Die Kies- und Sandgruben im Maintal - auch Fundstellen für Mineralien und Gesteine?
Ja!
und neuerdings auch Gold.

(Vorabversion)

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main

Kiesgrube

Die Kiesgrube der Fa. Volz und Herbert zwsichen Dettingen und Hörstein

Wichtiger Hinweis:
Vorsicht an Wänden und Schüttkegeln, denn sie können plötzlich rutschen. Auch an den Absetzteichen für das Wasser besteht die Gefahr, dass man im Schlamm einsinkt!
Leider wurde in dieser Kiesgrube der Fa. Volz & Herbert die Aufbereitung umgebaut, so dass man seit Februar 2004 nach der Aufgabe das Material durch den Brecher laufen lässt, so dass keine ungebrochenen Überkornhalden mehr entstehen. Für den Sammler von Mainschottern bedeutet dies, dass man auf andere Kiesgruben ausweichen muss..
 



Zusammenfassung
In den meist flächenreichen Kiesgruben können bei entsprechenden Verhältnissen die vielflätigen Gesteine, Fossilien und Mineralien in unterschiedlich großen Stücken gefunden werden, die oberhalb der Lage vom Main und seinen Nebenflüssen aufgenommen und hier mehr oder weniger gerundet und zerkleinert abgelagert wurden.
 

Lage
Kies- und Sandgruben gibt es von Wertheim dem Main folgend bis nach Mainz, besonders in der Nähe der Ortschaften Miltenberg, Obernau, Großostheim, Niedernberg, Stockstadt, Kleinostheim, Mainhausen, Babenhausen, Alzenau, Langen, Frankfurt, ......

Hier soll bespielhaft eine der vielen Kiesgruben aufgeführt werden, die nur wenige hundert m von der Wohung des Autors entfernt liegt: Die Kiesgrube der Fa. Volz & Herbert in Hörstein (Alzenau Gewerbegebiet Süd). Die Zufahrt ist am leichtesten von der Ausfahrt der Bundesautobahn A45, Anschlussstelle Karlstein, vorbei an der markanten DEA-Tankstelle und dann der Beschilderung folgen (bitte Verbotstafeln beachten!) und weiter vorbei an Lidl und Aldi bis zur Schranke der Kiesgrube.
 

Geologie
Unter einer geringmächtigen Bodenbedeckung von ca. 0,5 m beginnt ein lehmiger, sehr zäher Kies, der nach 1,5 m in den gewünschten ton- und lehmfreien Kies übergeht. Der Grundwasserspiegel liegt innerhalb der Mainniederungen bei ca. 3-4 m unter der Geländeoberfläche. Diese pleistozänen Ablagerungen des Maines aus wechsellagernden Sanden und Kiesen, oft schräg geschichtet, sind hier ca. 6-7 m mächtig:

Kies

Unter ihnen folgen pliozäne Tone und Sande, leicht erkennbar an der gelblichen bis grauen Färbung und an der darin vorkommenden Braunkohle (Lignit). Stellenweise wurden auch so große Holzmengen sedimentiert, so dass diese als Braunkohlen-Lagerstätten abgebaut wurden. Ein Teil der Seen zwischen den Ortschaften Großwelzheim, Kahl, Alzenau und Großkrotzenburg sind dabei entstanden. Die Kohle wurde im Kraftwerk des RWE bei Großwelzheim verstromt. Infolge der Kleinheit der Vorkommen und der strukturellen Verhältnisse (Trinkwassergewinnung, Überbauung, forstliche Nutzung usw.) ist ein Abbau der noch vorhandenen Vorräte realitätsfern.
Infolge der gestiegenen Niederschläge ist der Grundwasserspiegel in den letzten Jahren um etwa 1 m angestiegen.
 

Historie
Die Gewinnung von Sand und Kies hat in der Region lange Tradition. Früher wurde das Material von Hand gewonnen und mit Pferdewagen abgefahren. Später wurde mit Baggern und LKW, dann in großen Anlagen mit Schwimmbaggern und Förderbändern gearbeitet, wobei das Gestein auch gesiebt und gewaschen wird. Die meist mit Grundwasser gefüllten Seen wurden lange Jahre als Müllkippen genutzt, teilweise aber auch zur Schwimmbädern eingerichtet. Auch finden sich Mehrfachnutzungen, z. B. für Freizeitangler, Windsurfer usw.

Die Kiesgrube der Fa. Volz und Herbert in Hörstein wurde ca. 1990 begonnen, nachdem sich der Betrieb in Kahl nicht mehr ausdehnen konnte. Man kann aber insgesamt auf eine 100 jährige Tradition zurückblicken. Die Firma produziert und liefert Sand, Kies, Böden für den Gartenbau, Recycling-Materialien - z. B. für den Wegebau, Schotter, Brechsande und Steine für die Gartengestaltung. Seit dem Sommer 2008 auch einen Fertigbeton bereits ab 150 kg für Selbstabholer, wenn man beispielsweise eine Gartenmauer oder einen Weg damit befestigen will.
Betonmischer
Die Betonmischanlage für Fertigbeton in kleinen Mengen am 26.07.2008
 

Mineralien und Gesteine
Der Kies besteht im Bereich der Überkornhalden (siehe Bild unten) aus folgenden Bestandteilen, wobei der Buntsandstein bei weitem überwiegt (ca. 60-70%):

Überkornhalde Überkornhalde in der Wintersonne
Überkornhalden der Kiesgrube, rechts am 15.12.2007 in der winterliechen Nachmittagssonne

Manche der hier aufgeführten Arten wurden in den ca. 35 Jahren unterscheidlich intensiven Sammelns nur ein einziges Mal gefunden.

Die Korngröße reicht vom Ton über Sand bis zu mehreren Tonnen schweren Driftblöcken aus Sandstein, Diorit, verkieselter Zechstein-Dolomit und Gneis, die in die Gartengestaltung in der Umgebung der Kiesgruben Verwendung finden.

Die Fundmöglichkeiten sind nach längeren Regenperioden am besten. Es lohnt sich in der Regel nur die Geröllhalden abzusuchen, da hier das Überkorn vor dem Brechen zwischengelagert wird.
 

Maingerölle mit einem verkieselten Holz (Suchbild)
Suchbild.
Typische Fundsituation am 15.12.2007 an einem sauber geregneten Haufen: eines der Steine ist ein versteinertes Holz. Es ist die Kunst unter den tausenden von Geröllen die wenigen interessanten Stücke zu sehen und dann herauszulesen. Man erkennt hauptsächlich Sandstein, Quarz, Gneis und infolge des Frostes zerfallene Tonbrocken.

verkieseltes Holz BB 13 cm
Faszinierend:
Verkieseltes Holz aus dem Bild oben, nach der Reinigung, Bildbreite ca. 13 cm. Dieses Stück weist eine Besonderheit auf, denn es ist im Innern des ehemaligen Stammes (oben und rechts im Bild) merkwürdig narbig ausgebildet. Man kann diese Art der Erhaltung als auch als fossile "Rotfäule", also einen fossil überlieferten Pilzbefall mit teilzerstörtem Holz deuten. Randlich ist die Holzsubstanz noch intakt (vorne und links) und im Innern bereits zerstört, wie bei heutigen Bäumen auch - nur dass hier mehr als 100 Millionen Jahre vergangen sind. Die Hohlräume sind mit farblosen Quarzkristallen ausgekleidet. 

Im fast grenzenlosen Vertrauen auf die Ehrlichkeit der Exkursionteilnehmer

Exkursion in die Kiesgrube 30.05.2010
zeigte ich das Stück während einer VHS-Exkursion am 30.05.2010 in der Kiesgrube, in der ich es fand - und es wurde nicht mehr zurück gegeben. Leider bemerkte ich den Verlust erst, als die Teilnehmer nach Hause gefahren waren. So warte/hoffe ich jetzt auf die Rückgabe/Rücksendung ... 


Gold
Wäscht man eine größere Masse an Sand und Kies durch, so erhält man die dunkle Schwermineralfraktion aus Hämatit, Magneit, Ilmenit, Granat, Staurolith und anderen Mineralien. Das Verfahren ist sehr anstrengend, kann im Winter nicht ausgeführt werden und die Ausbeute liegt im Bereich von µg.
Thomas Weis mit der Waschpfanne Maingold
Darunter auch etwas gediegen Gold, wie im Bild rechts zu sehen ist. Die Flitter sind nur 0,1 mm groß!.
Der Gehalt ist sehr klein und hat selbst im Mittelalter nicht für ein Waschen ausgereicht. Details zu dem Goldfund können Sie hier nachlesen.

Gold aus dem Fichtelgebirge
Das Gold kommt wahrscheinlich aus dem Fichtelgebirge; hier ist die Korngröße deutlich größer (Sammlung A. MOHRHARD, Aschaffenburg).

Museum Goldkronach Gold aus Goldkronach
Wer sich über die Herkunft des Goldes informieren will, dem sei das Goldmuseum in Goldkronach bei Bayreuth wärmstens empfohlen. Links ist das alte Forstgebäude zu sehen, in dem das Museum eingerichtet wurde. Rechts sieht man eine Lupe vor einem Stück Quarz, in dem etwas von dem mm-großen Gold als Berggold zu sehen ist.
 

Literatur
[Anon.] (1966): Aus der Geschichte der RWE-Betriebsverwaltung Dettingen und ihrer Vorgängerin, der "Gewerkschaft Gustav".- Unser Kahlgrund Heimat Jahrbuch für den Landkreis Alzenau, S. 134 - 143, Alzenau.
[Anon.] (1999): 100 Jahre Firma Volz: Vom Einmann-Betrieb zum kompetenten Partner der Bauwirtschaft.- Main-Echo vom Donnerstag, 19. August 1999, S. 19, [Main-Echo & Kirsch] Aschaffenburg.
ALTMEYER, H. (1964): Reste devonischer Algenbäume als Rheingerölle.- Der Aufschluss 15, S. 209 - 212, Heidelberg.
ALTMEYER, H. (1964): Zur Bestimmung verkieselter Hölzer aus Rheingeröllen bei Köln.- Der Aufschluss 15, S. 287 - 291, Heidelberg.
ALTMEYER, H. (1989): Über weitere Rheingerölle.- Aufschluss 40, S. 197 - 200 Heidelberg.
Autorenkollektiv (1936): Die nutzbaren Mineralien, Gesteine und Erden Bayerns.- II Band Franken, Oberpfalz und Schwaben nördlich der Donau, 509 S., [Verl. R. Oldenbourg und Piloty & Loehle] München.
Autorenkollektiv (1986): 400 Millionen Jahre Wald.- Aktuelle Geo-Information der Freunde der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und historische Geologie, 64 S., München.
Autorenkollektiv (1998): 100 Jahre RWE 70 Jahre RWE Dettingen 40 Jahre VAK.- Karlsteiner Geschichtsblätter 8, November 1998, 36 S., [Kolb-Druck] Karlstein.
EIKAMP, H. (1976): "Blitzröhren" - Bildung von Sand- und Felsfulguriten.- Aufschluss 27, S. 225 - 227, Heidelberg.
GARUTT, W. E. (1964): DAS MAMMUT.- Die neue Brehm Bücherei, Band 331, 140 S., Wittenberg-Lutherstadt.
Gewerkschaft Gustav & Geschichtsverein Karlstein a. Main (2004): 100 Jahre Gewerkschaft Gustav.- Karlsteiner Geschichtsblätter Ausgabe 9, August 2004, 56 S., zahlreiche SW-Abb., [Kolb Offsetdruck] Karlstein.
HARDER, H. (1993): Zur Entstehung von verkieselten Hölzern.- Aufschluss 44, S. 23 - 31, Heidelberg.
HEINRICH, A. (1984): Eine neue Skelettrekonstruktion des Wollnashorns Coelodonta antiquitatis BLUMENBACH im Museum Bottrop.- Aufschluss 35, S. 391 - 394, Heidelberg.
KRÜGER, F. J. (1977): Ein Flintgeröll mit Nasenmarken.- Aufschluss 28, S. 401 - 402, Heidelberg.
KÜHNE, W. G. (1983): Gold für uns aus der Kiesgrube.- Aufschluss 34, S. 215 - 218, Heidelberg.
KÜHNE, W. G. (1985): Paläontologische Silexforschung I, ein Programm.- Aufschluss 36, S 239 - 243, Heidelberg.
LORENZ, J. & WEIS, T. (2008): Gediegen Gold aus den Mainschottern am Unterman.- Der Aufschluss 59, S. 213 - 219, 4 Abb., 2 Tab., [VFMG] Heidelberg. 
LORENZ, J. & JUNG, J. (2009): Die Mainkiesel. Quarz, Sandstein, Gold und Fulgurite. Ein Beitrag zu den Sedimenten des Maines und seiner Zusammensetzung, der Herkunft und wie man daraus den früheren Mainlauf ableiten kann.- Spessart Monatszeitschrift für die Kulturlandschaft Spessart 103. Jahrgang, Heft 6/2009, S. 3 - 29, 85 Abb., [Main-Echo GmbH & Co KG] Aschaffenburg.
OKRUSCH, M., STREIT, R. & WEINELT, Wi. (1967): Erläuterungen zur Geologischen Karte v. Bayern. Blatt 5920 Alzenau i. Ufr.- 336 S. München 1967
PÄTZ, H., RASCHER J. & SEIFERT, A. (1986): Kohle - ein Kapitel aus dem Tagebuch der Erde.- 150 S., Frankfurt.
PROBST, E. (1986): Deutschland in der Urzeit. Von der Entstehung des Lebens bis zum Ende der Eiszeit.- 479 S., München.
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RÜCKER, E. (1974): Erinnerungen an das Braunkohlenbergwerk in Großwelzheim.- Unser Kahlgrund Heimat Jahrbuch 19, S. 90 - 92, Alzenau.
RÜCKER, E. (1980): Torfstich vor 150 Jahren in Großwelzheim, Kahl und Emmerichshofen.- Unser Kahlgrund Heimatjahrbuch 25, S. 86 - 89, Alzenau.
RÜCKER, E. (1982): Kahl am Main im Wandel der Jahrhunderte.- Hrsg. von der Gemeinde Kahl am Main, 544 S., [D. Steiner] Kahl.
RUTTE, E. (1987): Rhein.Main.Donau. Wie - wann - warum sie wurden. Eine geologische Geschichte.- 154 S. Sigmaringen
SEIDENSCHWANN, G. (1980): Zur pleistozänen Entwicklung des Main-Kinzig-Kahl-Gebietes.- Rhein-Mainische Forschungen Heft 91, 194 S., Frankfurt
SEIDENSCHWANN, G., GRIES, H. & THIEMEYER, H. (1995): Die fluvatilen Sedimente in den Baugruben des Wohnparks Mühlheim zwischen Ebertstraße und Offenbacher Straße in Mühlheim/Main.- Jber. wetterau. ges. Naturkunde 146 - 147, S. 71 - 86, Hanau.
STÜRMER, W. (1959): Untersuchungen an Kieselschiefer-Geröllen des Maines.- Nachr. Naturw. Museum Aschaffenburg 63, S. 1 - 25, 5 Tafeln, Aschaffenburg.
TYROFF, H. (1978): Fossile Kieselhölzer im Maintal von Weilbach bei Flörsheim.- Aufschluss 29, S. 287 - 297, Heidelberg.
 
 

Schilf im Gegenlicht
Schilf im Gegenlicht der Wintersonne
Kiesgruben sind auch biologisch sehr schnelllebige Orte; die Sukzession der Pflanzen führt in wenigen Jahren zur Verlandung von (flachen) Seen (Wasserlinsen, Schilf, Erlen ...) und dem völligen Zuwachsen bis zum Wald (Klimax in der Region). Wenn Bodendecker den Boden begrünt haben, folgen Brombeeren und dann in deren Schutz Birken. Dies dauert nur wenige Jahre. In deren Schatten folgen dann weitere Baumarten. So ist nach ca. 50 Jahren von einer Kiesgrube nichts mehr zu sehen. 


Kieselschwamm  
Der Anfang einer Leidenschaft:
Das ist der Stein mit dem im Frühjahr 1969 mein Interesse an den Steinen geweckt wurde
Der ca. 3 cm große, aus Hornstein bestehende Kieselschwamm fand ich in einer Baugrube
zur Errichtung eines Wohnhauses in der Nachbarschaft. Durch die Strucktur erinnert das
Stück wegen des "Stielansatzes" an einen vertrockneten Pfirsich. Dass dem nicht so ist,
erfuhr ich erst Jahre Später, als ein Paläontologe das Stücke sah und ich die wahre Natur
erklärt bekam. Aber fortan suchte ich wegen der Nähe zu den Kiesgruben nach den Gesteinen
der Mainschotter.



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