Der große Steinbruch im Hahnenkamm-Quarzit bei Hemsbach (Mömbris) im Spessart
- der ehemalige MHI-Steinbruch - 
(aufgelassen,
aber kein Erholungsort!)

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
 

Steinbruchsee
Der See im Morgenlicht am 03.09.2011

Seit dem Sommer 2008 gilt hier:
Baden verboten!
Betreten verboten!
Und im Winter:
Betreten des Eisfläche verboten!

Solche Schilder der Gemeinde Mömbris wurden an allen Zugängen aufgestellt. Sie müsen auch beachtet werden, da die häufige Missachtung zu Problemen mit der Gemeinde Mömbris geführt haben. Und uneinsichtige Fahrer mit Geländewagen, Schwimer, Betreiber von Lagerfeuern und so weiter haben leider die Situation noch verschärft, so dass mehr Kontrollen mit der Polizei und kommunalen Mitarbeitern eingeführt wurden!


Steinbruchsee

Steinbruchpanorama
Der Steinbruch am 10.05.2008 mit Blick nach Norden: Die unterste Sohle hat sich mit dem reichlichen Regenwasser des Winters 2007/08 gefüllt, welches nicht mehr abgepumpt wird. Im Vordergrund erkennt man die Massen von Aushub, mit der Steinbruch verfüllt wird.
 

der Steinbruch bei Hemsbach als Panoramabild
Der eindruckvolle Steinbruch im Sommer 2006 (Panoramabild) während einer Führung mit der VHS Mömbris


Zusammenfassung:
Bei der früheren Gewinnung von Straßenschotter und Wegebaumaterial in dem inzwischen ausgedehnten Quarzit-Steinbruch bei Hemsbach am östlichen Hang des Hahnenkammrückens konnten bis heute nur wenige, meist weit verbreitete Mineralien gefunden werden. Bemerkenswert unter den Mineralien ist das Vorkommen von reichlich glaskopfartigem Lithiophorit auf Kluftflächen und grünem Dravit, einem Turmalin.
Weiter sind vor allem hübsche Gesteinsstücke mit Granatporphyroblasten (leider ausnahmslos zersetzt) zu beobachten.
 

Lage:
Es handelt sich bei dem Aufschluss um den ehemaligen Steinbruch der Fa. August AMBERG. Er wurde von der MHI (Mitteldeutsche Hartstein-Industrie AG mit Sitz in Haunau-Steinheim; der Steinbruch gehört zur 100%igen Tochter MHI GmbH in Gründau) ausgebeutet. Er liegt am südwestlichen Hang der Hohe Mark südwestlich von Brücken, ein Ortsteil der Gemeinde Mömbris im Kahlgrund nordwestlich von Aschaffenburg (GK 5920 Alzenau i. Ufr., R 0920 H 4970, siehe Okrusch et al. 2011, S. 141, Aufschluss Nr. 8). Seit 2007 ist der Steinbruch aufgelassen und wird nur noch als Erddeponie der Gemeinde Mömbris genutzt.

Der Steinbruch ist zu Fuß über die mittlerweile aufgelassene Zufahrt von der Straße von Brücken nach Hemsbach (Ortsteil der Gemeinde Mömbris) aus zu erreichen. An der scharfen Kurve zweigt rechts ein steil ansteigender Weg zum Bruch ab, den man nach ca. 200 m erreicht.
Mit dem PKW ist er leicht über die Zufahrt von der Straße Alzenau-Schöllkrippen zwischen Michelbach und Niedersteinbach zu erreichen. Man überquert das Bahngleis der Kahlgrundbahn und passiert nach einen Metallverarbeitungsbetrieb die Kläranlage. Dann verläuft der steil ansteigende, asphaltierte Weg im Wald bis zu einer Schranke vor dem Steinbruch.

 


Hinweis für Besucher:
Mineraliensammler, Geologen und Interessenten konnten den Steinbruch auf eigene Gefahr besuchen. Es besteht wie allgemein bekannt Helmpflicht und es wird festes Schuhwerk verlangt. Nach Regen oder auftauendem Frost ist das Verweilen an den Wänden lebensgefährlich! Nach Regenfällen sind Gummistiefel sehr zu empfehlen. Beachten Sie auch die weiteren Hinweise zur Arbeitssicherheit.

Leider hat die Flaute in der Bauindustrie, die leeren Kassen der Kommungen und der stark reduzierte staatliche Waldwegebau den Umsatz so weit zurück gehen lassen, so dass man den regelmäßigen Abbaubetrieb und die Aufbereitungsanlage gegen Ende 2003 eingestellt hat.
Es wurde dann seit 2005 nur unregelmäßig abgebaut und mit einer mobilen Anlage bei Bedarf gebrochen und gesiebt. Die Aufbereitsungsanlagen wurden vollständig abgebaut und seit 2007 fand gar kein Abbau mehr statt.
Seit 2008 wird der Steinbruch nur noch als gemeindliche Erdaushub-Deponie betrieben. Infolge der Größe werden die Felswände noch einige Jahre sichtbar bleiben.

Platz der Aufbereitung Brecherwerk
Hier standen die Silos, Förderbänder, Brecher, Instandhaltung, Waage und das Büro (Bild vom 10.05.2008) und rechts aus ähnlicher Perspektive die Aufbereitungsanlage im Jahr 2002.


Eine der Folgen des Schließens ist, dass mit den LKW die weiter benötigten Gesteinsmassen dann über eine größere Distanz verfahren werden. Dies kostet Geld, verbraucht Treibstoffe und füllt die bereits vollen Straßen noch weiter.
Ganz abgesehen davon verschwindet langsam ein weiterer, eindrucksvoller Aufschluss in den Spessartgesteinen von der Bildfläche. Ein Teil des Geländes sollte als Geotop erhalten werden.

Hahnenkammsee
Der Wasserstand im "Hahnenkammsee" (hier am 31.08.2008) scheint im Gleichgewicht zu stehen. Infolge der steilen Wände wird der See kaum von Pflanzen besiedelt werden. Organisches Material nur durch den Eintrag aus der Luft erfolgen, so dass dem See ein langes Leben bescheinigt werden kann, wenn er denn nicht verfüllt wird. Da kein Abbau mehr erfolgt, sind die Aussichten auf Mineralfunde als sehr klein anzusehen, da praktisch nur das gefunden werden kann, was an den Felswänden durch die Verwitterung freigelegt wird. Belegstücke und Proben der Gesteine der Geiselbach-Formation sind dagegen immer noch zu gewinnbar.


Uhu!
Seit 2009 ist der Steinbruch auch als Brutstätte für einen Uhu und an solche trockenen Standorte angepasste Heuschrecken bekannt geworden. Diese Tiere benötigen einen offenen Lebensraum und somit wurde die behördlich verfügte Verfüllung öffentlich in Frage gestellt. Die Erhaltung und Freihaltung der Steinbruchwände verdient Unterstützung, da so das Geotop in dem sonst nirgens so gut aufgeschlossenen Gestein der Geiselbach-Formation erhaltungswürdig ist.


Der (Hahnenkamm-)See
Er wird inzwischen als Hahnenkamm-See bezeichnet und ist einer der wenigen Seen in felsigen Umfeld der Region. Die Entwicklung können Sie anhand der Bilder von 2001 bis 2012 nachvollziehen. Dabei ist es auch leicht, die geringe Tiefe von etwa 10 m zu erkennen, weil der Steinbruch hier nicht fortgeführt wurde. Beachten Sie auch die Färbung des Wassers, die markanten Stellen im Wasser:

See 2001
13.01.2001
See 2002
24.02.2004
See 2003
12.07.2003
See 2004
15.05.2004
See 2005
30.04.2005
See 2006
15.01.2006
See 2006
18.06.2006
See 2008
07.06.2007
See 2008
29.03.2008
See
16.08.2009
See 2010
02.09.2010
Steinbruchsee
03.09.2011
Steinbruch See Hemsbach
24.12.2011
Nach den starken Regenfällen des Dezember ist reichlich Sediment in der See eingespült worden und das Wasser
bekam damit eine rotbraune Farbe.
Eis auf dem See
11.02.2012

Die zunächst lokal geäußerten Befürchtungen, dass der See eine Gefahr für die tiefer liegende Wohnbebauung darstellt, ist mit Fakten kaum zu begründen. Selbst wenn man annehmen würde, dass der Wasserdruck von 1 bar (bei 10 m Tiefe) am Seegrund zu einem Einsickern in das Kluftnetz führt, dann steht die Schieferung gegen den Talhang, so dass kein Abrutschen möglich ist. Auch ein Abrutschen von Glimmerschiefermassen in den See ist nicht in einer Größe zu erwarten, dass ein pötzliches Überlaufen eintreten könnte, wie man das von großen Stauseen kennt. 

Es handelt sich bei dem Wasser ausschließlich um Regenwasser, welches aus dem Einzugsgelände in den See läuft (wenn man so will ist es eine große Pfütze). Dies kann man damit begründen, dass es in Trockenperioden während des Steinbruchbetriebes keine Zuflüsse gab, so dass man kein Wasser abpumpen musste. . 

Die Befürworter der Erhaltung tagten am 13.10.2011 im Vogelschutzhaus in Mömbris. Dabei wurde ein Gutachten vorgestellt, welches aus rein biologischer Sicht ein Konzept für die Erhaltung der Roten-Liste-Pflanzen und ~Tieren vorsieht. Es sollte dahin gehend nachgebessert werden, dass ein größerer Teil der Felsen und des Sees erhalten bleiben, da sonst eine sehr schnelle Verlandung eintritt. 

Der See mit einer relativ großen Tiefe von ca. 10 m ist eine Besonderheit, da eine Verlandung in den nächsten Jahrzehnten nicht erwartet werden muss, da in wenigen Jahren kaum mehr Sediment eingetragen wird (wenn die Verfüllung eingestellt würde). Dabei tritt eine thermische Schichtung ein, die im Jahreslauf wechselt und so das Wasser umwälzt. Der See hat nur im Süden ein flaches Ufer, so dass auch nurt wenig Sediment eingetragen wird.  Infolge der derzeitigen Verfüllung ist ein erheblicher Teil des Sees bereits verfüllt, da die erdigen Massen sind breeig im See weit ausbreiten und einen sehr flachen Böschungswinkel bilden. 

Die östliche Felswand aus den schräg einfallenden Glimmerschiefern wird infolge der Verwitterung, insbesondere nach Frost und Regen weiter abrutschen, so dass diese Wand in wenigen Jahren so weit abgeböscht sein wird. Damit wird der oberhalb des Sees verlaufene Weg verschwinden, bis sich ein natürlicher Böschungswinkel aus Hangschutt eingestellt hat. Damit ist das die gefährlichste Fläche im Steinbruch.
Die gegenüber liegende Seite besteht aus Quarziten, die gegen den Hang einfallen und damit recht stabil sind. Aufgrund dessen wird diese Wand länger bestehen bleiben. Die strake Klüftung wird zwar dem Wasser einen Zutritt ermöglichen, da aber die durch den Frost gelösten Brocken in der Klüftung stehen, reicht diese Hemmung für einen Erhalt. Einzelne Felsen werden aber auch vom Frost zerkleinert und diese werden dann abgehen. Da sich unterhalb nur der See befindet, besteht für Menschen keine Gefahr.

Der nördliche Bereich des Steinbruchs eigenet sich für einen schönen Einblick, ohne dass Gefahr für Menschen besteht oder die Tiere im Steinbruch gestört werden. Hier besteht auch keine Gefährdung für Besucher (außer dass man dort ins Wasser fallen kann und infolge der Höhe der steilen Wand dann nicht mehr heraus kommt, sondern ans südlich Ufer schwimmen muss).
Die größte Gefahr für den Erhalt ist das Verwachsen mit Büschen und Bäumen. Infolge der Besamung durch den umgebenden Wald wachsen schon jetzt erschreckend schnell Bäume heran. Dies wird in den nächsten Jahren verstärkt anhalten, so dass ohne weitere Maßnahmen das Gelände in ca. 20 Jahren völlig zugewachsen sein wird. Das kann man an den vielen Steinbrüchen im Spessart sehen. Keine Felswand ist zu steil oder bietet keinen Halt für Pflanzen. Damit werden auch all die Pflanzen udn Tiere verschwinden, die offene, trockene und warme Lebensräume benötigen. 

Zu einem Erhalt ist es in wenigen Jahren notwendig, die Bäume heraus zu schlagen. Das ist insbesondere in den Steillagen aufwändig und muss mit einer Sicherung erfolgen.

Der beste Schutz und die Erhaltung wäre ein moderat fortgeführter Abbau, mit einigen tausend m³/Jahr unter Verwendung einer mobilen Brecheranlage zum örtlichen Wegebau bzw. für den lokalen Bedarf. Dies wäre auch unter dem Gesichtspunkt der Kosten die wirtschaftslichste Lösung.

Aufgrund der Verhältnisse besteht kein Mangel an einer Alternative.

Alternativer Platz
Der älteste Teil des Steinbruches (aufgenommen am 11.02.2012) böte über Jahre hinweg die Möglichkeit Aushub zu deponieren. Hier standen früher die Betriebseinrichtungen wie Silos, Brecher und Werkstätten. Das ist der Steinbruchteil, den August Amberg als erstes in den 1970er Jahren abbaute. Die umgebenden Bergflanken und Felsreste zeigen leicht erkennbar die ursprüngliche Geländeform.

Für Interessierte hat es am Sonntag, den 06.05.2012 um 14.30 Uhr (Treffpunkt an der Kläranlage) eine Wanderung um den Steinbruch gegeben, bei der neben den geologischen Verhältnissen auch die historischen, botanischen und zoologischen Besonderheiten von verschiedenen Fachleuten erklärt werden. Leider wurde Antrag, in den Steinbruch zu gehen, von der Gemeinde Mömbris, abgelehnt. So bleibt der Gang um den Steinbruch zusammen mit den LBV und weiteren Bürgern aus Mömbris. 

Es kamen etwa 75 Interessierte, darunter auch zahlreiche Bürger aus der weiteren Umgebung; die meisten stammten aus der Gemeinde Mömbris. Leider war das Wetter etwas nass:   

Uhu Joachim Lorenz  Gudrun Griesbeck
Zur Anschauung diente ein ausgestopfter Uhu (Opfer eines Unfalls), Gesteins- und Mineralproben und Frau Griesbeck erläuterte die Historie des Steinbruchs (Fotos Andreas Völker, Rothenbuch).

Aussichtspunkt im Regen  
Leider wurden die Redebeiträge durch Regenschauer unterbrochen (Foto Andreas Völker, Rothenbuch). Der Steinbruch wurde beim Rundgang auf öffentlichen Wegen umrundet, so dass sich die Besucher selbst ein Bild machen konnten. Den nachtaktiven Uhu konnte man dabei nicht sehen. Zur Vermeidung von Störungen sollte der Steinbruch auch nicht begangen werden.

Literatur:
LORENZ, J. (1996): Lithiophorit und Dravit aus dem Quarzit-Steinbruch bei Hemsbach (Spessart).- Aufschluss 47, Heft November/Dezember 1996, S. 314 - 320, Heidelberg.
LORENZ, J. (2002): Crandallit und ein bauxitischer Ton aus dem Quarzit-Steinbruch bei Hemsbach im Spessart.- Aufschluss 53, Heft 4 Juli/August 2002, S. 201 - 208, 5 Abb., 4 Tab., Heidelberg
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 792ff, 802.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
OKRUSCH, M., STREIT, R. & WEINELT, Wi. (1967): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25000 Blatt 5920 Alzenau i. Ufr.- S. 57 ff, S. 65 ff, München.


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