von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main

Links: Der Steinbruch während des Abbaues im September 1977,
rechts der still gelegte Steinbruch im Januar 2008.
Wichtiger Hinweis:
Der Steinbruch ist seit 1985 aufgelassen und das gesamte Gebiet ist
als Naturdenkmal aus botanischen Gründen geschützt. Die Flächen
sind stark verwachsen und werden spordaisch nach einem Plan gepflegt. Es
versteht sich von selbst, dass ein Sammeln innerhalb des Naturdenkmales
ausdrücklich verboten ist! Ausnahmen für Exkursionen sind bei
der unteren Naturschutzbehörde in Aschaffenburg (Landratsamt des Landkreises
Aschaffenburg, Frau Globke) zu beantragen.
Der winterliche Steinbruch mit den hohen Felswänden am Wendelberg
im Februar 2005 mit Blick gegen Haibach
mit Schneeresten und ohne das Laub des starken Beewuchses


Lage
Der sehr große Steinbruch befindet sich auf der Westseite des
Wendelberges zwischen Haibach und Aschaffenburg, unmittelbar neben einer
Gaststätte des Naturfreundehauses.
Die Zufahrt ist am leichtesten von Aschaffenburg, Würzburger Str.
- Bundesstraße 8 (Mc Donalds-Imbiss) möglich. Man passiert die
Gelände der früheren Kasernen der US-Armee - u. a. heute ein
Entsorgungspark - und erreicht den Westhang des Wendelberges. Hier kann
man das Fahrzeug abstellen und das Gelände über Wege betreten,
die mit großen Steinblöcken gegen ein Befahren gesichert sind.
Was kein Mensch verstehen kann, ist der Umstand, dass jetzt auch in
den Steinbrüchen die Wände mit farbiger Grafitti beschmiet werden.
So gesehen am 01.01.2008 an der hohen Ostwand mit russischen Schriftzeichen!
Hier gehören deutlich höhere Strafen, in Verbindung mit der
Verpflichtung, die Bilder und Schriften von Hand wieder zu entfernen, ausgesprochen.
Dies hätte sicher eine sehr beschreckende Wirkung. Man kann sich dabei
nur wundern, woher diese Schmierer das Geld für die Farbe nehmen.
Geologie
Im Biotit-Gneis des Wendelberges finden sich bis zu 30 cm mächtige
Pegmatit-Gänge, die zahlreiche akzessorische Mineralien führen.
Diese sind gegen den Biotit-Gneis meist feinkörnig und im der Mitte
grobkörnig aufgebaut und oft stark rissig. Die meisten Pegmatitgänge
sind horizontal im Genis eingeschaltet und waren deshalb schwer abzubauen.
Das Auftreten von dem auffallenden, schwarzen Turmalin war der Hinweis,
dass auch andere, seltenere Mineralien, wie zum Beispiel Spessartin zu
finden waren
Die mit dem Biotitgneis gewonnenen Pegmatite wurden beim Handabbau
aus dem Gneis ausgehalten und separat in Gärtnereien verkauft.
Historie
Der Steinbruch wurde ca. 1925 von der Fa. Sommer begonnen. Später
hat die Fa. Staab ihn weitergeführt. Das überaus harte Gestein
wurde als gut spaltbarer, sehr witterundbeständiger Baustoff (in Anlehung
an das Aussehen "Haibacher Blaue" genannt) im Raum Aschaffenburg und auch
sporadisch darüberhinaus vermauert.
ca. 12 x 12 cm große Platte des Biotit-Gneis
(angeschliffen und poliert)
Typisches Sichtmauerwerk in Schweinheim aus dem Biotitgneis vom Wendelberg,
links an der Gailbacher Str. mit einer Fenstereinfassung aus Sandstein
und rechts ein Ausschnitt einer Mauer an der Gutwerkstraße mit Farn.
Insbesondere stellte man daraus die Einfriedigungen, Gartenmauern und
Keller her bzw. verblendete damit zahlreiche öffentliche Kleinbauten.
Das stilvolle Mauern mit den Stücken erforderte viel Erfahrung. Da
der Abbau nur in mühevoller und kaum mechanisierbarer Handarbeit erfolgte,
musste der Betrieb um ca. 1985 eingestellt werden.
Heute werden ähnliche Gesteine zum Verblenden aus Norwegen, Italien
oder anderen Ländern eingeführt.
Inzwischen ist das Gelände als Naturdenkmal geschütz und stark
verwachsen, so dass man kaum mehr das Gestein erkennen kann. Leider wird
es auch als Müllplatz und als Picknickgelände mit der Möglichkeit
Lagerfeuer zu machen mißbraucht.
2003/2004 wurde das letzte der vorhandenen Gebäude abgebrochen.
Mineralien
Die Pegmatite führten in geringem Umfang stellenweise große
Kristalle folgender Mineralien, weshalb der Steinbruch unter Mineralogen
weithin gekannt war:


Der Autor konnte als Schüler in den Sommerferien 1971 bei einem
der Steinbrucharbeiter an einer der Werkzeughallen ein handgroßes
Stück Pegmatit bewundern - es war zum Verkauf vorgesehen und sollte
20 DM (heute 10 €) kosten. In dem Pegmatit waren 2 Spessartin-Kristalle
eingewachsen, fast unbeschädigt und ein größerer von ca.
2 cm und ein kleinerer von ca. 1 cm mit etwas Abstand daneben. Ich war
mit dem Fahrrad von Dettingen nach Haibach gefahren und bei einem Taschengeld
von 5 DM (entspricht 2,50 €) pro Woche war das Stück einfach
unerschwinglich! Heute ärgere ich mich, dass ich so schnell aufgab
und nicht weiter verhandelte bzw. meine Eltern massiv ansprach. Nach den
heutigen Kriterien für die soziale Stellung würde ich eindeutig
als "arm" eingestuft werden, auch wenn ich das damals nicht so empfand.
Wenn jemand den Verbleib des oder eines ähnlichen Stückes
kennt, bitte ich um Nachricht.
Ubrigens, der nach meinem Kenntnisstand schönste Spessartin-Kristall
liegt in einer Schublade des British Museum of Natural History in London
(Nummer BM 36022), gekauft von Fa. Krantz im Bonn um 1860.
Der Steinbruch am Wendelberg wurde durch einen der inzwischen vielen
Kulturrundwege im Spessart erschlossen: "Ritter, Fürst und Wellekipper".
Die Tafel Nr. 5 weist auf den Steinbruch hin, bingt Bilder aus alter
Zeit und auch ein unscheinbares Bild eines Stück Pegmatit leider mit
kaum erkennbaren Spessartin-Kristallen aus dem Sammlung des Naturmuseums
in Aschaffenburg. Ca. 100 m weiter nördlich lohnt der Blick auf die
Tafel Nr. 4 und in die mainzische Brunnenstube der einstigen Wasserversorgung
des Schlosses in Aschaffenburg mit der neu gefassten Quelle und den alten
Wasserleitungen im Original (HIMMELSBACH (2003:22f).
Umrundet man den Steinbruch, hat man vom "Gipfel" des Wendelberges einen
schönen Ausblick über den Steinbruch auf Aschaffenburg mit dem
weiten Blick ins Maintal bis hin zum fernen Taunus (wenn es die Sicht zulässt).
In Aschaffenburg dominiert das Schloss, rauchend erkennt man die Papierfabrik
in Stockstadt und die hellen Hochhäuser in Mainaschaff neben der Autobahn
A3.
Literatur
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Edition, S. 344 - 345, Helmstadt.
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Spessart Monatszeitschrift für die Kultrulandschaft Spessart, Jahrgang
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e. V. 10, 268 S., [Paul Pattloch Verl.] Aschaffenburg.
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Naturkundestelle Main-Kinzig, 7 (1) S. 35 - 37, Gelnhausen.
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Grundgebirge des Vorspessarts.- in BACKHAUS, E. (1967): Exkursionsführer
zur 88. Jahrestagung des Oberrheinischen Geologischen Vereins vom 28. März
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WILKE, H.-J. (1981): Hessen.- Mineralfundstellen Band 7, 2.
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Brunnenstube des Aschaffenburger Schlosses
Geht man an Steinbruch Wendelberg weiter nach Norden, so kommt man an einen Gedenkstein (siehe Foto oben), bevor man die ersten Häuser der Gemeinde Haibach erreicht. Nur wenige Meter weiter nordwestlich kann man über einen schmalen Pfad zur Brunnenstube in einer Senke gelangen.
In der Brunnenstube ist eine Quelle in Sandstein gefasst worden. Dieses
Wasser aus dem kristallinen Grundgebirge des Spessarts diente von 1525
an zur Versorgung des Schlosses in Aschaffenburg. Im Auftrag von Erzbischof
Albrecht von Brandenburg wurde die Quelle gefasst und eine geschlossene
Wasserleitung bis nach Aschaffenburg verlegt. Erst geb es Holz, später
dann Tonrohre. Die Wasserleitung blieb in Teilen bis 1931 im Betrieb. In
den 60er Jahren war die Brunnenstube verschüttet worden und sie wurde
in den Jahren 2001/2002 wieder freigelegt und restauriert. Das erbischöfliche
Wappen von 1525 war so stark beschädigt, dass es erneuert wurde.
In den Gebäude links befinden sich alte Rohre aus der Wasserleitung zum Anschauen.
Diese Quelle ist eine der wenigen leicht zugänglichen Quellen aus
dem kristallinen Grundgebirge, die über einen langen Zeitraum dauerhaft
Wasser liefern.
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