Das ehemalige Kupferbergwerk der
Grube Wilhelmine in Sommerkahl
im Spessart

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main

Gangstrecke


Wichtiger Hinweis:
Es sind zur Zeit und ohne Führung nur die Tagesanlagen zugänglich. Ein am 27.05.2000 gegründete Verein mit Sitz in Sommerkahl hat es sich zum Ziel gemacht, die untertägigen Anlagen der 23-m-Sohle auch für Besucher wieder zugänglich zu machen. Dies wird erst nach umfangreichen Änderungen und Bauarbeiten in einigen Jahren möglich sein. Auch werden zur Bereitstellung einer Infrastruktur (Strom, Wasser, Licht, Toiletten usw.) weitere Finanzmittel benötigt, die in kurzer Zeit nicht aufzubringen sind.

Tagebau Der Tagebau mit Blick nach Osten

Das obige Bild zeigt den westlichen Teil der Wand des ehemaligen Tagebaues mit den farbigen Sekundärmineralien und dem Ansatz zu einem verstürzten Stollenmundloch; aufgenommen 1999, rechts eine aktuelle Aufnahme nach der Sicherung des Hanges im Frühjahr 2006. Das sehr standfeste und überaus harte Gestein (Gneis) ermöglichte es Stollen vorzutreiben, die keinen Sicherungssusbau aus Holz benötigt. Gleichzeitig war es beim Abbau ein Hemmnis. Infolge des hohen Quarzanteiles bestand die Gefahr für die Bergleute, an Silikose zu erkranken.
 

Im Winter, bei langanhaltendem, strengem Frost bildet sich an den Felsen eines der bedeutendsten Minerale der Welt, das Eis.
An den Wänden und in den Stolleneingängen kann man den Formenschaft der eisenen Tropfsteine studieren. Leider ist es ohne großen Aufwand kaum zu sammeln und die Schönheit ist nur im Foto zu erhalten:

Eiszapfen Eis

Dort wo das aussickernde Wasser auch Metalle gelöst hat, sind die Eisbildungen grün und/oder blau gefärbt:

kupfersulfathaltiges Eis


Zusammenfassung
Die heute sichtbaren Anlagen stammen aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts, wo das Bergwerk für nur wenige Jahre auf Kupfersulfide bebaut wurde. 1922 wurde der Betrieb aufgrund von zu geringen Erzvorkommen und Wassermangel im Winter eingestellt. Der bunt mineralisierte Tagebau ist ein bekannter Fundort für zahlreiche, meist farbige, sekundär gebildete Mineralien wie Azurit und Malachit.

Lage
Das Bergwerk liegt am östlichen Ende von Obersommerkahl bei Schöllkrippen im Spessart (siehe Okrusch et al. 2011, S. 167ff, Aufschluss Nr. 48). Ummittelbar nach den letzen Häusern ist der ehemalige Tagebau auf der Nordseite des Tales zu sehen, von dem die Stollenmundlöcher zu den erhaltenen Strecken der 23m-Sohle  ausgehen; weitere Sohlen sind teilweise verschüttet oder stehen unter Wasser. Von den Betriebsgebäuden ist der allergrößte Teil im Lauf der Jahre abgerissen worden und es sind nur noch Reste erhalten. Gleiches gilt für die einst reichlich vorhandenen Halden im Bereich des heutigen Sportplatzes.

Etwas weiter östlich sind an der Hangschulter die schwer auffindbaren Reste der Erzaufbereitung, fast gänzlich zugewachsen, zu erkennen. Es handelt sich um die massiven Fundamente der Aufbereitungsanlagen aus Kugelmühlen,  LINKENBACH-Rundherde und Absetzbecken.Von den eigentlichen Förderanlagen hat nichts überlebt.
Der dazu gehörende Förderschacht ist an der Oberfläche dauerhaft mit Beton verschlossen worden und liegt nördlich des Tagebaues. Der darin einst verkeilt hängende Förderkorb wurde im Jahr 2002 aus dem Schacht geborgen und wird zur Zeit konserviert.
 

Geologie
Das Bergwerk befindet sich im kristallinen Grundgebirge innerhalb eines ca. 335 Millionen Jahre alten Muskovit-Gneises. Dieser Gneis entstand durch Metamorphose (Umwandlung durch Hitze und Druck tief im Erdinnern) während der variskischen Gebirgsauffaltung aus einem ehemaligen Granit. Der einst hier auflagernde Kupferschiefer der carbonatischen Zechsteinsedimente ist der Erosion zum Opfer gefallen, ist aber beiderseits des Tales unter dem Buntsandstein anstehend. Die Störungen streichen - soweit erkennbar - in etwa in der üblichen Richtung von Nordwest nach Südost mit einer gewissen Abweichung nach Nord.
Die zahlreichen, nur dünnmächtigen und sehr absätzigen Erzgänge auf den Spaltenzügen von bis zu ca. 2 cm Mächtigkeit treten in kaum veränderten und sehr standfesten Muskovit-Gneisen auf (deshalb ist innerhalb des Berges auch keine Auszimmerung oder Abstützung nötig).
Im Bereich des Tagebaues (oder auch Steinbruch) sind die primären Erze oft zu den bunten und damit auffälligen Sekundärmineralien umgesetzt.
Die hier fremden Erze wurden wohl durch die im Jura hydrothermal aufgedrungenen, barytführenden Lösungen aus dem früher den Gneis überlagerten Kupferschiefer gelöst und im Gneis wieder ausgeschieden. Dies ist der Grund, warum die tiefen Gangspalten erzleer werden.
 

Historie
Der Abbau von Kupfererzen um Sommerkahl/Schöllkrippen begann im Mittelalter und ist für 1542 dokumentiert; damals wurde jedoch der leichter gewinnbare aber schwer verhüttbare Kupferschiefer im Bereich des Schabernack von Vormwald/Schöllkrippen (?) abgebaut oder eine Gewinnung versucht. Ob dies im Bereich des heutigen Sportplatzes zwischen Vormwald und Sommerkahl war, müssen zukünftige Forschungen belegen. Beim Anlegen 1986 wurden alte Stollen und ein Kalkofen freigelegt. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Ort als "Bergloch" bezeichnet.
Für das Jahr 1704 ist ein Abbau in Sommerkahl urkundlich belegt. Aber erst Ende des 19. Jahrhunderts begann man im Bereich der "Wilhelmine" in größerem Umfang untertägig Kupfererze zu gewinnen. Damals bestand eine Vitriollaugerei. Später wurde das Bergwerk ausgebaut und als Anlagebetrug von E. ABRESCH an den den Flugzeuigkontrukteur FOKKER verkauft.
Nach dem 1. Weltkrieg führte der allgemeine Rohstoffmangel zu einem Wiederaufleben dieser Aktivitäten. Es wurden 10 Millionen Mark verbaut und das Bergwerk innen über die 60m-Sohle ausgeweitet.. Man ließ sich jedoch von den großflächig auftretenden, bunten Sekundärmineralien im wahrsten Sinne des Wortes "blenden" und musste bereits 1922 den Betrieb wieder einstellen. Der gewinnbare Gehalt an Erzen in dem sehr harten Gestein war zu gering. Die Aufbereitung gestaltete sich insbesondere im Winter als problematisch, das das Wasser für die LINKENBACH-Rundherde für die Trennung von Erz und Nebengestein fehlte. Eine Flotation für 24 Millionen Mark hätte geringere Verluste an Erzen erbracht und wurde hier nicht mehr realisiert. Auch enthalten die Erze große Mengen an Arsen, die bei der Verhüttung unerwünscht sind.

Blindstrecke

Grubenriß

Das Stollensystem (oben die heute noch begehbare 23-Sohle) wurde dann während des 2. Weltkrieges als Luftschutzeinrichtung genutzt. Später wurde versucht, darin Pilze zu züchten. Durch Schottergewinnung in den 70er Jahren wurde der Tagebaues auf die heutigen Verhältnisse erweitert und dann größtenteils mit Haus- und Sperrmüll bis in die 60er Jahre vergeschüttet. Dann wurde der Zugang dauerhaft verschlossen und über Jahre hatten nur die Fledermäuse einen ständigen Zugang. Mineraliensammler und Geologen nutzen die Gelegeheit, die Cu-Mineralisation an den Wänden des steinbruchartigen Areals zu studieren.
 

Mineralien


Azurit Olivenit

Das linke Bild zeigt einen blauen Azurit mit den strahligen, blaugrünen Aggregaten eines nicht sicher bestimmten Minerals, wahrscheinlich Tirolit. Im rechten Bild erkennen Sie im Zentrum einen aus großen, grünbraunen Kristallen bestehenden Olivenit mit randlich der typischen, feinstnadeligen Ausbildung des gleichen Minerals; (Bildbreiten ca. 3 mm).



Die bunten Mineralien des Tagebaues sind seit langem das Ziel von Mineraliensammlern. Bereits der berühmte straßburger Mineralogieprofessor Hugo BÜCKING (1851-1932) suchte hier nach Kupfererzen. Die primären Erze sind Verwachsungen aus den Mineralien (Sulfide):
 


Bornit 
(Cu5FeS4)
Bornit mit Covellin
Bornit mit Covellin und Emplektit (Erzanschliff, Bildbreite ca. 2 mm)
Tennantit 
(Cu12As4S13)

Tennantit

Pyrit
FeS2
rundliche Pyrit-Aggregate
Pyprit als rundliche Aggregate auf Tennantit (Erzanschliff, Bildbreite ca. 2 mm)
Chalkopyrit
CuFeS2 -
und andere Sulfide in sehr kleinen Mengen
Bornit mit Chalkppyrit
Chalkopyrit als Emtmischung im Bornit mit Pyrit (Erzanschliff, Bildbreite ca. 2 mm)

Mit Ausnahme des Tennantit und Pyrit kommen die Erze nur derb vor. Idiomorphe Kristalle werden kaum und selten einige mm groß. Diese metallhaltigen Mineralien waren das Ziel des Bergbaues. Die Erze sind inning miteinander verwachsen, weshalb die Aufbereitung des Erzes sehr schwierig war. Dabei ist der Tennantit und Bornit vor dem Pyrit und Chalkopyrit gebildet worden. Der in der Literatur erwähnte Idait konnte noch nicht nachgewiesen werden. Der Tennantit enthält geringe Mengen an Silber.
Die Mineralisation weist auf eine recht niedrige Bildungstemperatur hin. Die entlang der Störungen aufdringenden, bariumhaltigen Hydrothermen mit den gelösten Metallen schieden die Erze aufgrund der höheren C-Gehalte im Grenzbereich zwischen Kupferschiefer und Gneis wieder aus. Der Kupfschiefer ist inzwischen wegerodiert worden, steht aber in der Umgebung noch flächig an und war in füheren Zeiten der Grund für zumindest einen Versuchsbergbau.

Erzgang

Im obigen Bild erkennt man einen cm-breiten Erzgang aus Bornit (ganz dunkel), Tennantit (etwas heller) und Pyrit (gelb). In der unteren Hälfte bestehen die dünnen Erzschnüre und metallischen Imprägnationen um den Quarz (grau) meist aus Pyrit, nur links ist ebenfalls Bornit erkennbar. Das Stück des typischen Gneises wurde angeschliffen und poliert. Der Gneis selbst besteht aus Quarz, Feldspat und wenig Glimmer (Muskovit).

In Spuren dabei finden sich neben den Erzmineralien die Gangarrten aus weißem Baryt, hellbraunem Dolomit, weißem Calcit und am meisten verbreitet, farblosem Quarz. An vielen Stellen sind die stark absätzigen Erze löchrig angewittert. In diesen Hohlräumen, oft begleitet von primären, angelösten Quarzkristallen wurde eine Vielzahl von grünen und blauen Mineralien der Oxidationszone gebildet:

Chalkophyllit

Die Abbildung zeigt auf dem im frischen Zustand silbrig metallisch glänzenden Tennantit den blättrigen, grünen Chalkophyllit (nahezu sechseitig und grün) neben blauem Azurit (Bildbreite ca. 3 mm).
 

Folgende Sekundärmineralien wurden bis heute sicher nachgewiesen (Stand 4/2004):
 
 



Arseniosiderit MalachitMalachit
Bildbreite ca. 7 mm
Aragonit
Azurit Mimetesit Brochantit
Bariumpharmakosiderit Olivenit Olivenit (REM-Foto)
REM-Foto, Bildbreite ca. 0,5 mm
Serpierit
Chalkanthit PosnjakitPosnjakit
Bildbreite ca. 7 mm
Ramsbeckit
Chalkophyllit Pyromorphit Cuprit
Chrysokoll Tirolit Gips
Cornwallit Goethit
Eis (besonders im Winter und stellenweise mit Cu-Sulfaten gefärbt),Chalkanthit im Eis
Bildbreite ca. 45 cm
Manganomelan (röntgenamorph) in schwarzen, meist rissigen Krusten Devillin
Hämatit amorphes Cu-Arsenat Orthoserpierit
Konichalcit Calcit (als meist weiße bis braune Sinterbildungen von einigen cm Größe in den Strecken) 
Tropfsteine mit Wassertropfen
Bildbreite ca. 7 cm
Tennantit, Bornit, Pyrit und Chalkopyrit 
Tennantit, Pyrit, Bornit und Chalkopyrit
(Erzanschliff, Bildbreite ca. 2 mm)
Diegenit 
Diegenit
(Erzanschliff, Bildbreite ca. 2 mm)
Kupfersulfide als Relikte im Bornit
rektische Strukturen im Bornit
(Erzanschliff, Bildbreite ca. 2 mm)
Covellin im Bornit mit aufgeblätterten Glimmeraggregaten 
Covellin im Bornit
(Erzanschliff, Bildbreite ca. 2 mm)

Die Mineralneu- und ~umbildung findet stellenweise heute noch statt. Die wahrscheinlich im Jura gebildeten Sulfide (siehe oben) werden von den auf den Gesteinsklüften zirkulierenden Wässern unter dem Sauerstoff der Atmosphäre oxidiert. Dabei bilden sich saure Lösungen die reich an Schwermetallen wie Cu und As sind. Diese reagieren mit den löslichen Gesteinsbestandteilen zu Sulfaten wie z. B. den verbreiteten Gips. In Gegenwart von Arsen und/oder Kupfer entstehen die nahezu allgegenwärtigen blaunen und grünen Krusten.

Hinzu kommen sicher noch weitere Phasen, wenn die komplexen Untersuchungen (mittels Röntgendiffraktometrie, Mikrosonde, Erzanschliffen usw.)  fortgeführt werden. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die Ergebnisse publiziert werden.
Wenn Sie - d. h. der Leser dieser Zeilen - Mineralien kennen oder gar haben, die hier nicht aufgeführt sind, dann bitte ich um Mitteilung oder noch besser um ein Belegstück zur sicheren Analyse.
 

Besucherberkwerk
Mit der Gründung des Födervereines wurde im Jahr 2000 der Beginn zu einem Besucherbergwerk gestartet. Erschlossen wurde zunächst die 23m-Sohle mit einer Ausdehnung der Strecken von ca. 400 m für Besucher. Inzwischen wurde mit den Aufwältigungsarbeiten begonnen und ein neuer Eingang geschaffen:

beim Aufwältigen
Ein Teil der innen liegenden Gesteinsmassen wurden inzwischen heraustransportiert (siehe Bild oben). Infolge der Nässe sind die Erze weitgehend korrodiert und stellenweise von rezenten und schlecht kristallinen Bildungen überkrustet. Die frischen Massen sind durch einen roten Ton so verschmutzt, dass man innen auch infolge der schlechten Beleuchtung nur an einer Stelle etwas von den Erzen erkennen kann.
Im Juni 2003 war das Bergwerk so weit wieder hergerichtet, so dass es als eines der 100 schönsten Geotope Bayerns geöffnet wurde. Mit einer Tafel ausgestattet kann es an einigen Tagen im Jahr befahren werden. Die Außenanlagen wurden hübsch gestaltet und neu geschottert, so dass man ohne Schwierigkeiten die untertägigen Anlagen erreichen kann. Auch hat der begehbare Teil der Strecken inzwischen elektrisches Licht.

Im April 2005 wurde ein weiterer Stollen der tieferen Sohle freigelegt und das Wasser in den Stollen bzw. Schächten gesümpft. Dabei konnten weitere, bisher nicht bekannte Stollen und Gänge wie auch Schächte gefunden werden. Dazu musste der darüber stehende Container umgestellt werden. Langfristig soll hier der Eingang zum Bergwerk über ein größeres Bauwerk erschlossen werden.
Nahebei kam es zu einem kleinen Tagebruch neben der Wilhelminenstraße, der wieder verfüllt werden muss.

Es besteht jedoch Helmplicht!
Wegen weiterer Umbau- und Erschließungsarbeiten sind die Führungen mit Besuchern erst wieder ab April 2005 möglich. Aber Sie können sich ja bereits beim Verein für eine Befahrung anmelden: Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag in der Zeit von 10 - 16 Uhr. Und wegen des mehrfachen Nichtkommens von angemeldeten Gruppen wird eine Vorkasse verlangt, damit die Anmeldung bestätigt werden kann.

Im April 2005 wurden Neuerungen des Vereins beschlossen: So ist es jetzt unverständlicherwiese nicht mehr gestattet, innerhalb des Bergwerkes zu fotografieren. Es dürfen auch keine Hämmer mitgenommen werden und das Sammeln ist auf einen "Klopfplatz" beschränkt. Der Eintritt wurde auf 3,50 € pro Person angehoben.

Gruppe des Seniorenbüros Hanau
Gruppe des Seniorenbüros Hanau vor der Besichtigung des Bergwerkes am
22.09.2007 nach einer geologisch-bergbaukundlichen Wanderung von
Schöllkrippen, welches man mit dem Zug erreichte.

2006 und 2007 wurden Pläne geschmiedet, über den heute als offene Wasserstelle vorhandenen, früheren Eingang ein Gebäude zu errichten, welches den Zugang zum Bergwerk als auch Ausstellungsräume in Verbindung mit dem Naturpark Spessart schaffen würde. Die Kosten dafür sind entsprechend hoch und kaum vom Verein alleine zu erbringen. 


Kupferbergwerk Grube Wilhelmine Sommerkahl e. V. 2000
Wilhelminenstr. 67
63825 Sommerkahl
Tel.: 0 60 24/63 56 60 (nur während der Öffnungszeiten bzw. Führungen)
http://www.Bergwerk-im-Spessart.de
 

Wilhelm Völker (1. Vorsitzender)
Wilhelminenstr. 6
63825 Sommerkahl
Tel.: 0 60 24/37 85

Panoramafoto des Geländes vor der Grube Wilhelmine
Das Foto stammt von 17.04.2004 und zeigt noch das ursprüngliche Aussehen der Felswand an der Wilhelmine.

Im Winter 2005/2006 wurde begonnen, die westliche Seite des Bergwerkes zu sichern. Die dorthin führende Strecke wurde ausgemauert. Seit März 2006 wurde begonnen, die hier eingefüllte Versatzmassen auszuräumen. Das dabei zu Tage geförderte, grobstückige Gestein soll zum Mauern weiterer Bauwerke verwandt werden. Dabei wird auch wieder eine Weitung freigeräumt.

Im Außenbereich ist der Bewuchs über der Wand des Tagebaues von den Büschen und Bäumen befreit worden, so dass das ursprüngliche, kahle Aussehen wieder hergestellt wird. 2007 wurde ein überdachter "Tunnel" als Eingang erbaut, so dass ein sicherer Zugang zu den Stollen gegeben ist.

aktuelles Bild der Wilhelmine
Das Foto vom Tagebau mit der "gesicherten" Wand und dem neuen Eingang stammt vom 01.05.2007.
Es wird noch ein weiterer tunnelartiger Zugang gebaut. Für die nächsten Jahre wurd geplant, ein größeres Infocenter des Naturparkes Spessart hier zu bauen. Darin soll auch eine Ausstellung über die Region eingerichtet werden.

Im Winter 2007/2008 wurde im Bergwerk und außerhalb weiter gearbeitet. Man trug weitere Teile der Felswand ab und wird das dabei gewonnene Material zur Sicherung der Wand verwenden.
Baggerarbeiten Wilhelmine
Blick auf die abgebaggerte Wand am 18.01.2008

Das Material wurde nach Mauersteinen für den 2. Tunnel durchsucht und dann als Auffüllmaterial im Bereich der Grube verwandt. Leider führte das oberflächennah gewonnene Gestein nur sehr dünne Tapeten aus Azurit, die nach dem Trocknen dann nur ganz hellblau leuchten. Primäre Erze konnten so gut wie nicht aufgesammelt werden. Die Arbeiten hätten bis zum 1.4. 2008 beendet sein sollen, da hier die ersten Führungen stattfinden.

die neue Wilhelmine
So präsentiert sich die Grube Wilhelmine nach den Umbau- und Sicherungsarbeiten am 11.10.2008.

2010 wurde der Bau des zweistöckigen Hauses mit den Maßen von ca. 12 x 12 und einer Anbindung an den Tagebau begonnen. Darin wird es auch eine Ausstellung des Naturparkes Spessart geben. Der Bergwerkverein hat inzwischen 190 Mitglieder und das Bergwerk wird jährlich von ca. 5.500 Besuchern besichtigt.

Besucherzentrum Besucherzentrum
Der wachsende Rohbau am 23.07.2011 und rechts bereits mit Dach am 10.12.2011

 

Literatur
Autorenkollektiv (1984): Sommerkahl einst und jetzt - 800 Jahre Dorfgeschichte -.- Hrsg. von der Gemeinde Sommerkahl, 540 S., zahlreiche, auch farbige Abb., [Herbert Bauer] Goldbach.
FREYMANN, K. (1991): Der Metallerzbergbau im Spessart. Ein Beitrag zur Montangeschichte des Spessarts.- Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg 33, 413 S., zahlreiche Abb. im Anhang, Aschaffenburg.
LORENZ, J. & SCHMITT, R. T. (2005): Das Kupfererzbergwerk Grube Wilhelmine in Sommerkahl.- Spessart Monatszeitschrift für die Kulturlandschaft Spessart 99. Jahrgang, Heft 2 2005, S. 1 - 32, 53 Abb., 2 Tab., [Main-Echo GmbH & Co KG] Aschaffenburg.
LORENZ, J. & HIMMELSBACH, G. (2006): Sommerkahl, Kupfererzbergbwerk Grube „Wilhelmine“.- S. 310 – 311, ohne Abb. in KRAUS, W. [Hrsg.] (2006): Schauplätze der Industriekultru in Bayern, 1. Aufl., 320 S., zahlreiche Abb., [Verlag Schnell & Steiner GmbH] Regensburg.
MATTHES, S. & OKRUSCH, M. (1965): Spessart.- Sammlung Geologischer Führer Band 44, 220 S., Berlin.
OKRUSCH, M. & WEINELT, W. (1965): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25000 Blatt Nr. 5921 Schöllkrippen.- 327 S., [Bayerisches Geolgisches Landesamt] München. OKRUSCH, M., LORENZ, J. & WEYER, S. (2007): The Genesis of Sulfide Assemblages in the former Wilhelmine mine, Spessart, Bavaria.- The Canadian Mineralogist Vol. 45, pp. 723 - 750, 11 fig., 10 tab., Toronto, Canda.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 564ff, 733ff.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
SLOTTA, RAINER & SCHNEPEL, INGA [Hrsg.] (2011): Schätze der Anden. Chiles Kupfer für die Welt.- 608 S., Katalog der Ausstellung des Deutschen Bergbau-Museums Bochum 8. Mai 2011 bis 19. Februar 2012, Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum Nr. 179, sehr zahlreiche, meist farb. Abb., Tab, Karten und Zeichnungen, [GCC Graphisches Centrum Cuno GmbH] Calbe.
WEINELT, W. (1984) in WEINIG, H., DOBNER, A., LAGALLY, U., STEPHAN, W., STREIT, R. & WEINELT, W.: Oberflächennahe mineralische Rohstoffe von Bayern Lagerstätten und Hauptverbreitungsgebiete der Steine und Erden.- Geologica Bavarica 86, 563 S., [Bayerisches Geologisches Landesamt] München.




Kupferbergwerk Fischbach bei Idar-Oberstein

Weitung im Kupfererzbergwerk
Ein ganz ähnliches, aber deutlich größeres Bergwerk (Grube Hosenberg) bestand von ca. 1400 bis 1800 in den andestischen Ergussgesteinen bei Fischbach mit einer einfachen, hydrothermalen Kupfermineralisation aus Chalkopyrit, Chlakosin, Bornit, Covellin und Digenit, wohl weitgehend ohne Gangarten. Die Gang- und Imprägnationslagerstätte wurde in großen Weitungen abgebaut, die in einem Besucherbergwerk (http://www.besucherbergwerk-fischbach.de) zugänglich sind. Das Berwerk hat einen ganzen Schatz von Besonderheiten:

Aber wie in den meisten Besucherbergwerken ist das Kupfer-Erz von Hand ausgeschlagen worden und so keines mehr zu sehen.

Pochwerk in Fischbach
Das funktionsfähige Nasspochwerk in Fischbach mit den laufenden Wasserrad und den Gerinnen für den Erztransport als Schlamm (aufgenommen am 01.03.2009 in Rahmen einer Führung).


Literatur:
WILD, H. W. & BÜHLER, H.-E. (ohne Jahr): Das mittelalterliche Kupferbergwerk Fischbach (Nahe). Geologie, Geschichte, Gewinnung und Verhüttung der Kupfererze.- 32 S., 21 teils farb. Abb., Förderverein Historisches Kupferbergwerk Fischbach e. V., [Prinz-Druck GmbH] Idar-Oberstein.
WILD, H. W. (ohne Jahr): Ein Bergwerk erwacht zu neuem Leben. 30 Jahre Historisches Kupferbergwerk Fischbach.- 174 S., einige farb. und SW-Abb., Hrsg. vom Förderverein Historisches Kupferbergwerk Fischbach e. V. [Digitaldruck von Papierflieger Offsetdruck GmbH] Clausthal-Zellerfeld.


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