von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
Der kleine, alte und zugewachsene Steinbruch "Teschenhöhle" bei Mainaschaff
mit den Felsen eines Olivin-Nephelinit in einer Schlotbrekzie,
rechts unten
erkennt man die Erläuterungstafel, aufgenommen am 19.10.2003.
An der Stelle des heutigen Loches befand sich früher ein markanter
Fels (eingezeichnet in einer Karte von Aschaffenburg aus dem Jahr 1843),
(Nachdruck im Vermessungsamt Aschaffenburg). In Mainaschaff wird die
Lokalität als „Teschenhöhle“ bezeichnet, ohne daß der
Grund für den merkwürdigen Namen bekannt ist.
Der auffällige Name kann von dem Gesteinsnamen Teschenit
(benannt von HOHENEGGER 1861) abgeleitet worden sein. Das Ergussgestein
wurde nach einem Ort in Nordwestböhmen benannt (bei TRÖGER,
W. E. (1969): Spezielle Petrographie der Eruptivgesteine, Ein Nomenklatur-Kompendium
mit 1. Nachtrag Eruptivgesteine.- 2. Aufl., 450 S., Nr. 565 f).
Hinweis:
Das Gebiet des Strietwaldes
wurde im Herbst 2003 durch den 25. Kulturrundweg "Tulpenbaum & Co."
des Spessart-Projektes erschlossen. Der ca. 8 km lange Rundweg beginnt
und endet am Nordfriedhof von Aschaffenburg (etwas nördlich der Autobahn
A3 Frankfurt-Würzburg). Er erschließt den ehemaligen Lehrforst
der früheren Forstuniversität (1819-1910) in Aschaffenburg.
Dieser enthält stellenweise auch ältere Bäume aus Nordamerika,
die hier angepflanzt wurden. Im Steinbachtal passiert man die markanten
Felsen ("Jahnfelsen") und Blockmeere der hier sehr harten Rotgneise. An 5
bzw. 6 Stationen des Weges informieren einheitlich gestaltete Tafeln über
Menschen, Landschaft, Geschichte und Geologie.
Die abgesetzte Station Nr. 6 ist der "Dicke Stein" an der Autobahn am Pfaffenberg vor Goldbach, leicht mit dem Auto zu erreichen. Eine Zufahrt zu der Sehenswürdigkeit wurde eingerichtet, der es auch gehbehinderten Menschen ermöglicht, den Steinblock aus der Nähe anzuschauen.
Ein Faltblatt (Aschaffenburg
Route 1 Strietwald/Damm mit englischer und französischer Kurzfassung)
dazu kann beim Archäologisches Spessart-Projekt e. V., Schlossplatz
4, 63739 Aschaffenburg, Tel. 06021/38674-15,www.spessartprojekt.de, angefordert
werden.
Das Vorkommen hat eine wirklich bewegte Geschichte:
Es war einmal vor ca. 43 bis 44 Millionen Jahren ...
Nur etwa 3 Millionen Jahre, nachdem das Maar von Messel - erschlossen durch die weltberühmte Grube Messel - entstanden ist, kam es hier beim heutigen Mainaschaff zu einem explosiven Vulkanausbruch. Die Gegend befand sich etwa auf der geographischen Breite von Neapel, ohne dass es auch Alpen gab. Der Gesteinsabtrag war damals noch nicht weit fortgeschritten, so dass die Erdoberfläche hier aus Buntsandstein bestand. Einen Main oder auch einen Spessart gab es damals noch nicht. Nachdem die nephelinitische Gesteinsschmelze entlang von Rissen (Störungen) den Weg bis nahe zur damaligen Erdoberfläche gefunden hatte, kam es beim Kontakt zum Grundwasser in dem Störungen unterhalb der heutigen Erdoberfläche zur Bildung von großen Mengen an Wasserdampf, was zum Aussprengen eines großen Trichters führte. Eine "Aschewolke" erreichte sicher einige km Höhe und die ausgesprengten Massen wurden in der Umgebung zu einem Wall deponiert. Die feinen Anteile wurden vom Wind weit verweht und bedeckte die eozäne tropische Pflanzenwelt (sie ist wie die Tierwelt aus den Funden im "Ölschiefer" der Grube Messel überliefert). Die instabilen weil zu steilen Wände der Vertiefung sanken nach der Exposion ein und erneut wurde das Material ausgeworfen. Dieser Vorgang wiederholte sich oft, bis sich ein Gleichgewicht aus dem Druck von Innen und der schüsselförmigen Hohlform mit dem Wall außen herum gebildet hatte. Die Schuttmassen aus großen und kleine Gesteinsfragmenten bilden die noch lose Schlotbrekzie. Der Feinanteil in den Massen legte sich nach dem Absinken in den Krater. Der Regen aus der Ausbruchswolke durchfeuchtete das Material und es bildete sich sich die Lapilli, die man heute noch nachweisen kann. Der Krater hatte einen am Schluss der expolsiven Phase Durchmesser von sicher einigen hundert Metern. Dann wurde die flüssige Gesteinsschmelze gefördert und diese drang in das expolsiv gepulverte und zerkleinerte lockere Gestein ein und erstarrte als gang- und zylinderförmige Massen. Das sind die harten, schwarzen Felsen, die später zur Schottergewinnung abgebaut wurden. Wie die Landoberfläche über der Ausbruchsstelle (Kraterkegel, Maar, Vulkanbau, usw.) nach dem Ende des Ausbruches ausgesehen hat, der Tage oder auch Monate, unter Umständen mit Unterbrechungen, dauerte, kann nicht mehr ergründet werden, da alles wieder wegerodiert wurde. Die einhundert oder zweihundert Meter aus dem überlagernden Buntsandstein wurden ebenso wegerodiert wie der Bröckelschiefer und die Sedimente des Zechsteins. Die Schollen an der Spessartrandverwerfung wurden Millionen staffelförmig nach unten verlagert und so wurden alle Spuren der einstigen Formen zerstört. Übrig blieb die Wurzelzone des Sprengtrichters, dessen Felsen als Härtlinge aus dem Gneis herauswitterten und so die Aufmerksamkeit der Menschen einholten.
Die harten Gesteinspartien wurde in einem kleinen Steinbruchbetrieb im frühen 19. Jahrhundert abgebaut und zu Schotter zerklopft. Übrig geblieben ist eine wilde Landschaft aus kleinen Trichtern, die mit dem Vulkan selbst nichts zu tun haben. Die Schlotbrekzie wurde als nicht verwertbarer Anteil einfach in der Umgebung als Halden aufgeworfen. Der Wald und ein fast undurchdringliches Gestrüpp aus Brombeeren, Springkraut, Holunder, Ahorn und Brennesseln eroberte das Terrain zurück, so dass kaum mehr etwas an die vulkanische Natur erinnert.
Wenn Sie das mit ausführlichen Erläuterungen ansehen wollen, dann kommen Sie zum Tag des Geotops am 3. Sonntag im September eines jeden Jahres.
Stark vereinfachter Schnitt durch den Vulkan von Mainaschaff
zum Zeitpunkt der aktiven Phase.
Innerhalb des hier anstehenden Muskovit-Biotit-Gneises (Orthogneis vom Goldbacher Typus; Rotgneis) ist vor 43-44 (+/-3) Millionen Jahren (Ma) ein schwarzes Ergussgestein von basaltähnlichem Aussehen (genauer ein Olivin-Nephelinit; Nephelinite sind Alkali-Vulkanite aus Nephelin, keine Feldspäte, Olivin, Augit, ...) aus dem Erdinnern aufgedrungen und hat die damalige Landoberfläche erreicht (damit kann die Stelle als Vulkan gelten). Es der einzige gesicherte Vulkan im Spessart - bei allen anderen weiß man nicht ganz sicher, ob die Massen die frühere Landoberfläche erreichten und damit als Vulkan gelten können.
Links:
Im Bild oben ist ein größerer Block des Olivin-Nephelinit
und darüber ein frisches, angeschliffenes Stück abgebildet.
Rechts:
Schlotbrekzie (angeschliffen und poliert); in der feinkörnigen
Grundmasse "schwimmen"
Basaltstücke, Sandsteinchen, Gneisbröckchen, Hornblende,
verwitterte Olivine, ....
So ein Gestein entsteht, wenn bei einem Vulkanausbruch die ausgeworfenen
Gesteins-
massen wieder in den Schlot fallen, dann wieder ausgeworfen werden,
dabei wieder
zerkleinert und so fort. Nach dem Verfestigen entstehen leichte,
tuffartige Gesteine
mit einer höst wechselvollen Zusammensetzung; Bildbreite
ca. 9 cm..
Der vulkanische Tuff wurde als "Gestein des Jahres 2011" der
Öffentlichkeit präsentiert.
Es konnten zwei nahe beieinander liegende, unterschiedlich große, nahe bei einander liegende Durchbrüche kartiert werden. Davon sieht man heute noch die von einer Steinbruchtätigkeit im 19. Jahrhudert übrig gelassene Schlotbrekzie (gelblichgrauer bis rotgrauer Schlottuff). Dieser wurde stellenweise vom Nephelinit durchbrochen. Es handelt sich bei dem Schlottuff um ein weiches Gestein mit Bruchstücken aus:
Die jetzt noch sichtbaren Felsen sind seit vielen Jahren der Verwitterung
ausgesetzt und von Flechten und Moosen überwachsen. Frische Gesteine
sind gegenwärtig nicht sichtbar (dies könnte man nur mit
einem Bagger erreichen, der nochmals etwas Gestein abbaut).
Der größte Teil des "Basaltes" wurde abgebaut und als
Schotter verwendet. Der häufig auftretende Buntsandstein und die
seltenen Stücke des Bröckelschiefers sind randlich durch die
Hitze der Schmelze und der Gase gefrittet, was man als dunklen Saum gut
erkennen kann. Dies bedeutet, daß die Quarzkörner des Sandsteins
nicht geschmolzen sind, sondern das Bindemittel thermisch verändert
wurde. Für ein Schmelzen des Quarzes war die Temperatur mit vielleicht
950° C und die Wärmemenge nicht ausreichend.
Im Bild erkennt man den gefritteten Saum um den
Buntsandstein, dessen Schichtung erkennbar horizontal
verläuft. Am Kontakt zum oben und seitlich angrezenden
Olivin-Nephelinit ist die Frittung intensiver ausgefallen
und die Verfärbung aufgehellt. Die kleinen und großen,
schwarzen
Einschlüsse sind die gut spaltbaren Hornblenden und Biotit.
Die ebenfalls vorkommenden Peridotite (ein u. a. aus Olivin bestehendes
Gestein aus dem oberen Erdmantel!) sind völlig in eine serpentinitsche
Masse verwittert. Die Glimmer in den Gneisstücken sind ebenfalls
thermisch verändert. Der hohe Anteil an Kristallauswürflingen
und Hornblende- und Pyroxen-Knollen weist auf eine gasbetonte und heftige
Explosionstätigkeit hin:
Die Buntsandstein-Einschlüsse bestätigen, dass zum Zeitpunkt
der Erpuption der (untere) Buntsandstein mit dem Bröckelschiefer
hier noch vorhanden war. Dieser ist heute wegerodiert und die nächsten,
bereits isolierten Vorkommen mit Buntsandstein finden sich erst einige
km weiter nordöstlich bei Rottenberg (Zeugenberge des Kloster- und
Gräfenberges).
Solche Brekzien entstehen, wenn bei einer vulkanischen Eruption
Gesteinsbrocken wieder zurück in den Förderschlot fallen.
Diese können dabei fragmentiert und auch mehrfach in die Luft geschleudert
werden. Als der Ausbruch sein Ende fand, erstarrte das Gestein als betonartige
Schmelze, reich an kantigen Bestandteilen. Dies ist die einzige Stelle
an der sich im Spessart nachweislich ein Vulkan befand. Es ergibt sich aufgrund
des Alters als auch der Ausbruchsstellen im Odenwald einen Zusammenhang
mit dem Einbruch des Oberrheingrabens.
Solche und ähnliche Ergussgesteine sind von vielen Stellen im Spessart (Kleinostheim, Hohl, Rückersbach, Alzenau, Bessenbach, Keilberg, Königshofen, Lettgenbrunn, Horbach, Villbach, ....) und Odenwald (z. B. Großostheim, Mömlingen) bekannt.
Der inzwischen völlig abgebaute Basalt als Erosionsrest zwischen Alzenau und Kahl ist mit 17 Ma deutlich jünger und muss in Verbindung mit dem Vogelsbergvulkanismus gesehen werden.
Sandstein in der Schlotbrekzie, durch die Hitze randlich gefrittet, gefunden 1972, Bildbreite 12 cm. |
Sandstein mit Tongallen (Tonklasten) und einer Tonschicht, die infolge der Hitze gebrannt (verziegelt) wurde, gefunden 1972, Bildbreite 11 cm. |
Stück ehemaliger Tonstein aus dem Bröckelschiefer, verziegelt (gebrannt) aus der Schlotbrekzie, gefunden 1972, Bildbreite 10 cm. |
Großer Biotit-Kristall in der Schlotbrekzie, gefunden 1972, Bildbreite 7 cm. |
Großes Teilstück eines Hornblendit aus der Schlotbrekzie, gefunden 1972, Bildbreite 15 cm. |
Thermisch etwas veränderter Gneis aus der Schlotbrekzie, gefunden 1972, Bildbreite 15 cm |
Infolge der weit fort geschrittenen Verwitterung und des Verfalls der Abbaue sind solche Funde kaum mehr möglich.
Mineralien:
Das ungewöhnliche Ergussgestein weist kaum sichtbare Mineralien
auf. Einzig in der Schlotbrekzie finden sich ab und zu kleine Kristallbruchstücke
von bis zu cm-großen, schwarzen Hornblende-Einschlüssen
(Hornblendite). Die Zeolithe der Literatur konnten bisher nicht bestätigt
werden. Infolge der leichten Verwitterung und der schlechten Aufschluss-Situation
ist davon kaum mehr etwas zu sehen bzw. zu finden.
Literatur:
LIPPOLT, H. J., BARANYI I. & TODT, W. (1975): Die Kalium-Argon-Alter
der postpermischen Vulkanite des nordöstlichen Oberrheingrabens.-
Aufschluss Sonderband 27, S. 205 - 212, Heidelberg.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER,
J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine.
Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie
und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische,
mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches
Mittelgebirge.- s. S. 653ff.
MATTHES, S. & OKRUSCH, M. (1965): Spessart.- Sammlung Geologischer
Führer Band 44, S. 95 - 97, Berlin.
MURAWSKI, H. (1992): "Nur ein Stein" Geologie des Spessarts.-
308 S., 58 teils farb. Abb., Museen der Stadt Aschaffenburg.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart.
Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl.,
Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103
größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten
(43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
SCHMEER, D. (1973): Petrographische und genetische Beobachtungen
an Einschlüssen (Knollen) in kleinen Tuffvorkommen der Umgebung von
Aschaffenburg.- Geologica Bavarica 67, S. 215 - 228, München.
STREIT, R. & WEINELT, Wi. (1971): Erläuterungen zur Geologischen
Karte von Bayern 1:25000 Blatt 6020 Aschaffenburg.- S. 106-116, München.
Zurück zur Homepage
oder zum Anfang der Seite