Geologie - oder war hier ein Vulkan?


Es wurden bis heute mehrere Rhyolith-Vorkommen neben dem Vorkommen an der Hartkoppe bekannt (früher Quarzporhyr-Vorkommen) aufgefunden:

Das hier behandelte Vorkommen von Rhyolith liegt in Muskovit-Biotit-Schiefern bzw. -Gneisen der Schweinheim - Haibach-Formation. Für diese Gesteine kann ein absolutes Alter von ca. 324 Ma (Unter-/Oberkarbon) angenommen werden (K-Ar- und Rb-Sr-Datierungen). Die Edukte dafür dürften in die Wende Ordovizium/Silur zu stellen sein.
Für den Rhyolith wird ein unterrotliegendes Alter vermutet; eine absolute Datierung steht noch aus. Dieses Alter belegen Geröllfunde in Rotliegendsedimenten, entstanden unter wüstenhaften Bedingungen, im Raume Geiselbach - Omersbach - Hofstädten. Aufgrund von Geröllanalysen konnte als Ursprung das sailaufer Vorkommen als Ursprungsort belegt werden. Auch nahm die Größe der Gerölle und der Schüttwinkel in Richtung aus Sailauf zu.
In neuerer Zeit wurden permische Rhyolithe auch aus dem Rotliegenden von Altenmittlau, aufgeschlossen in dem großen, SCHMITT'schen Steinbruch, als Bestandteil eines Konglomerates nachgewiesen. Ein Ursprung wird nicht angegeben. Aufgrund der wenigen Rhyolithvorkommen ist es jedoch wahrscheinlich, dass auch diese aus Sailauf stammen.

Das hier behandelte Rhyolith-Vorkommen befindet sich an einer herzynisch (SO-NW) streichenden Störung.
Seine Schlotnatur und Meilerstellung konnte durch Kluftmessungen (welche nicht mehr greifbar sind - siehe unten) an der 1. Sohle nachgewiesen werden. Mit fortschreitendem Abbau der 2. und 3. Sohle, wurde die Meilerstellung der Säulen sehr gut sichtbar.

säulige Absonderung

Befand sich hier im heutigen Sailauf ein Vulkan?
Die einfach klingende Frage kann nicht sicher mit ja oder nein beantwortet werden. Als Vulkane bezeichnet man Orte auf der Erde, an der flüssige, feste oder gasförmige Stoffe heiß die Erdorberfläche erreichen. Es muss also nicht immer so aussehen wie der Ätna oder der Vesuv, sondern auch Maare (wie in der Eifel) sind Vulkane.
Da bis heute keine Schlotbrekzie oder Sediment-Xenolithe festgestellt werden konnten, ist davon auszugehen, dass keine Überdeckung oder Durchschlag von Sedimenten vorlag. Möglich ist aber auch, dass die jetzige Schlotfüllung bis auf eine so große Teufe abgetragen wurde, dass keine solchen Belege mehr gefunden werden können. Damit ist also nicht mehr nachzuweisen, ob der Rhyolith die frühere Erdoberfläche erreichte und somit ein Vulkan war oder ob es sich bei dem Vorkommen um einen im Gestein stecken gebliebenen Gang oder kleinen Lakkolithen handelt.
Da die Schmelze sicher kein offenes Loch in der Erde vorfand, muss der heute durch den Rhyolith eingenommene Raum erst ausgeräumt werden. Dies kann eine zähe Schmelze erreichen, die bei dem Hochsteigen an der Wandung ständig den Felsen mechanisch wie thermisch löst, in die Schmelze einschließt und mit dieser fördert. So wird mit zunehmender Fördermenge der Aufstiegskanal größer. Infolge der geringen Masse an Gneis-Xenolithen im Rhyolith von der Hartkoppe ist davon auszugehen, dass der größte Teil der geförderten Massen erodiert wurden und damit die frühere Oberflächer erreichte. Damit wäre die Bedingung für einen Vulkan gegeben. Sicher nachweisen lässt sich dies leider nicht.
Infolge der unterschiedlichen Gesteine ist mindestens von 2 Schmelzschüben oder von 2 unterschiedlichen Schmelzen auszugehen. Dies können zeitlich nicht so eingeordnet werden, so dass man wüsste vielviel Zeit dazwischen lag.

Rhyolithische Magmen haben bedingt durch den hohen SiO2-Gehalt sehr hohe Viskositäten (>106 größer als Wasser - so etwa wie "Zahnpaste") und neigen deshalb zur Bildung von Staukuppen und/oder zur Bildung kurzer, aber sehr mächtiger Lavaströme. Ausbrüche - insbesondere der entweichenden Gasmassen - sind in der Regel sehr explosiv und damit auch für Menschen sehr gefährlich. Auch bilden sich häufig Glutwolken und als Ablagerung davon Ignimbrite; sie sind oft nur schwer als solche erkennbar, da sie auch nach der Ablagerung noch fließen können und dann gewöhnlichen Lavaströmen ähneln. Hier in Sailauf sind sicher mehrere Schmelzschübe nachweisbar und im Gefüge unterscheidbar.

Zwei Schmelzen
Grenze zwischen zwei verschiedenen Schmelzen in der Bildmitte

Im Zuge der Arvernensisdonau fließt der Klingenberger Strom - ein Vorläufer des heutigen Maines von der Wetterau über Aschaffenburg - Miltenberg zur Donau hin. Sedimente in einem Tal zwischen Schippach und Mechenhardt belegen dies durch ca. 1% Anteil von Rhyolith aus Sailauf. Durch den Rhyolith wird die Flussrichtung eindeutig belegt. Zu diesem Zeitpunkt (Ältest-Pleistozän) stand noch im Spessart über dem Buntsandstein der Muschelkalk an.
 


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