Mineralien und
Gesteine
selbst anschleifen.
Ganz ohne Maschinen, so wie früher.
von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
Schöne (harte) Achate in Lithophysen aus Sailauf,
angeschliffen und poliert, wie unten beschrieben.
Die Ausbeute an schönen Stücken ist sehr klein. Von einer hölzernen
Obstkiste, voll mit grob greinigten Lithophysen bzw. einzelnen Bruchstücken
aus dem Vorkommen vom Rehberg bei Sailauf mit 65 Stücken, die von
Außen kaum zu begutachten sind, verbleiben nach dem Sägen:
1 Lithophyse mit kleiner Druse (ergibt 2 Hälften)
1 Lithophyse mit schöner Bänderung für die Sammlung
12 gute Lithophysen, bei denen ein Schleifen und polieren lohnt. Das
sind die Stücke für den Verkauf auf den Mineralienbörsen.
39 Lithophysen bei denen eine weitere Bearbeitung wegen vieler Risse,
wenig Chalcedon, keine Bänderung usw. nicht lohnt
12 Stücke lohnen das Sägen nicht, weil zu schmal oder nur
"Scherbe" mit zu wenig Chalcedon
Das sind die Stücke, die ich bei Exkursionen verschenke.
Die Fertigkeit, Steine zu schleifen ist sicher
sehr alt, denn schon in der Steinzeit beherrschte der Mensch das Schleifen
(und Bohren) von Gesteinen, wie man dies an Steinbeilen nachvollziehen
kann. Auch wenn man kein Aluminiumoxid oder Siliziumcarbid hatte, konnte
man mit dem Quarz aus dem Sand oder mit Sandsteinen einen guten Schliff
herstellen.
Ausrüstung:
Geschliffene und polierte Gesteins- und Mineralproben sehen sehr viel
attraktiver aus an die rohen Stücke. Auch der Erkenntnisgewinn ist
oft erst nach einem Schliff möglich, weshalb man An- und Dünnschliff
erzeugt und diese mit einem Mikroskop anschaut.
Das Herstellen von guten Schliffen ist eine einfache handwerkliche
Fähigkeit, die leicht erlenbar ist. Man benötigt dazu folgende
Geräte und Einrichtungen:
-
Säge, vorzugsweise mit einem Sägeblatt
von mind. 250 mm Durchmesser, welches mit Diamanten besetzt ist und eine
Wasserkühlung hat.
Es gibt 2 grundsätzlich unterschiedliche Sägeblätter: Die
einen haben die Diamanten in einer Bronzesinterung am Rand aufgetragen,
bei der anderen Variante werden die Diamanten randlich 3 - 5 mm tief in eine
weiche Eisenscheibe gepresst (mechanische Bindung). Erstere sind etwas teuerer,
besitzen aber eine größere Standzeit. Leztere sind preiswerter
mit etwas geringerer Standzeit.
Da man mit Wasser arbeitet, prüfe man, ob der Stromkreis einen
Fehlerstromschutzschalter enthält - wenn nicht, dann schalte man
zwischen Säge und Steckdose einen mobilen Fehlerstromschutzschalter
dazwischen.
- (dicke) Glasplatten, wie man sie leicht bei
der nächsten Sperrmüllsammlung besorgen kann.
-
loses Schleifpulver aus Aluminiumoxid (Al2O3)
oder besser aus den noch härteren Siliziumcarbid (SiC) in 3 oder 4
Körnungen wie 80, 220, 500 und 1.000*.
- (destilliertes) Wasser zum befeuchten und Reinigen
- Polierpulver aus Eisen-, Cer- oder/und Aluminiumoxid.
Für exzellente Polituren kann man auch Diamantpasten verwenden, die
aber erhebliche Kosten verursachen.
- Platten mit Filz, Kork oder Tuch zum Polieren.
- und wirklich sehr viel Geduld!
Am besten man probiert seine Fertigkeiten an einem Stück und
wagt sich nach dem Erfolg an wertvolle Stücke.
Arbeitsweise:
Folgende Schritte führen zu einem geschliffenen Stein:
- Man sägt eine Stück des Gesteins oder
Minerals möglichst gerade ab. Es geht auch eine glatte Bruchfläche,
aber der Schleifaufwand steigt erheblich an. Ein Sägen mit einem Winkelschleifer
erzeugt ohne Wasserkühlung so viel Wärme, die das Gestein bzw.
Mineral nachteilig verändert oder sogar zerspringt, so dass dieses
Verfahren ausscheidet. Auch das Sägen mit einer Handsäge scheidet
meist infolge der Härte der Mineralien oder Gesteine aus.
- Auf einer dicken Glasplatte (Fensterglas) streut
man eine kleine Menge des groben Schleifpulvers mit Wasser und bewegt den
gewünschten Stein wo lange auf dem Schleifpulver, bis die Sägeriefen
abgschliffen sind und ein ganz glatte Fläche entstanden ist. Man muss
soviel wegschleifen, dass man außerhalb der Zertrümmerungszone
der Körner vom Sägen kommt. In der Regel erkennt man das daran,
dass die Farbe intensiver wird.
Anschließend reinigt man den Stein sehr sorgfältig. Ist das
Schleifmittel wirkungslos, so reinige man die Glasplatte und streue neues
Schleifmittel auf. Mit etwas Erfahrung hört und spürt man, wenn
das Schleifpulver so zerkleinert wurde, dass es keinen nennenswerten Abtrag
mehr gibt. Dabei schützt man sein Gehör bei dem groben Schleifmittel
mit einem Gehörschutz.
- Den Vorgang wiederholt man mit dem nächst
feineren Korn - am Besten auf einer neuen Glasplatte (so dass man für
jede Körnung eine eigene Glasplatte verwendet), so lange, bis sich
eine gute Schliffläche zeigt.
- Dann folgt das Gleiche mit der nächst feineren
Körnung,
- bis man einen Feinstschliff erreicht hat. Jetzt
erkennt man insbesondere beim Benetzen mit dem Wasser schon gut die Natur
des Steines und erreicht nach dem Trocknen bereits einen leichten, seidigen
Glanz. Je besser man feinstgeschliffen hat, um so weniger Zeit benötigt
man für das Polieren.
Aber nun kann sich ein neuer Effekt zeigen. Der Stein "klebt" an der Glasplatte.
befindet sich zu wenig Schleifmittel zwischen dem Glas und dem Stein, so kann
es zu einem "fressen" kommen, d. h. es werden durch Adhäsion Ausbrüche
erzeugt, die die frisch geschliffene Fläche mit Streifen kennzeichnen.
In dem Fall muss man mit dem Schleifen wieder von vorne anfangen, weil die
Streifen so tief sind, dass sie nur mit einem groben Schleifmittel in einer
überschaubaren Zeit entfernt werden können.
- Nach einer sehr ausgiebigen Reinigung - es dürfen
gar keine Schleifmittelreste anhaften - beginnt man mit der Politur in
einer Kombination zwischen einem geeigneten Poliermittel und einer dazu passenden
Unterlage. Was sich für welchen Stein eignet, muss man ausprobieren.
Es gibt dazu keine allgemein gültigen Regeln, sondern große
Unterschiede zwischen den zu polierenden Gesteinen oder Mineralien. Das
Polieren ist der zeitaufwändigste Vorgang, der bei einem handtellergroßen
Stück leicht eine Stunde in Anspruch nehmen kann. Eine gute Politur
erkennt man daran, dass das Wasser in Perlen auf der spiegelnden Oberfläche
stehen bleibt. Eine Behandlung mit Pflegemitteln ist in der Regel nicht
notwendig.
Als Poliermittel kann man verwenden: Aluminiumoxid, Ceroxid, Eisenoxid,
Siliziumcarbid, Diamantpaste, ...
Als Unterlage gehen: Leder, Baumwollstoffe, Holzplatten, Korkplatten, ...
- Nach dem Polieren reinigt man die Stücke
sehr sorgfältig mit destilliertem Wasser (z. B. aus dem Wäschrockener
oder Raumentfeuchter). Dies vermeidet dann Flecken auf den polierten Flächen.
Insbesondere muss man versuchen, das Poliermittel aus allen Rissen und
Poren zu entfernen, da es zusammen mit den Abrieb fast hydraulische Eigenschaften
hat und später kaum mehr entfernbar ist. Idael dafür ist ein
Ultraschall-Reinigungsgerät. Nach dem Trocknen der Stücke kann
man diese ausstellen oder als Schmuck
weiter verarbeiten (lassen).
- Man pflege die geschliffenen und polierten Stücke insbesondere
gegen Kratzer und das Herunterfallen. Eine Lagerung oder Aufstellung im
Freien kann man nur in wenigen Ausnahmefällen empfehlen, da die meisten
Mineralien und Gesteine sehr schnell verwittern.
Die geschilderte Arbeitsweise beruht auf einer mehr als 20jährigen
Erfahrung. Besondere Gesteins- oder Mineralarten bedürfen dabei einer
unter Umständen erheblichen Vorbereitung, damit man diese überhaupt
schleifen kann. Das Problem sind bröselige Oberflächen, sehr porenreiche
Stücke oder sehr große Unterschiede ich der Härte der einzelnen
Mineralkörner. Es gibt Proben die ohne ein Stabilisierung in Kunstharz
überhaupt nicht bearbeitet werden können. Dies ist keinesfalls
eine Verfälschung, weil nur der fehlende Zusammenhalt der Mineralkörner
herbeigeführt wird. Dies ist bei vielen Schmucksteinen die Sie in Geschäften
kaufen können, auch der Fall, z. B. beim Türkis.
Hinweise:
Bitte denken Sie auch daran, dass z. B. Quarzfeinstaub
gesundheitsschädlich ist und dass Sie auch aus diesem Grund immer
nass arbeiten.
Dabei muss man weiter berücksichtigen, dass harte Steine leicht
schleif- und polierbar sind. Weiche Steine sind schwer zu bearbeiten, da
sich leicht Kratzer einschleichen. Poröse Steine (z. B. oxidische Eisenerze)
wie auch solche, die harte und weiche Körner führen (z. B. Sandsteine
mit Ton, Gneise) sind sehr schwer bearbeitbar, da sie die Politur unterschiedlich
annehmen. Dabei ist dann das weiche Korn poliert und das harte noch matt.
Wenn das harte Korn dann poliert ist, sind die weichen Körner so weit
wegpoliert, dass ein ungleiches Relief entsteht. Herausbrechende Körner
können eine Politur unmöglich machen. Wenn beim Schleifen ein
Kratzer entsteht, muss man in der Regel nochmals um eine Körnung zurück
gehen, so dass der Kratzer schneller weggeschliffen werden kann.
Schleifen von Hand auf einer Glasplatte mit Schleifpulver
Die genannten Schleif- und Poliermittel werden in der Regel in kg-Mengen
von speziellen Händlern der Steinbearbeitung angeboten. Die Preise
sind um so höher, je feiner das Korn ist, so kostet derzeit Schleifmittel
zwischen ca. 8 und 25 € das kg, Poliermittel liegen zwischen 20 und 100
€/kg. Poliermittel auf Diamantbasis kosten einige €/g. Es gibt auch Grundausstattungen
mit Kleinmengen für ca. 25 € zum Probieren.
Eine einfache Säge kostet mit Kühlung, Diamantsägeblatt
und Motor ca. 750 €, größere Maschinen kosten auch bis zu einigen
tausend €, eine Investition die sich sicher nur lohnt, wenn man dauerhaft
Steine sägen will (man kann damit auch Glasflaschen und Fließen
zersägen). Dabei muss man berücksichtigen, dass je nach dem
wie hart die Gesteine bzw. Mineralien sind, die man sägt, das Sägeblatt
eine endliche Lebensdauer hat. Im Falle der Lithophysen von Sailauf kann
ich berichten, dass die Diamantschicht der Scheibe nach ca. 100 Lithophysen
abgenützt ist, d. h. man muss für ca. 100 € ein neues Sägeblatt
mit 250 mm Durchmesser kaufen.
Steinbearbeitungsfirmen die Fensterbänke und Grabsteine herstellen,
können üblicherwiese solche Gesteine wie man sie aus dem Spessart
kennt und in Handstückgröße nicht bearbeiten, weil man
sie dazu einspannen muss, was infolge der für diese Betriebe ungüstigen
Geometrie meist nicht gut geht. Da dazu noch Kosten für die Arbeitszeit
gerechnet werden müssen, wird eine Bearbeitung schnell teuer, wenn
man den Wert der Materials berücksichtigt. Das Risiko einer Beschädigung
ist dabei beideseitig auch groß.
Nach dem Schleifen von einigen Stücken werden sich die Glasplatten
ungleich abnützen - in der Mitte mehr als am Rand -, so dass leicht
gewölbte Schliffe erzeugt werden. Dann muss man die Glasplatten einfach
austauschen. Bei jedem Sperrmüll kann man sich leicht mit Glasplatten
versorgen.
* Zur Not kann man es auch mit einem wasserfesten Schmirgelpapier versuchen.
Nun, Sie glauben das nicht, das man das so machen kann?
Schleifen und dabei Zuschauen?
dann besuchen Sie den
Kunsthandwerkermarkt bei "KUNST IM SCHLOSSPARK" am 27. und
28. Mai 2012
am Kurfürstliches
Schlosshotel Weyberhöfe bei
Sailauf
Impressionen aus früheren Jahren.
An Pfingsten findet tradionell seit mehr als 10 Jahren im Schlosspark zwischen
den Bäumen und auf der sich nach Osten anschließenden Wiese der
Kunsthandwerkermarkt in den Weyberhöfen in Sailauf statt. Etwa 100
Aussteller werden ein sehr buntes Panorama von Kunsthandwerk und Kunstwerke
ausstellen: von der Malerei über Bildhauerarbeiten bis zu Schmuck und
Töpferarbeiten. Hier werde ich mit meiner Frau mit einigen geschliffenen
Steinen aus Sailauf und aus dem Spessart präsent sein. Dabei kann ich
Ihnen vorführen, wie man das mit dem Schleifen selbst machen kann -
ohne großen Aufwand, aber mit Geduld.
Voraussichlich stehen wir unter einem weißen Zelt am Stand
Nr. 39 auf der Wiese (siehe Foto links) mit den nächerungsweisen
Koordinaten N 50° 0,312´ E 9° 14,742´ für den Fall,
dass Sie ein Navigationsgerät verwenden.
Der Eintritt beträgt für Erwachsene 3 €, Kinder haben freien Zugang.
Es wird allgemein und aus nachvollziehbaren Gründen darum gebeten,
dass Sie keine Kunstwerke fotografieren. Bitte fragen Sie vorher dazu einfach
den Eigentümer oder Aussteller. An unserem Stand dürfen Sie fotografieren.
Uns gegenüber finden Sie den Stand Nr. 38 von Frau Theresia Konrad,
die silbernen Schmuck aus dem Achaten von Sailauf anbieten wird.
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