von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
Gebänderter Chalcedon auf Dolomit, Bildbreite 7 mm
Am Rande des kristallinen Spessarts um Alzenau i. Ufr. treten nördlich
davon die Sedimente des Zechsteins, umgeben von denen des Rotliegenden, als
ungebankte Dolomite zu Tage. Sie wurden früher als Rohstoff zur Kalkherstellung
abgebaut und beim lokalen Kalkbrennen genutzt.
Im Zuge von Baumaßnahmen wurden Aufschlüsse geschaffen. Dabei
konnten einige interessante, farbige Mineralien, wie Quarz,
Chalcedon (auch als Achat), Baryt,
Azurit und Malachit, gefunden
werden, die auch in der älteren Literatur des vorigen Jahrhunderts
schon einmal beschrieben wurden. Zusätzlich konnten weitere Mineralien
bestimmt werden.
Der grösste Teil der Funde befindet sich im seit 2006 wieder eröffneten
Museum der Stadt Alzenau in Michelbach und die schönsten
sind dort ausgestellt.
| Azurit | Chrysokoll | Malachit |
| Baryt | Dolomit | Manganomelan |
| Calcit | Goethit | Quarz |
| Chalcedon | Illit |
Kalkige bis dolomitische Sedimente stehen wenige hundert Meter nördlich
der Stadt Alzenau in Unterfranken an. Hier wurde schon seit langem Dolomit abgebaut und daraus "Kalk" gebrannt. Dies belegen
die Reste von kleinen Schürfen, die bis Mitte der 70er Jahre erkennbar
waren.
Bei zwei Baumaßnahmen wurden nördlich des Rothen-Berges bei
Alzenau größere Mengen des Zechstein-Dolomits weiter aufgeschlossen:
a. Bau der Umgehungsstraße von der BAB 45 Aschaffenburg-Gießen, Anschlussstelle Alzenau bis nach Michelbach in den Jahren 1976 - 77 (GK 1:25.000, Blatt 5920 Alzenau in Ufr. R 350578 H 555135), nur wenig nördlich der unten genannten Reithalle.
b. Bau einer großen, später noch erweiterten Reithalle zw. Alzenau und Michelbach ca. 1977 (GK 1:25.000, Blatt 5920 Alzenau R 350578 H 555128).
Beide Aufschlüsse sowie das Gestein selbst sind infolge der schnellen
Verwitterung als auch der Begrünung bzw. der Bebauung heute nicht mehr
zugängig.
Im Stadtgebiet von Alzenau finden sich als kristallines Grundgebirge die
dunklen, metamorphen Gesteine der Alzenauer Formation. Sie bestehen aus
Amphiboliten, Kalksilikatgesteinen, Graphitquarziten und Hornblendegneisen.
Man deutet sie heute als die wechselnde Abfolge während des Kambriums
untermeerisch geförderten Basalten, Mergeln und Kieselschiefer, die
bei der späteren Gebirgsbildung im Karbon Temperaturen von ca 630°
C und einem Druck von 5.000 bar ausgesetzt waren.
Mit Ende des Karbons (ca. 285 Ma war die Landoberfläche des variskischen
Gebirges weitgehend eingeebnet. Es bestand aufgrund der Härteunterschiede
der Spessartgesteine ein kleinräumig gegliedertes Abtragungsrelief mit
einer Schüttrichtung zur Wetterau hin. Die Rotliegend-Sedimente des
Alzenauer Raumes enthalten neben den typischen Spessart-Geröllen auch
Stücke aus dem Taunus.
Mit Beginn des Zechsteins (ca. 235 Ma) wurde unser Gebiet von einem flachen
Meer bedeckt, welches von Norden her transgredierte. Diese carbonatischen
Ablagerungen werden hier beschrieben. Das stark differenzierte Relief des
Spessarts bildete mit ihrer lagunären Landschaft die Basis für
die Ausfällung der unterschiedlichen Fazies dieser eintönigen Sedimente
(wie z. B. Normal-, Schwellen-, Sapropel- und Algendolomite, sulfatisch-karbonatische
Mischgesteine), die die unterschiedlichen Bereiche der Lagunen und ihrer
verschiedenen Wassertiefen, Salzgehalte usw. repräsentieren.
Wie mächtig die Folge des Zechsteins in Alzenau abgelagert wurde, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Sicher wurde der auch hier der heute abgetragene Bröckelschiefer sedimentiert, sowie auch die bekannten Ablagerungen des Buntsandsteines, da sie beide aus dem Vulkanit von der Strütt bei Mainaschaff bzw. dessen Schlotbrekzie belegt sind.
In weiten Teilen am Rothenberg westlich von Alzenau gibt es (wie bei Hörstein, Dettingen und Kleinostheim) nahezu völlig verkieselte Zechstein-Dolomite. Es handelt sich in Alzenau meist um gut gerundete Steine (Blöcke), oft mit gut erkennbarem Windschliff und einer sehr typischen, narbigen Oberfläche:
Zechstein-Sedimente als wechselhafte, carbonatische Gesteine (Schwellenkarbonate,
Z1 (Werra-Serie)) wie Mg-haltige Kalke bis hin zu einem Dolomit treten, oft auch verkieselt, nördlich bis
nordöstlich der Stadt Alzenau auf. Sie werden von den schlecht aufgeschlossenen,
schwach gefestigten, konglomeratischen Sedimenten des Rotliegenden begleitet.
In ihnen finden sich auch Gerölle des Rhyolithes von Sailauf, welches
eine frühere Entwässerungsrichtung des Gebietes das heute den
Spessart darstellt, belegt.
Die carbonatischen Gesteine sind am Spessartrand wie auch in Alzenau teilweise
völlig verkieselt und treten hier als rundlich freigelegte Blöcke
zu Tage. Sie wurden im Pleistozän wohl durch die überdeckenden
Sande teils zu Windkantern geschliffen, wie Lesesteinbefunde in der Umgebung
des Fundortes dokumentieren. Die quarzitischen Gesteine sind dann sehr verwitterungsresistent,
werden freigelegt, können deshalb leicht gefunden und auch kartiert
werden.
Beim Bau der Umgehungsstraße ergab sich im Bereich der heutigen Straße
folgendes Bild: Schwer zu klassifizierende, konglomeratische Sedimente des
Rotliegenden, vorwiegend aus gerundeten Quarzen und verschiedenen Gneisen,
bilden das Liegende. Das Grundgebirge wurde nicht aufgeschlossen. Dolomitische
Zechstein-Sedimente als drusenreiche, schlecht bis sehr gut gebankte Gesteine
von ca. 7 m Mächtigkeit bilden hier bei Alzenau das Hangende. Die barytarmen
Dolomite ließen sich Richtung Michelbach über ca. 50 m verfolgen.
Paläokarsterscheinungen, sonst in den Dolomiten des Vorspessart verbreitet,
wurden hier nicht beobachtet.
Eine Verwerfung, begrenzt durch einen fast senkrecht einfallenden, NO-SW
streichenden Baryt-Gang, trennte den Dolomit vom Rotliegenden. Der vorwiegend
schmutzig weiß erscheinende Baryt-Gang erreichte
eine Mächtigkeit von bis zu 2 m; auf der Nordseite waren die Hohlräume
recht zahlreich. Der umgebende Dolomit war auf weiteren 20 m in östlicher
Richtung von zahllosen Baryt-Nestern durchzogen. Das Ganze wurde nach oben
hin durch die pleistozänen Flugsandfelder und Lössüberdeckungen
verhüllt.
Die Sedimente des Zechsteins sind im Spessart an vielen Stellen aufgeschlossen,
überlagern das Grundgebirge und werden ihrerseits vom Buntsandstein
verdeckt. Sie tauchen flach nach Osten ab und können dort nur noch durch
Bohrungen nachgewiesen werden.
Es sind die Ablagerungen des Zechstein-Meeres, eines sehr flachen Meeres,
welches sich nach dem Abtragen des variskischen Gebirges von Norden hierher
ausbreitete. Die liegenden Schichten, der Kupferletten genannt, sind dünn
und oft sehr reich an Mineralien, die die Metalle Kupfer, Blei, Zink und
seltener Silber enthalten. Die Kupferletten waren eine der Grundlagen des
früheren Bergbaues auf diese Bunt-, Schwer- und Edelmetalle im Spessart
(z. B. Huckelheim, Bieber oder Großkahl). Später brachten hydrothermale
Lösungen reichlich Barium als weißen, spätigen, auffallend
schweren Baryt. Die im Gestein zirkulierenden Wässer haben einen Teil
der Metalle aus den Kupferletten gelöst und an anderer Stelle, meist
oberhalb des Kupferlettens wieder ausgeschieden. Diese sind als Anzeiger der
Metallgehalte oft intensiv blau oder grün und fallen deshalb leicht auf.
Die Dolomite enthalten als Flachwasserbildung, keine oder nur sehr wenige,
meist sehr schlecht erhaltene Fossilien.
Die zahlreichen, unförmigen, z. T. auch großen Hohlräume
die sich dem heutigen Betrachter als Drusen darstellen, entstanden, als die
Umwandlung zum Dolomit einsetzte (Austausch des Ca
durch Mg); dies ist mit einer beachtlichen Volumenreduktion verbunden. Sie
sind oft mit einem Rasen aus Dolomit-Kristallen ausgekleidet. Der Dolomit
ist im Gegensatz zu dem Kalk viel weniger in Wasser löslich, weshalb
es hier im Spessart keine Kluftsysteme gibt, die zu begehbaren Höhlen
erweitert wurden.
Eine andere Deutung sieht die Hohlräume als Lösungskavernen,
die früher mit Sulfaten wie z. B. Gips, gefüllt waren.
Kalkbrennen war früher eine weit verbreitete Tätigkeit, die im
Kleingewerbe an fast allen Zechstein-Dolomit-Vorkommen ausgeführt wurde.
So gab es noch in diesem Jahrhundert zahlreiche Kalköfen im Vorspessart
und es sind zahlreiche Überreste von Kalköfen aufgefunden worden.
Neben Kalke zu Bauzwecken wurde auch schon Düngekalk erzeugt.
Erste Berichte darüber finden sich - wenn auch Alzenau, damals 500
Einwohner mit 112 Häusern, nicht wörtlich genannt wird - bei BEHLEN
(1823, Bd. 1, S. 57). Er beschreibt erstmals den geologischen Aufbau. Ausführlich
werden auch die damals noch bergbaulich genutzten Zechstein-Dolomite beschrieben.
Zur Nutzung des Gesteins führt er aus:
"Diese Gebirgsart ist es, welche in technischer und ökonomischer Hinsicht für diese Gegend des Spessarts von bedeutendem Nutzen wird, indem viele mit Ziegelhütten verbundene Kalköfen daran gutes Baumaterial und ein treffliches Düngungsmittel bereiten. Der daraus gebrannte Kalk hat durchaus eine rein aschgraue Farbe, und zerfällt, besonders von den weichen Abänderungen, gleich in der Luft, zum Theil selbst schon im Ofen, zu einem aschähnlichen Mehl."
Auch in Alzenau gab es Kalkbrennereien mit Kalköfen. H. BÜCKING (1892:158) erwähnt Steinbrüche wo der Dolomit in bis zu 5 m Mächtigkeit aufgeschlossen ist. Mündlich überliefert sind eine Kalkbrennerei bei der heutigen Gastwirtschaft "Funke-Keller" bzw. auf dem Gelände des Baugeschäftes Peter Kresslein (Hanauer Str. 89). Die zweite fand sich unweit der heutigen Reithalle zwischen Alzenau und Michelbach, nicht weit von der Fundstelle der hier beschriebenen Mineralien. Weiter gibt es in den Akten des Alzenauer Stadtarchivs mehrere Gewerbeanmeldungen über Kalkbrennereien (19.2.1879 Sebastian Ludorf Ziegel- und Kalkbrennerei, desgleichen 1.7.1885 Sebastian Funk und 11.10.1887 Adolf Ludorf für eine Feldbrennerei).
Der Kalk bzw. Dolomit wurde in Stücke gebrochen und in einfachen Schachtöfen
mit Holz, später wohl auch mit Kohle gebrannt, gelöscht und dann
zu den bekannten Bauzwecken verwendet. Auch als Düngekalk für die
mageren Böden des Vorspessarts fand das Material Verwendung.
Dabei wird das hier verwendete Gestein als eine Verwachsung aus wechselnden
Anteilen Ca- und Mg-Carbonat auf über 900-1.000°C erhitzt und in
CaO bzw. MgO überführt, wobei CO2 frei wird. Die entstehenden
Klinker werden zu einer pulvrigen Masse gemahlen und abgesackt. Zur weiteren
Verwendung wird in Wannen Wasser zugesetzt, welches sich unter einer enormen
Wärmeentwicklung zu Ca- bzw. Mg(OH)2 verbindet. Der dann gelöschte
Kalk eignet sich als Grundlage für Farben, Putze, Mörtel zum Mauern
und für Dünger. Die Aushärtung erfolgt über die Aufnahme
von CO2 aus der Luft, wobei sich wieder Ca-Carbonat bildet, welches die einzelnen
Mörtelteilchen dauerhaft verbindet.
Die aus hiesigen, etwas manganhaltigen Gesteinen gewonnenen Brannt- oder
Schwarzkalke (!) sind aufgrund des Mn-Gehaltes sehr dunkel, so dass eine
Verwendung für Anstriche entfällt.
1936 existierten wohl so gut wie keine Erinnerungen an den damals schon
weit zurückliegenden Abbau, denn in dem umfangreichen Werk "Die nutzbaren
Mineralien, Gesteine und Erden Bayerns" wird nur das Vorkommen von Dolomit
erwähnt:
"O. von Alzenau (5 m mächtiger, verkieselter Dolomit; hartes, wackiges,
graues, löcheriges Gestein, brauneisenreich und Schwerspat führend);"
Die Beschreibung trifft recht gut die an der Oberfläche sichtbaren
und freigewitterten Gesteinsstücke.
Von den ehemals so zahlreichen Kalkbrennereien im Spessart existiert heute
nur noch die Fa. Hufgard in Rottenberg, die gleiches
Material wie in Alzenau in Steinbrüchen der Umgebung bricht und in
einem weithin sichtbaren Betrieb zu Branntkalk verarbeitet.
Folgende Mineralien konnten in den Sedimenten des Zechsteins nachgewiesen
werden:
Q u a r z SiO2
Der sonst in der Natur so weit verbreitete, in Dolomiten wohl eher seltene
Quarz findet sich in zwei sehr leicht unterscheidbaren Modifikationen:
a. Kristalliner Quarz in Form von sichtbaren idiomorphen Kristallen.
Im Dolomit fanden sich Drusen von bis zu 20 cm Durchmesser, die völlig
mit einem dünnen Rasen aus bis zu 0,5 mm großen, meist farblosen
Quarzkristallen überzogen waren. Die Kristalle zeigen kaum ein Prisma
und in der Regel nur die Pyramide, deren Flächen stark glänzend
sind. Die Flächen zeigen kleine Strukturen, die Vizinalflächen
gedeutet werden können. Die dunklen Farben entstehen in der Regel durch
den braunen Untergrund. Oft überziehen die Kristallrasen als abhebbarer,
nur dünner Belag die rhomboederförmigen Dolomit-
oder tafelige Baryt-Kristalle oder überkrusten meist
nicht mehr vorhandenen Manganomelan. In einigen Fällen sind die Kristallüberzüge
grün, wohl durch darunterliegenden Malachit.
Die bläulichen Farben entstehen durch den darunterliegenden Chalcedon. In wenigen Fällen überzieht eine
weiße bis bräunliche Schicht aus Chalcedon den Quarz.
Kleinere Drusenfüllungen des Dolomits sind sehr häufig mit winzigen,
weißen Quarz-Kristallen, oft über einer
mm-dicken Schicht aus weißem bis leicht hellgrünem Chalcedon,
ausgekleidet. Der Untergrund aus Dolomit-Kristallen fehlt hier.
In Teilen des Dolomits sind bis in den mm-Bereich alle Hohlräume mit
einer dünnen Schicht aus völlig farblosen Quarzkristallen ausgekleidet.
Schmale, nur mm-mächtige Risse und Klüfte im Dolomit können
ebenfalls mit weißem Chalcedon, etwas schwarzem Manganomelan und dann
mit farblosem Quarz, dessen Kristalle sich in der Mitte berühren, ausgefüllt
sein.
b. Als feinstkristalliner Chalcedon, in gebänderter Form auch als Achat benamt:
Chalcedon ist sehr verbreitet als mm-dicker, lagiger Belag in den bis zu
faustgroßen Drusen zu finden. Die Farbe schwankt von weiß über
grün bis hin zu einem zarten blau ("aquamarin"). Färbender Bestandteil
ist sehr wahrscheinlich Malachit mit wechselnden
Anteilen von Azurit . Der Chalcedon wird fast immer
von kristallinem Quarz überzogen oder ist davon unterlagert; mehrfache
Wechsel wurden auch gefunden. Der bis zu 5 mm dick werdende Chalcedon wird
meist durch eine dünne Schicht aus einem schwarzen Manganomelan oder von faserigem, grünen
Malachit von den darunterliegenden Mineralien Dolomit oder Baryt getrennt.
Eine Fluoreszenz des Chalcedons bei Bestrahlung mit UV-Licht tritt nicht
auf.
Da ein lagiger, verschiedenfarbiger Aufbau in den nur mm-dicken Lagen des
dann meist grauen Chalcedons vorliegt, kann man von einem Achat mit gemeiner
Bänderung sprechen. Die Färbung variiert in der Regel von einem
hellen grau bis zu schneeweiß.
Entgegen der durch andere Personen vorgenommenen, visuellen Bestimmungen,
konnte ohne Mikroskop Chrysokoll beobachtet werden.
Die als "Chrysokoll" bestimmten, massiven Stücke wurden röntgendiffraktometrisch
einwandfrei als Quarz bestimmt.
G o e t h i t FeOOH
Erdiger, blättriger oder strahliger, brauner Goethit füllt seltener
gemeinsam mit dem Manganomelan Hohlräume
aus. Er ist auch färbender Bestandteil des dann hellbraunen Gesteins
in der Nähe von Drusen und Klüften.
Gemeinsam mit farblosem Baryt wurden hellbraune, glaskopfartige,
mm-große Massen gebildet. Dünne Schichten färben den Baryt,
das viele, dünne Spalten damit ausgefüllt sind.
M a n g a n o m e l a n
Nicht näher bestimmbare Mn-Mineralien bilden bis zu 3 cm-große,
dünne, wiederholt schalige und stalagtitische Beläge neben und
unter dem Quarz, seltener auch in den Drusen des Baryts.
Dünnste, kaum haftende und rissige Beläge überziehen die Dolomit-Kristalle
und werden in der Regel von Chalcedon überzogen. Seltener sind solche
Dendriten auf dem Chalcedon, teilweise auch unter dem farblosem Quarz, was
dem Chalcedon ein "schmutziges" Aussehen verleiht.
In einem Fall konnte ein kleines Aggregat eines ehemaligen, nicht näher
ansprechbaren Sulfides unter einem dünnen Manganomelan-Überzug
erkannt werden. Es war in Goethit umgewandelt worden.
Der Manganomelan schützte die erdige Pseudomorphose vor der Zerstörung.
Typische, moosförmige Dendriten (keine Fossilien!) sind sehr weit
verbreitet auf den Klüften des Dolomits, im Dolomit selbst und auf
den Spalten des weißen Baryts zu beobachten.
Die schwarzen Mn-Oxide bestehen wie an anderen, vergleichbaren Fundorten
aus nicht näher bestimmbaren, weil fast völlig röntgenamorphen
Mn-Oxiden, die mit dem Namen Manganomelan belegt
werden können.
C a l c i t CaCO3
Das verbreitete Mineral ist selten als Auskleidung einzelner Drusen im
Baryt auf farblosem Quarz zu beobachten. Die kleinen,
weißen Kristalle erreichen kaum eine Größe von 1 mm. Sie
zeigen einen skalenoedrischen Habitus, sind deutlich angelöst und besitzen
kaum einen Glanz auf den Kristallflächen. Farblose Kristalle auf Quarz
sind sehr selten.
Im Dolomit selbst konnten bis zu 5 cm große Drusen geborgen werden,
die mit gleichen, farblos bis weißlichen, skalenoedrischen Calcit-Kristallen
ausgekleidet sind. Neben den bis zu 2 mm großen Kristallen kommt nur
etwas Manganomelan und zwischen dem Dolomit und dem Calcit eine farblose
Quarzschicht vor. Die Kristallflächen des scharfkantigen Calcits scheinen
leicht angelöst, etwas stumpf.
Im Dolomit konnten bis zu 1 cm starke Gänge aus grauem Calcit beobachtet werden. Darin finden sich sehr undeutliche, meist durch Ton braun gefärbte Calcit-Kristalle. Sie erreichen bis zu 4 mm Größe.
Rezente, bis zu 2 cm große stalagtitische Bildungen an den Decken
der Drusen bestehen ebenfalls aus stumpfen, weißen bis grünen
Calcit-Aggregaten, deren undeutlich ausgebildete Kristalle sich unter dem
Mikroskop kaum ansprechen lassen.
D o l o m i t CaMg[CO3]2
In Alzenau konnte sicher nur Dolomit nachgewiesen werden. Fast alle Hohlräume
des sehr feinkörnigen Gesteins sind mit idiomorphen Dolomit-Kristallen
ausgekleidet. Die Kristalle mit den teils sattelförmig gekrümmten
und deutlich parkettierten Kristallflächen erreichen wohl bis zu 7
mm Größe, Kristallaggregate daraus auch 1,5 cm. Die gut spaltbaren,
farblosen bis gelblichen Kristalle sind lebhaft glänzend und werden
oft von einer dünnen Schicht aus dem schon beschriebenen Manganomelan überzogen. Auffällig an
den meisten gut ausgebildeten Kristallen ist weiter, dass sie zusätzliche
kleine Flächen wie das Basispinakoid und das hexagonale Prisma zeigen.
Eine Abgrenzung zum Ankerit, Siderit und den anderen Carbonaten ist sicher nur aufgrund von röntgendiffraktometrischen und chem. Untersuchungen möglich, die auch am Alzenauer Material durchgeführt wurden. Die ermittelten d-Werte passen gut zu denen vergleichbarer Fundorte des Spessarts. Die Untersuchung erfolgte an einem typischen, hellbraunen Kristall an der Universität Würzburg. Aus den gemessenen Werten ließen sich die Gitterparameter zu a=4,803 und c=15,994 Å berechnen (JCPDS-Kartei 11-78: a=4,8112 und c=16,02 Å). Es handelt sich um einen sehr reinen Dolomit (50 Mol-% MgCO3), da der d(104)-Reflex von 2,8795 (Å) bei einem Winkel (2ê) von 31,0325° erscheint.
Das Gestein Dolomit besteht beim Blick durchs Mikroskop aus einem eng verzahnten Kornpflaster 0,05 bis 0,5 mm, ausnahmsweise auch max. 1 mm großer Dolomit-Kristalle. Die verschiedene Orientierung der gut spaltbaren, chremeweißen bis braunen Körner erzeugt das zuckerkörnige Aussehen. Auf den dünnen Klüften lassen sich schwarze Schnüre aus Manganomelan beobachten. Das Gefüge ist stark porig, so dass das Gestein porös erscheint. Cm-große Bereiche bestehen aus einem feinen, locker verwachsenen Gemenge winziger Dolomit- und Quarzkristalle in einer Goethit-Matrix. Feinkristalline wechseln mit größeren Bereichen ab, ohne dass im Schliff eine Schichtung erkennbar ist. In den Zwickeln sind Tonmineralien erkennbar. Organisches Material ist kaum vertreten.
Das Gestein - hauptsächlich aus dem Mineral Dolomit, weiterer hier
nicht bestimmter Carbonate, Eisen- bzw. Mangan-Oxiden und Tonmineralien bestehend
- zeigt in weiten Bereichen typische Lösungskorrosionserscheinungen,
die sich von den früher entstandenen Drusen deutlich, weil meist mit
wenigen Kristallen bestanden und an Klüfte gebunden, unterscheiden.
Ein Teil der zahlreichen Drusen im Gestein ist mit einem schlecht gebundenen
Grus aus Dolomit-Kristallen, kleinen farblosen Quarzen, braunem Goethit und
etwas Ton teilweise oder ganz gefüllt. Wie die Auskleidung aller Hohlräume
in anderen Partien ist dies als Edukt der beginnenden Verkieselung zu deuten.
Fossile Spuren von Lebewesen als nur partiell schlecht erhaltene Steinkerne
bzw. nicht näher bestimmbarer und mit Dolomit ausgekleideter Hohlräume
- mit und ohne Steinkern - wurden nur selten beobachtet. Es handelt sich
hier in Alzenau möglicherweise um Brachiopoden oder Muscheln (wie z.
B. Schizodus obscurus SOW.), deren Schalen aufgelöst wurden. Übrig
blieb der Hohlraum der Schale oder des ganzen Tieres. Die Steinkerne sind
jedoch in einigen Bereichen deutlich häufiger - aber nicht entlang einer
Schicht angereichert. Die 0,5 - 3 cm großen Hohlräume der Mollusken
lassen keine Einregelung erkennen.
A z u r i t Cu3[OH/CO3]2
Das sofort auffallende, weil hellblaue Mineral bildet bis zu 5 mm große
"Sonnen" aus strahligen Stengeln auf den Klüften des Dolomits.
Selten wurden bis zu 3 mm lange, dunkelblaue Kristalle in den Klüften
des Dolomits gefunden. Die Kristalle weisen den gleichen Habitus auf wie
die bekannten aus Altenmittlau. Verbreitet sind bis zu
5 mm große Rosetten aus dunkelblauem Azurit als Kluftbelag auf dem mergeligen
Dolomit. Sie werden von kleinen Malachit-Kristallen wie auch von chremeweißen
Illit-Überzügen begleitet. Einschlüsse
im und unter dem Chalcedon färben denselben bläulich.
Auf den quer zur Schichtung verlaufenden Kluftflächen erreichen blaue
Beläge, die sich kaum in einzelne Kristalle auflösen lassen, die
Größe von einigen cm2. Sie werden von schwarzem Manganomelan
begleitet und neigen auch zu dendritischen Formen.
M a l a c h i t Cu2[(OH)2/CO3]
Das grüne Mineral wurde nur selten auf Klüften des Dolomits gefunden.
Er bildet bis 3 cm große, strahlige, auch gebänderte Aggregate
und auch unscheinbare, erdige bis dendritische Anflüge. Zusammen mit
Azurit ist er selten als typisches Umwandlungsprodukt
zu erkennen. Dünne, radialstrahlige Aggregate erreichen auf Klüften
bis zu 3 cm Durchmesser). Als Begleitmineral tritt regelmäßig
nur Dolomit auf.
Gemeinsam mit Chrysokoll fand sich Malachit in
Form 0,5 mm großer, schlecht ausgebildeter Kristalle.
Neben den Azurit-Aggregaten fanden sich bis zu 0,5 mm große Nadeln
und wirre Nadelfilze aus grünem Malachit auf Manganomelan. Die Malachit-Nädelchen
sind meist nur locker aufgestreut und werden so kaum erkannt. Meist ist feinst
verteilter Malachit der färbende Bestandteil des Chalcedons.
B a r y t Ba[SO4]
Grobspätiger Baryt (I) ist die letzte Ausscheidung der primären
Folge. Die bis zu einigen kg großen, grobspätigen Stücke
enthalten bis zu 6 cm lange und 1 cm dicke, tafelige Kristalle.
Sie zeigen oft Lösungserscheinungen und glänzen nur noch an den
reliktisch erhaltenen, originären Kristallflächen. Verbreitet sind
dünne, weiße Überzüge aus Chalcedon. Der Baryt wurde
tektonisch beansprucht; zerbrochene Kristallstücke liegen zwischen den
Kristallen. Drusen im Baryt enthalten selten etwas glaskopfartigen Manganomelan und farblose Quarzkristalle
darüber. Der weiße Baryt der 1. Generation zeigt eine weiße
oder gelbliche, auch bläuliche Fluoreszenz bei Bestrahlung mit UV-Licht.
Bei kurzwelligem UV-Licht (ca. 255 nm) tritt sie deutlicher auf als bei
langwelligem (356 nm). Auch ist dann eine deutliche, langanhaltende Phosphoreszenz
zu beobachten.
Der Baryt wuchs auf den rhomboedrischen Dolomit-Kristallen, deren Abdrücke
meist auf der Außenseite des weißen Baryts zu sehen ist. Im Handstück
sichtbare, enge Verwachsungen mit dem Dolomit liegen vor. Das Mineral ist
reich an Mn-Dendriten auf den Spaltflächen, es ist weiter sehr spröde
und lässt sich aufgrund der guten Spaltbarkeit kaum in großen
Stücken gewinnen.
Seltener fand sich eine zweite Generation aus einem transparenten, völlig farblosen bis leicht graugrünem Baryt (II) (Abb. 15). Er bildet bis zu 2 cm lange, dicktafelige, auch gestreckte Kristalle oder bis zu cm-breite Kluftfüllungen innerhalb des Baryts. Sie zeigen ebenso wie die weißen Baryte der ersten Generation auffällige, teils stärkere Lösungserscheinungen, die dann einen "faserigen" Aufbau vortäuschen. Daneben finden sich erneute Bildungen tafeliger, länglicher Kristalle auf den Kluftflächen des Baryts. Der Baryt der 2. Generation fluoresziert nicht.
Die beiden Baryt-Generationen lassen sich chemisch keine Unterscheidung zu, so dass sich mittels EDX nur Ba und S nachweisen ließ (Unterschied <0,5 %).
Die bis zu 1 cm großen, tafeligen Baryt-Kristalle unter dem Chalcedon sind in der Regel weggelöst worden, so dass heute nur noch Umhüllungspseudomorphosen von Chalcedon nach Baryt vorliegen. Darin können selten noch die faserig angelösten Reste des Baryts gefunden werden. Auch bis zu 3 cm lange, mm-breite Vertiefungen in den Dolomit-Drusen haben früher Baryt-Tafeln enthalten.
Im Dolomit finden sich selten bis zu faustgroße, deutlich konkretionäre
Baryt-Stücke. Es fehlen auf der Außenseite die Negative bzw. die
Reste der Dolomit-Kristalle. Statt dessen enden die grobspätigen Baryt-Tafeln
als rundliche "Kristalle". Sie erinnern im Ansatz an die Baryt-Rosen von
Rockenberg, Wetterau.
C h r y s o k o l l
CuSiO3+H2O
Rissiger und dadurch faserig erscheinender Chrysokoll bildet einen nur
0,2 mm dicken Überzug oder stark rissige Massen zwischen dem Manganomelan auf den Dolomit-Kristallen und unter
dem dann stark grün erscheinenden Chalcedon. Die "Fasern" des Chrysokolls
stehen senkrecht auf den Dolomit-Kristallflächen. Als Begleitmineral
treten kleine Malachit-Kristalle auf.
Seltener konnte massiger, grünlicher Chrysokoll als Überzug auf
Dolomit mit wenig Malachit gefunden werden.
I l l i t K1-1,5Al4[Si7-6,5Al1-1,5O20](OH)4
Das in den Zechstein-Dolomiten des Spessarts verbreitete, aber sehr unscheinbare
Mineral, tritt auch hier als 0,1 mm dicke, sehr weiche Kruste auf den Dolomit-Kristallen
in den weichen, tonigen Bereichen auf. Die glaskopfartigen Massen sind stumpf
und von chremeweißer Farbe.
LORENZ, J. (1997): Der Zechstein-Dolomit von Alzenau und seine Mineralien.-
Nachr. naturwiss. Mus. Aschaffenburg, Bd. 104, S. 1-34, Aschaffenburg.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG,
G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine.
Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie
und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische,
mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches
Mittelgebirge.- s. S. 781ff.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart.
Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl.,
Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103
größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten
(43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
OKRUSCH, M., STREIT, R. & WEINELT, W. (1967): Erläuterungen zur
Geologischen Karte von Bayern 1:25000 Blatt Nr. 5920 Alzenau i. Ufr.- 336
S., BGLA München.
OKRUSCH, M., MÜLLER, R., & EL SHAZLY, S. (1985): Die Amphibolite,
Kalksilikatgesteine und Hornblendegneise der Alzenauer Gneis-Serie am Nordwest-Spessart.-
Geologica Bavarica 87, S. 5-37, München 1985.
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