Ausbeute-Taler (Bergbautaler) aus dem Silber von Bieber* im Spessart
von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
*nicht das Bieber bei Gießen oder das bei Offenbach!
Das Silber aus Bieber wurde in Ausbeutetalern (Talern und
Halbtalern) ab 1754 ausgemünzt. Die letzten Münzen der Bieberer
Taler erschienen in sehr kleiner Auflage im Jahre 1802 und sind dementsprechend
wertvoll. Da es sich bei den Bergbautalern um Umlaufgeld handelt, ist der
Erhaltunsgrad sehr unterschiedlich. Allen ist gemein, dass auf der Rückseite
steht, dass das Silber aus Bieber stammt:
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| Taler aus Silber von 1754 mit Wilhelm VIII. von
Hessen-Kassel (1751-60), 41,7 mm Durchmesser, 26,083 g Gewicht.
(Die Münze zeichnet sich durch ein höheres Gewicht aus, so dass nur 9 Münzen eine Mark ergeben) |
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| Hanau-Münzenberg: Konventions-Taler aus Silber (Zainende**) von 1770 mit Wilhelm IX. von Hessen-Kassel hier steht in lateinischer Umschrift, dass das Silber aus Bieber kommt: "Visceribus fodina Bieber". | ||
| Hanau-Münzenberg: Halb-Taler aus Silber von 1771 mit Wilhelm IX. von Hessen-Kassel; hier steht in lateinischer Umschrift, dass das Silber aus Bieber kommt: "Visceribus fodina Bieber". | ||
| Hanau-Münzenberg: Konventions-Taler aus Silber von 1771 mit Wilhelm IX. von Hessen-Kassel | ||
| Konventions-Taler aus Silber von 1774; Ab hier steht in einer Kartusche unterhalb des Wappens der Text "Bieberer Silber". | ||
| Konventions-Taler aus Silber von 1778 | ||
| Konventions-Taler aus Silber von 1785 | ||
| Halber Taler aus Silber von 1786 mit Wilhelm IX. von Hessen-Kassel (1785-1803), 32,8 mm Durchmesser, 14,003 g Gewicht. In der Kartusche unter dem Wappen steht nur die Abkürzung "Biber: Silb;" | ||
| Konventions-Taler aus Silber von 1787; ab hier steht der Text "Bieberer Silber" über dem Wappen auf der Rückseite | ||
| Taler aus Silber von 1789 mit Wilhelm IX. von Hessen-Kassel (1785-1803), 39,6 mm Durchmesser, 27,988 g Gewicht. | ||
| Konventions-Taler aus Silber von 1791 | ||
| Konventions-Taler aus Silber von 1794 | ||
| Konventions-Taler aus Silber von 1796 mit der Aufschrift: "Biberer Silber" über dem Wappen |
Das Silber für die Münzen war ein Produkt des
Kupferschieferbergbaues um Bieber. Silber ist in sehr geringen Mengen (<0,5%)
an Fahlerze (Tennantit) gebunden (mit dem bloßen Auge nicht sichtbar)
und es wurde im Ort Bieber aus dem gemahlenen (gepochten) Kupferschiefer
in einem komplexen Aufbereitungsprozess (Schmelzaufschluss) gewonnen. Das
Metall wurde dann zu Blechen (Zain) gewalzt, Ronden ausgestanzt und dann
mittels stählerner Stempeln zu den Münzen in Hanau geschlagen.
**Der Zain war das längliche gewalzte (hier Silber-)Blech, aus dem
die Ronden für die Münzen gestanzt wurden. Wenn die Einteilung
der Ronden nicht ganz nicht reichte, hatte die letzte Ronde bzw. die spätere
Münze eine mehr oder minder gerade Fehlstelle. Da die Herstellung der
Zain wie auch der Ronden und der Münzen Handarbeit war, wurden solche
Ronden bzw. Münzen nicht aussortiert und neu eingeschmolzen, sondern
in Umlauf gebracht.
25.06.2011: Die Münzfreunde aus Mannheim unter der Führung von
Gerhard Graab und Max Hayart zu Besuch beim Geschichtsverein von Biebergemünd
unter Leitung von Peter Nickel. Hier war eine ganze Vitrine mit originalen
Talern aus Bieber ausgestellt, darunter auch ganz seltene Exemplare, die Mitglieder
des Geschichtsvereins in Bieber ausnahmsweise zur Verfügung stellten.
Der Münz-Verein machte eine Fahrt fast durch den gesamten Spessart,
begonnen in Miltenberg, unterbrochen im Grafschaftsmuseum in Wertheim mit
seiner umfangreichen Münzsammlung und abgeschlossen im Glasmuseum. In
Heigenbrücken fand die Mittagsrast statt. Und in Bieber gab´s dann
Kaffee und Kuchen. Im Dauerregen fuhr man zurück nach Mannheim.
Literatur:
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J.
JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine.
Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie
und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische,
mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches
Mittelgebirge.- s. S. 717ff.
SPRUTH, F. (1979): Die Bieberer Bergbautaler Ein Katalog sämtlicher
Bieberer Prägungen von 1754 bis 1802, verbunden mit einem Beitrag zur
Geldgeschichte der Grafschaft Hanau und der Landgrafschaft Hessen-Kassel
sowie mit einer Darstellung der Bergbaugeschichte von Bieber.- Veröffentlichung
der Gesellschaft für Internationale Geldgeschichte e. V., Nr. 7,
111 S., Frankfurt.