von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
Die oberste Sohlen des kleinen Steinbruches am 28.04.2007
Wichtiger Hinweis:
Der Steinbruch ist seit ca. 1998 im Betrieb und steht mit Unterbrechungen
durch die Fa. Hartsteinwerke an der Hartkoppe in Förderung. Besucher
mögen sich dort anmelden.
Der winterliche Steinbruch mit den hohen, markanten Bäumen am Rand
im Februar 2005 mit Blick gegen Sailauf.
Zusammenfassung
Die Am Rehberg bei Ober-Sailauf wird seit 1993 ein weiteres Rhyolithvorkommen
erst nur sporadisch abgebaut. Von Beginn an wurden der Abbau und dessen
Umstände dokumentiert. Auch hier konnten Lithophysen aus dem tonigen
Kontakt geborgen werden, der hier auch als Kontaktbrekzie ausgebildet ist.
In einer tonigen Zone innerhalb des Rhyoliths mit plattiger Absonderung
fand sich eine unglaubliche Zahl an Achaten, teils mit idiomorphen Quarz-Kristallen
im Innern.
Panoramafoto des Steinbruches mit dem Blick nach Osten vom Dezember
2004
Lage
Das Vorkommen liegt am am Rehberg oder Steingeröll )am Südosthang
des 371 m hohen Querberges, nordöstlich von Obersailauf bzw. nur
einige hundert Meter östlich des Steinbruches an der Hartkoppe bei
Obersailauf (Geologische Karte 5921 Schöllkrippen, R 352020 H 554430,
siehe auch Okrusch et al. 2011, S. 204, Aufschluss Nr. 96).
Blick von der Straße zum Engländer auf den Steinbruch im
Jahr 2002
Geologie
Siehe vorerst OKRUSCH & WEINELT 1962.
Es handelt sich um einen Rhyolith, welcher dem von der Hartkoppe sehr
ähnlich ist. Mit großer Wahrscheinlichkeit haben sie den gleichen
Ursprung nach wenigen hundert m Teufe.
Der Rhyolith ist ebenfalls von deutlichen Fließstrukturen durchzogen
die bis in den mm-Bereich zu verfolgen ist. Die bis jetzt aufgeschlossenen
Bereiche zeigen einen leicht angewitterten Rhyolith von grauer Farbe,
der stellenweise helle Bleichungszonen entlang von Rissen zeigt. Auch
die typischen Bleichungshöfe sind in bis zu 5 cm Größe
im grauen Gestein ohne Bezug zum Kluftsystem ausgebildet. Es besteht vom
Aussehen und der Textur eine deutliche Verwandtschaft zum dem Rhyolith von
der Hartkoppe, was auch nicht weiter verwundert, denn es ist aufgrund der
geringen Entfernung vom gleichen Magma auszugehen. Auch chemisch ist die
Verwandschaft sehr eindrucksvoll dokumentiert worden:
Die bis jetzt gefundenen Lithophysen unterscheiden sich deutlich von denen
an der Hartkoppe. Zwar gibt es auch hier die harten, rundlichen Gebilde
aus dem stark tonigen Rhyolithzersatz die nicht mineralisiert sind, jedoch
fehlt auch ihnen der sonst immer vorhandene „zwiebelschalige“ Aufbau. Auch
konnte kein Turmalin beobachtet werden.
Als Gemeinsamkeit ist nur der Hämatit und das Vorkommen von Chalcedon
und Quarz zu werten. Auch konnten Achate mit gemeiner Bänderung wie
auch solche mit waagrechter Schichtung gefunden werden. Nur an einem Stück
ließ sich die typische, „blumenkohlartige“ oder warzige Außenhaut
beobachten.
Der Kontakt ist ähnlich ausgebildet wie an der Hartkoppe, jedoch
findet sich hier eine breitere Zone, die reichlich bis zu 20 cm große,
gerundete Gneisbrocken enthält. Es handelt sich dabei um eine Kontaktbrekzie,
die mind. zur Hälfte aus Rhyolith und zur anderen Hälfte aus Gneis
besteht. Die Gneisstücke sind in der Schmelze gerundet worden und dann
in der tonigen Masse nur mäßig zersetzt worden, so daß
sie durch die Spaltbarkeit vom Rhyolith gut zu unterscheiden sind.
Gneis-Xenolithe im Rhyolith (Bildbreite ca. 50 cm)
Historie
Das Gelände gehört zum Staatsforst "sailaufer Forst". Als
Bewuchs war ursprünglich Wald vorhanden, der durch die Orkane von
1990 stark gelichtet wurde. Es war vorwiegend Eiche, etwas Rotbuche und
sehr wenig Fichte. Als Sträucher sind Brombeere und Hartriegel vorgekommen.
Kräuter sind nur sehr spärlich aufgetreten.
Ein Boden ist zumindest in den steilen Lagen kaum ausgebildet, so daß
die Vegetation teils direkt auf einem Geröllhang steht (Name!). Das
stückige Gestein und einzelne Blöcke bis zu 0,5 m3 Größe
ist manchmal von Moospolstern und Flechten überwachsen. Besonders
an den Wegen tritt auch massiver Rhyolith-Fels zu Tage.
Im Herbst 1992 wurde mit dem flächigen Holzeinschlag begonnen.
Im Frühjahr 1993 wurde das gesamte Gelände mit einem Wildschutzzaun
umzäunt.
Im November 1995 wurde der höhenparallele Fahrweg zu dem
Vorkommen neu ausgebaut und auf die Breite und Tragfähigkeit der Muldenkipper
verbreitert und befestigt. Der Abbau war bis dahin nur als Versuchsabbau
zu bezeichnen. Insbesondere die stark zersetzten Glimmerschiefer waren einschließlich
der Hangschutte gut aufgeschlossen worden.
Am 02.12.1995 wurde etwas Material abgebaut. Im Glimmerschiefer bzw.
Gneis befand sich reichlich grauer Quarz mit sehr wenig Feldspat bzw. Glimmer.
Auf den Kluftflächen fand sich etwas Hämatit, einzelne Quarze
und erdiger Goethit ("Limonit").
Im Winter 2000/2001 begann ein Abbau auf mehren Sohlen und das Material
wurde jweils die nächste Sohle hinuntergekippt und auf der tiefsten
Sohle verladen und dann zur Aufbereitung gefahren.
Seit dem Frühjahr 2001 wird mit einer mobilen Brecheranlage das
Gestein an Ort und Stelle gebrochen, gesiebt und aufgehaldet, so daß
es dann gleich verladen werden kann. Die Wägung erfolgt dann im Steinbruch
an der Hartkoppe. In der Regel ist der Abbau jedoch recht langsam und meist
auf Samstage beschränkt.
Im Hebst 2002 begann man dann ganz oben mit dem Abbau.
Im Frühjahr 2003 hatte man bereits einen kleine Sohle angelegt
und dabei dann auch den tonigen Zersatz auf der Westseite angeschnitten.
Im Zuge der Erweiterung wurden dann plattige Partien angefahren, die in
einem tonigen Zersatz auch wieder Lithophysen führten. Der Abbau ruhte
dann von Dezember 2003 bis zum April 2004.
Seit 2005 wird vermehrt gefördert.
Wegen der Schwermetallprobleme in der Hartkoppe wird seit dem Sommer
2007 nur noch hier abgebaut, so dass der Abbau-Fortschritt im Zurückweichen
der Wände nie gekannte Ausmaße angenommen hat. Dies bedeutet,
dass man nicht jedes Haufwerk über eine längere Zeit anschauen
und besammeln kann.
Die Fundstellen für Azurit und Malachit wie auch die Achatfundstelle
ist inzwischen dem Abbau zum Opfer gefallen (2011), so dass keine gezielten
Funde mehr möglich sind. Lesesteinfund aus altem Material sind immer
möglich. Leider brachten die großen Mengen für die Autobahn
bei Waldaschaff keine interessanten Anbrüche.
Mineralien
Von dem Reichtum an verschiedenen Mineralien wie an der Hartkoppe war
bis heute nichts zu beobachten. Spektakulär sind eindeutig die Achate
und Drusen mit Quarzkistallen in den Lithophysen.
Achathaltige Lithophyse im Anstehenden (Bildbreite ca. 20 cm), rechts
daneben eine Druse mit farbosen Quarz-Kristallen
Weiter konnte gefunden werden:.
Von den Achaten können aufgrund der hohen Härte und Festigkeit
auch Schmuckstücke angefertigt werden!
Das Stück wurde vom Ehepaar FORSTMEYER aus Aschaffenburg
nach Entwürfen von J. Lorenz in Silber angefertigt (Bildbreite
ca. 7 cm)
Literatur
LORENZ, J. (2006): Die Achate aus dem Rhyolith vom Rehberg bei Sailauf
im Spessart.- Lapis 31, Heft 6, Juni 2006, S. 13 - 20, 22 Abb., 1
Tab., [C. Weise-Verlag] München.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG,
G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine.
Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie
und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische,
mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches
Mittelgebirge.- s. S. 250ff, 795ff.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart.
Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl.,
Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103
größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten
(43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
OKRUSCH, M. & WEINELT, W. (1962): Erläuterungen zur Geologischen
Karte von Bayern 1:25000 Blatt Nr. 5921 Schöllkrippen.- S. 131, München.
WEINIG, H., DOBNER, A., LAGALLY, U., STEPHAN, W., STREIT, R. & WEINELT,
W. (1984): Oberflächennahe mineralische Rohstoffe von Bayern Lagerstätten
und Hauptverbreitungsgebiete der Steine und Erden.- Geologica Bavarica 86,
563 S., [Bayerisches Geologisches Landesamt] München.
WÖRNER, P. (2010): Achate in Rhyolithkugeln.- 410 S., hunderte farbiger
Abb., Digitaldruck im Eigenverlag von Dr. Peter Wörner, Heidelberg.
Bildergalerie
Die Bilder sollen einen Querschnitt durch den Steinbruch, seine Mineralien
wie auch die Sammler geben, die dort schöne Stücke - allerdings
mit sehr viel Arbeit - bergen konnten. Die Fotos sind zur Vermeidung langer
Ladezeiten extra klein gerechnet.
Meine Frau Helga Lorenz beim Malachit suchen |
die gereinigte Druse mit Chalcedon und Quarz (unten nach dem Fund) - Slg. Winfreid Hahn |
Azurit auf Rhyolith |
Achatfundstelle |
Winfreid Hahn mit der schönen Druse (oben) |
Joachim Lorenz beim Suchen nach den Lithophysen |
Der neue Steinbruch am Rehberg 2001 |
Azurit-Kristalle im Rhyolith |
Blick von der Achatfundstelle in den Steinbruch |
Lithophysen-Hälfte mit Achat und einer Druse (Bildbreite ca. 10 cm) |
Joachim Lorenz mit einem Stück einer Lithophyse - mit Ametyhst! |
Der plattig absondernde Rhyolith vom Rehberg |
Der Steinbruch 2004 |
Thomas Weis beim Graben von Hand nach den begehrten Lithophysen |
nach einem erfolgreichen Schürfen - schweißtreibend |
Herbststimmung im Steinbruch |
Lithophysenhälfte mit Achat und Quarz in den Drusen, darauf Hämatit (Bildbreite ca. 5 cm) |
Beim Baggern nach den Lithophysen |
Joachim Lorenz an der Fundstelle für die Lithophysen |
Achatfüllung in einer Lithophyse (Bildbreite ca. 6 cm) |
Sammlergruppe der Jugendlichen des Naturwissenschaftlichen Vereins Aschaffenburg |
Beim Graben nach den Lithophysen unter Verwendung eines Baggers; nach amerikanischem Vorbild des specimen-mining an den berühmten Fundstellen. |
dunkler Achat mit gemeiner Bänderung (geschliffen und poliert; Bildbreite ca. 6 cm) |
Rhyolith mit den Illit-Einschlüssen (Geologen-Hammer als Maßstab) |
Lithophyse mit Achat und Quarz (geschliffen und poliert; Bildbreite ca. 7 cm) |
Steinbruchwand mit Rhyolith |
Achat mit "Uruquay-Bänderung" (geschliffen und poliert; Bildbreite ca. 11 cm) |
blättriger Apatit im Chalcedon (Bildbreite ca. 2 cm) |
Der Steinbruch am Rehberg von der Straße zum Engländer aus |
Azurit-Kristalle im Rhyolith (Bildbreite ca. 5 cm) |
Lithophyse mit Quarz und Chalcedon unter kurzwelligem UV-Licht (Bildbreite ca. 13 cm) |
Lithophyse mit Achat (links angeschliffen und poliert, rechts Gegenstück roh; Bildbreite ca. 8 cm) |
Lithophyse mit schönem Achat (angeschliffen und poliert; Bildbreite ca. 4 cm) |
strahliger Malachit im Rhyolith (Bildbreite ca. 3 cm; Sammlung A. MOHRHARD) |
strahliger Malachit im Rhyolith (Bildbreite ca. 5 cm). Das Stück konnte nicht geborgen werden! |
unbekanntes Mineral aus einer Druse; Bildbreite ca. 2 cm |
rundlicher Malachit aus einem Hohlraum im Rhyolith (Bildbreite ca. 2 cm; Sammlung A. MOHRHARD) |
tintenklecksartige Manganoxide als Dendriten auf dem Rhyolith, (Bildbreite ca. 13 cm) |
Calcit-Imprägnation als großer Einkristall im altererierten Rhyolith (Bildbreite ca. 10 cm) |
Lithophyse mit Quarz und Chalcedon (Achat), Bildbreite ca. 9 cm Auflicht |
Lithophyse mit Quarz und Chalcedon (Achat), Bildbreite ca. 9 cm Gegenlicht |
Lithophyse mit Quarz und Chalcedon (Achat), Bildbreite ca. 9 cm UV-Licht |
Lithophyse mit Achat, Quarz und Apatit, Bildbreite 7 cm |
dünntafeliger Apatit im farblosen Quarz (links) Chalcedon (rechts), Bildbreite 6 mm |
dünntafeliger Apatit im transparenten Chalcedon, Bildbreite 6 mm |
Mineraliensammler haben in luftiger Höhe den Abbau auf die Lithophysen mit den Achaten fast bergwerksartig fortgesetzt, so dass man nur mit einem Seil gesichert dorthin gelangen kann (04.06.2011). |
Die Gruppe von Exkursionsteilnehmern aus Magdeburg und Umgebung, zu Besuch im Spessart vom 2.-5. Juni 2011, hier im Steinbruch am Rehberg - vor dem schweißtreibenden Suchen am 04.06.2011. |
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