Weinstein -
der (unerwünschte) Stein aus dem Wein.  
 


von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main


Weinstein im Becher  Weinstein REM-Foto  
Typische kristalline Krusten des Weinsteins aus der Weinherstellung im Fass (Hotel Krone Wasserlos),
links Bildbreite 8 cm, erhalten aus einem Weingut in Wasserlos.
Rechts ein winziges Stückchen der Krusten unter dem Rasterelektronen-Mikroskop (REM):
Die großen Kristalle bestehen aus Calcium-Tartrat,
die kleinen Blättchen dazwischen sind das Kalium-Hydrogen-Tartrat, Bildbreite 1,5 mm,
Foto von Stefan Diller, Würzburg.

Korken mit Weinstein
Weinstein-Kristalle am Korken,
Elbling von der Mosel, Jahrgang 2001, Bildbreite ca. 6 cm


Weinstein am Korken Weinsein von Rotwein
Der Weintrinker kennt die typischen Kristalle auf der Unterseite der Korken, Bildbreite 2 cm. Bei den Rotweinen sind die Kristalle violett. 

Es handelt sich beim Weinstein um die Salze der Weinsäure, die sich bei der Lagerung des Weins in der Flasche meist am Korken abgeschieden haben. Es gibt diese Kristalle auch als "Sand", Krusten oder Krümel in der Flasche, so dass man beim Trinken dann glaubt, Sand zwischen den Zähnen zu haben. Chemisch gesehen nennt man diese Salze Tartrate. In unserer Region dominieren die Kalium- und Calcium-Tartrate, zum Teil sind diese auch Wasser-haltig, d. h. es ist im Kristallgitter Wasser eingebaut. In der Regel handelt es sich beim Weinstein aus der Region um die Salze Kaliumhydrogentartrat (KC4H5O6), Kaliumbitartrat (K2C4H4O6·½H2O) und Calciumtartrat (CaC4H4O6).
Die Farbe der Kristalle ist bei Weißweinen farblos, bei Rotweinen rot, rötlich oder violett. Meist sind es gedrungene, oft nur wenige Millimeter große Kristalle; es kommen aber auch nadelige Formen vor. Der Weinstein ist für den Menschen  nicht schädlich oder gar toxisch und verursacht keine geschmacklichen Beeinträchtigungen im Wein. Die Krusten in den Fässern sind meist hell- bis dunkelbraun und besitzen einen Aufbau, der an Kalksinterbildungen der Höhlen im Kalk erinnert. Die kleinen, strak funkelnden Kristalle in den Flaschen oder an der Korken (wenn noch einer in der Flasche ist; zunehmend sind des Schraubverschlüsse oder Glasstopfen) regen zu interessanten Betrachtungen an. 

EYRICH (2004/2006) konn durch seine Analysen mainfränkischer Weinsteine und deren Böden eine geringe Abhängigkeit der Weinsteinzusammensetzung von der Calcium- und Kaliumkonzentration des Bodens aufzeigen. Dabei wurde belegt, dass die Kaliumgehalte des Bodens mit ca. 3 % K2O keine großen Schwankungen unterliegen, ganz im Gegenstatz zu den Calciumgehalten, die von weniger als 1% bis auf über 20 % CaO schwanken können (Buntsandstein versus Muschelkalk). Hier spielt dann die selektive Aufnahme der Pflanze die entscheidende Rolle.
Der Weinstein kann auch bereits im Traubensaft ausfallen, also ohne Gärung - siehe unten.

Beugungsmuster
Untersucht man diese kristallinen Substanzen, so erhält man mittels Röntgenbeugung ein Diagramm, das man hinsichtlich der Substanzen auswerten kann. So kann man relativ einfach ermitteln, welche Salze am Aufbau der Krusten beteiligt oder welcher Natur die Kristalle sind. Die Auswertung eines solchen Beugungsmusters erfolgt in der Regel mit einem PC und einer Datenbank, in der alle kristallinen Substanzen verzeichnet sind. Damit lassen sich dann auch mehrere, ganz unterschiedliche Phasen in einer sehr kleinen Probenmenge sicher bestimmen.

Weinsteinkruste  Weinstein-Kristalle
In den Holzfässern für den Wein bildeten sich im Laufe der Jahre dicke Krusten des Weinsteins. Im linken Bild ist das Stück einer ca. 2,5 cm dicken, braunen Kruste zu sehen (Bildbreite 17 cm), rechts im Ausschnitt erkennt man die undeutlich ausgebildeten Kristalle der blumenkohlartigen Oberfläche (Bildbreite 2 cm). Das eindrucksvolle Stück wurde im Juli 2011 von Herrn Günther Wohlfahrt, Weinbergsmeister am Juliusspital in Würzburg, zur Verfügung gestellt.

Heute wird der Weinstein insbesondere durch Abkühlen bei der Weinzubereitung gefällt (siehe Bild ganz oben) und so sind heutige Fässer - meist aus nichtrostenden Chrom-Nickel-Stählen - blank und besitzen keine Krusten aus Weinstein mehr. Damit vermeidet man die Verkeimung im Weinfass. Und der Weinstein in den Flaschen und an den Korken werden immer seltener.

Der Weinstein kann auch als Zusatz in Backtreibmitteln ("Backpulver") verwandt werden. Dazu werden die im Weinbau anfallenden Weinsteinmassen von spezialisierten Betrieben der chemischen Industrie aufgekauft.

Weinstein ist auch als Familienname - und damit auch als Firmenname - weit verbreitet, aber mit nur ca. 600 Personen in Deutschland doch selten.
 

Weinstein aus Traubensaft
Aber Weinstein (Kaliumhydrogentartrat) kann auch ohne Weinzubereitung aus dem Traubensaft roter Trauben ausfallen. Die schuppigen Krusten stammen aus Trauben, die 2011 in Schöllkrippen wuchsen, Bildbreite 2 cm.


Literatur:
EYRICH, R. (2004/2006): Weinsteinanalyse in Relation zu charakteristischen Böden der Trias- Formation.- unveröffentlichte Facharbeit des CJT- Gymnasium Lauf a.d. Pegnitz, 40 S.,
FALBE, J. & REGNITZ, M. [Hrsg.] (1992): Römpp Chemielexikon. 3. Band H - L.- 9. Auflage, S. 2130f,
FALBE, J. & REGNITZ, M. [Hrsg.] (1992): Römpp Chemielexikon. 6. Band T - Z.- 9. Auflage, S. 5025f,
RENGGLI, C. & ARMBRUSTER (2011): Weinstein - ein besonderer Kristall.- Schweizer Strahler.- 45. Jahrgang, Heft 1/2011, Februar, S. 27 - 30, 6 Abb., Schweizerische Vereinigung der Strahler, Mineralien- und Fossiliensammler SVSMF,


Weinstein-Kristalle Kristall ausWeinstein
Der Weinstein bildet an Korken wunderschöne, funkelnde und spiegelende Kristalle, hier an einem Elbling von der Mosel,
Bildbreite links 2 cm, rechts 5 mm.



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