Der Kalbsbuckel bei Kleinostheim am Spessart - eine klassische Fundstelle für Staurolith!
(Vorabversion)

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main

Staurolith-Kristall
Staurolith-Kristall (Durchkreuzungszwilling) im Glimmerschiefer,
Bildbreite 1 cm. 

Wichtiger Hinweis:
Belegstücke sind in dem kleinen Steinbruch auf der Westseite des stark verwachsenen Berghanges nur noch mit Ausdauer zu sammeln, da alles inzwischen stark abgesucht ist und seit Jahrzehnten kein frisches Gestein mehr gewonnen wurde. 


Zusammenfassung
Seit langem werden in dem Staurolith-Granat-Plagioklas-Gneis bis zu 2 cm große, meist rissige Staurolith-Kristalle gefunden. Bei entsprechender Ausdauer sind auch heute noch Funde möglich.


Lage
Es handelt sich um einen kleinen bewaldeten Rücken, der neben einem alten, kleinen Steinbruch auch noch Felsen zeigt.

Kalbsbuckel
Die Zufahrt ist am leichtesten von der Bundesstraße 8 über die Unterführung am Bahnhof in Kleinostheim und dann bahnparallel nach Westen bis zum Schützenhaus möglich. Das letzte Stück der Straße ist nur eingeschränkt befahrbar (Verbotstafeln beachten!, siehe Okrusch et al. 2011, S. 149, Aufschluss Nr. 23 

Schützenhaus Felsen  Ellertstein
Im Spätwinter 2012 wurde der Hang mit den Felsen (in Kleinostheim als "Ellertstein" oder "Kettelerfelsen" bekannt) des Kalbsbuckels neben dem Schützenheim (links im Hintergrund mit dem Parkplatz) vom Bewuchs befreit. Man stellte auf die Spitze des Felsens ein neues Kreuz auf (Main-Echo vom 3.4.2012 S. 19). Das alte Kreuz stammte aus dem Jahr 1946 war in die Jahre gekommen und durch ein neues ersetzt, welches von Horst Fleischer gespendet worden ist. Das Freischneiden ist eine tolle Sache, dafür muss man den Ausführenden dankbar sein, denn jetzt sieht man wieder Felsen und kann ohne Verletzungen bis zum Kreuz aufsteigen. Aufgenommen am außergewöhnlich warmen Samstag, den 28. April 2012 bei 30° C und einem blauen Himmel. 

Geologie
Am Rande des kristallinen Grundgebireges des Spessarts steht hier ein Staurolith-Gneis umittelbar an den Sedimenten des Maines an. Nicht weit davon verläuft die Spessart-Randverwerfung. Während der letzten Kaltzeit floss der Main unmittelbar an den Felsen vorbei.

In dem kleinen Steinbruch und die oberhalb anstehenden Felsen ("Kettelerfelsen", aber stark verwachsen) besteht aus einem kaum geklüfteten Gneis, der sehr reich an den braunen, bis zu cm-großen, idiomorphen Staurolith-Kristallen ist. Diese sind meist von den Glimmern umschmiegt und lösen sich deshalb nur bedingt aus dem Gestein. Da oft auch im Innern der Staurolith-Kristalle die anderen Gesteinsmineralien eingewachsen sind, brechen sie leicht oder weisen keine glatten Kristallflächen auf.
Stauroith-Granat-Plagioklas-Gneis
Stück Gneis (angeschliffen und poliert)
mit den im Bruch kaum sichtbaren Feldspat-Körnern
(Bildbreite ca. 15 cm)

Im Gegensatz dazu finden sich auch kleine, dünne, schwarze Turmalin-Säulchen mit Endflächen, die jedoch nicht von Glimmer umschmiegt werden und leicht herauspräparierbar sind.

Historie
Der sehr kleine Steinbruch am Hang mit den wenign Felsen ist sicher länger als 30 Jahre nicht mehr genutzt worden. Beim Bau des Schützenhauses und der Straße konnten von lokalen Sammlern gute Funde gemacht werden.
Die letzen feststellbaren "Abbau"-Tätigkeiten erfolgten wohl anlässlich der Jahrestagung der Oberrheinischen Geologischen Gesellschaft 1967 in Aschaffenburg, als das 547 Engineer-Corps dankenswerterweise für "frisches Gestein" gesorgt hat! Die Genehmigung für die Aktivitäten wurde nach BACKHAUS von der Gemeinde "Mainaschaff" (?) gegeben.
Der markante Felsen der sich wenig südlich und oberhalb des Parkplatzes des Schützehauses befindet wurde als Naturdenkmal vom Bewuchs freigelegt und geschützt:

Ketteler-Felsen

Es findet sich jedoch genügend Gestein in der Umgebung, welches nach den Staurolith-Kristallen durchsucht werden kann.

Mineralien
Das Gestein führt folgende Mineralien, aber in stark wechselnden Anteilen:

Größere Stücke des Gesteines finden sich stellenweise in den Gärten der Ortes Kleinostheim. Da das Gestein auch an anderen Stellen des Vorspessarts auftritt, sind selbstverständlich auch dort ähnliche Funde zu machen. Beispielsweise sei hier der Raum Wenighösbach und Feldkahl, aber auch im Raum Aschaffenburg-Damm genannt.

* Der beste mir bekannte Fund machte Herr Dr. AICHERT, Hanau, um 1974.
 

Literatur
BACKHAUS, E. (1967): Bericht über die Exkursion im Spessart, in der Wetterau, in der Hanau-Seligenstädter Senke und dem Sprendlinger Horst vom 28. März bis 1. April 1967.- Jber. u. Mitt. oberrh. geol. Ver. N. F. 49, S. 23 - 33, Stuttgart.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 470ff.
MATTHES, S. (1953): Mineralsprossung und Stoffmobilisiation während der Metamorphose der Paragneise im mitteleren kristallinen Vorspessart unter Berücksichtigung der Staurolith-Genese.- Fortschr. Mineral. 32, S. 47 - 51, Berlin.
MATTHES, S. (1963): Exkursion in das Kristallin des Spessarts am 17. September 1962.- Fortschr. Miner. 41, S. 37f, Stuttgart.
MATTHES, S. & OKRUSCH, M. (1965): Spessart.- Sammlung Geologischer Führer Band 44, S. 85 - 89, Berlin.
MATTHES, S. (1978): Der kristalline Spessart (Exkursion C am 31. März 1978).- Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N. F. 60, S. 48, Stuttgart.
NEUBAUER, D. & REISS, W. (1967): Mineralien aus dem Spessart.- Der Aufschluss 18, S. 215 - 218, Heidelberg.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
OKRUSCH, M., STREIT, R. & WEINELT, Wi. (1967): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25000 Blatt 5920 Alzenau i. Ufr.- S. 41 ff, S. 43 - 44, München.
SMOLER, M. (1987): Petrographische, geochemische und phasenpetrologische Untersuchungen an Metasedimenten des NW-Spessart/Bayern.- unveröffentliche Dissertation der Bay. Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 256 S., Würzburg.
WEINER, K. L. & HOCHLEITNER, R. (1985): Steckbrief: Staurolith.- Lapis 10, Heft 2 Februar 1985, S. 8 - 11, München.


Zusatz

Quarzit
Neben dem Parkplatz am Schützenhaus liegen mind. 2 unscheinbare Felsen aus einem hellbraunen Quarzit, bei dem es sich um die verkieselten Zechstein-Dolomite handelt, die ca. 1 km weiter westlich an der Spessart-Randverwerfung anstehen; sie wirden bei/nach Bauarbeiten hierher geschafft.  


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