach dem guten Essen liefen wir bequem
bergab zurück. Wir kamen am oberen Maschinenschacht vorbei, der infolge
von umgestürzten Bäumen besser sichtbar war. Dann erreichten wir
den Lochborner Teich mit den Erlen. Es gab auch ausnahmweise ein Stück
Cancrinit zum Anfassen. Auf halbem Weg gab es
als Verpflegung kleine Schokoladentäfelchen und gegen 17.10 Uhr waren
wir zurück am Museum. Das angekündigte große Gewitter mit
Regen und einem Temperatursturz auf 16 °C fand erst später statt,
so dass der Tag fast ganz trocken bleib. Das Wetter ist meist besser als der
Wetterbericht bzw. die Vorhersage meint.
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