von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
Der große Steinbruch am Stengerts am 06.09.2006,
also noch vor dem Umbau
Plagioklas-Kristall aus dem Diorit (Dünnschliff im polarsierten
Licht und gekreuzten Polarisatoren), Bildbreite 4 mm
Zugang
Der große Steinbruch liegt am Stngerts zwischen Schweinheim
und Aschaffenburg. Zur Anfahrt benutzt man die Straße zwischen
Schweiheim und Gailbach. Von hier führt eine geschotterte Straße
zum Vereinsheim; dahinter liegt der eingezäunte Steinbruch ("Granit"
der GK) SE Aschaffenburg-Schweinheim, östlich des früheren Truppenübungsplatzes
der US-Streitkräfte (GK 6021 Haibach, R 1360 H 3450, siehe Okrusch
et al. 2011 S. 191, Aufschluss Nr. 81), die früher in Aschaffenburg
stationiert waren. .
Achtung!
Da es sich um das eingezäunte Gelände eines Schützenvereins
handelt, ist der Zugang nur außerhalb der Schießzeiten
und nach Absprache mit dem Vorstand des Vereins möglich.
Ein Betreten ist sonst lebensgefährlich!
Zahlreiche Steinbrüche zeugen von einer ehemaligen Steinindustrie
zwischen Gailbach und Schweinheim. Der große und eindrucksvolle
Steinbruch im Diorit am Stengerts wurde bis 1969 durch die Fa. A. Höllein
zur Schottergewinnung abgebaut, ist seither aufgelassen und wurde 1974
vom sehr erfolgreichen aschaffenburger Schützenverein "St. Sebastianus Aschaffenburg 1899 e. V."
in eine Schießanlage umgewandelt. Hier können nahezu alle
gängigen Waffen geschossen werden. Neben Wettbewerben werden auch
Schützen und Jäger aus- und fortgebildet. Es gibt einen Trapp-Stand,
auch dem man auch mit alten Steinschlossgewehren auf Tonscheiben schießt!
Das Gestein in dem Steinbruch ist ein Diorit - kein Granit!
Links: Dunkle, steil stehende Amphibolit-Scholle im Diorit Bildbreite
ca. 1 m,
Mitte: Diorit aus dem Steinbruch angeschliffen und poliert, Bildbreite
10 cm. Hier erkennt man sehr schön den Aufbau des gesprenkelten
Gesteins aus dem hellen Feldspat (Plagioklas), dem dunklen Biotit und
der schwarzen Hornblende.
Rechts: Rundliche, metergroße Kernsteine des Diorit im oberen
Bereich des Steinbruchs, aufgenommen am 03.12.2011.
Die Gefügemerkmale des Quarzdiorit-Granodiorit-Komplexes waren bereits
den älteren Beobachtern aufgefallen und hatten zu widersprüchlichen
Deutungen Anlass gegeben. Diese reichten von rein metamorpher Entstehung
des „Hornblendegneisses“ (Thürach 1893) bis zu einer rein magmatischen
Bildung des „Diorits“ (Klemm 1895). Vermittelnd nimmt Bücking (1892)
an, dass der „Dioritgneis“ durch tektonische Überprägung aus
einem Plutonit entstanden sei. Auch in neuerer Zeit wurde die Entstehung
des Quarzdiorit-Granodiorit-Komplexes kontrovers diskutiert. Der rein
magmatischen Deutung von Braitsch (1957a) setzte Okrusch (1963) ein „transformistisches“
Modell entgegen, wonach der Diorit durch „metablastische“ Umkristallisation
aus einem metamorphen Altbestand entstanden ist. Heute unterliegt es
jedoch keinem Zweifel mehr, dass der Quarzdiorit-Granodiorit-Komplex –
ähnlich wie die Diorit- und Granodiorit-Plutone der Bergsträßer
Odenwaldes - eine echte magmatische Intrusion darstellt (Anthes 1998).
Die verbreiteten basischen (schwarzen) Schollen stellen endomagmatische
Einschlüsse dar, wie sie in I-Typ-Magmatiten typisch sind (White &
Chappell 1977). Sie weisen auf den Bildungsort des quarzdioritischen Magmas
im Oberen Erdmantel hin. Demgegenüber muss die gestreifte Gneis-Amphibolit-Scholle,
die im Höllein’schen Steinbruch am Stengerts ansteht, als großer
Nebengesteins-Einschluss aus der Elterhof-Formation gedeutet werden. 207Pb-206Pb-Datierungen
an einem Einzelzirkon aus dem Quarzdiorit ergab einen Alterswert von 329,8
+/- 2,1 Ma, der als Intrusionsalter interpretiert wird (Anthes & Reischmann
2001).
Der auflässige Steinbruch am Stengerts, der immer noch frisches
Material bietet, er erschließt den Quarzdiorit-Granodiorit-Komplex
in der Nähe seiner Nordgrenze zur Elterhof-Formation, die zugleich
die Südflanke der Spessart-Antiform bildet. Diese Grenzregion
ist durch eine ausgeprägtere Foliation im Quarzdiorit gekennzeichnet,
ferner durch Einschaltungen von Biotit-Amphiboliten, die in der SE-Ecke
des Steinbruchs in Form einer großen Scholle aufgeschlossen sind.
Sie ähneln den Amphiboliten der Elterhof-Formation und wechsellagern
wie diese mit Biotit-Hornblende-Plagioklas-und Biotit-Plagioklas-Gneisen,
Biotit-Plagioklas-Schiefern aplitischen Quarz-Plagioklas-Adern sowie prä-
bis syntektonischen pegmatoiden Einschaltungen.
Pegmatit aus Quarz, Kalifeldspat und Biotit im Diorit
Mineralien
Bemerkenswert ist das verbreitete Vorkommen von bis zu 2 cm
großen, braunen und oft rissigen Titanit-Kristallen. Diese „briefkuvertförmigen“
Kristalle fallen durch den starken Glanz auf. Solche Stücke wurden
bis in die 1960er und ~70er Jahren reichlich gefunden und gelangten in
viele Sammlungen. Infolge des Mangels an zerkleinertem Gestein konnten
solche Exemplare bis zur Sanierung 2011 nicht mehr gefunden werden.
verzerrter, brauner und beschädigter Titanit-Kristall im Diorit,
Bildbreite 1 cm
Die wenigen Pegmatite führen selten auch etwas Allanit, wenn
auch nur in Größen bis zu 1 cm.
Als Sekundärmineralien treten in den Klüften selten
auf: Epidot, Chlorit, Sericit, Skapolith, Saponit, Prehnit, Quarz, Adular,
Calcit, Pyrit und Hämatit. Bemerkenswert dabei sind die bis zu 5
cm mächtigen Kluftfüllungen aus weißem bis bräunlichem
Skapolith. Dieser führt dann reichlich hellbraune Titanit-Kristalle.
Brauner Titanit-Kristall in einer feinkristallinen Matrix aus
Skapolith (Mejonit mit deutlichen Marialith-Gehalten), Bildbreite 4 cm
Bemerkenswert ist, dass die größten Skapolith-Massen, die aus
dem Spessart bekannt wurden, aus diesem Steinbruch stammen. Sie sind unscheinbar
und werden im Steinbruch bzw. im Haufwerk beim Abbau kaum als solche erkannt,
da man diese beim flüchtigen Hinsehen mit Feldspäten oder Calcit
verwechselt:
Weißliche Massen aus einem derben Skapolith im Diorit als ca. 2 cm mächtige Gang- füllung, Bildbreite 22 cm |
Bruchfläche eines derben, körnigen Skapolith mt lagenweise eingelagertem Titanit und Amphibol, Bildbreite 6 cm |
Rissiger Titanit im feinkörnigen, sehr verschiedenfarbigem Skapolith, der durch die Sprengung zur Lockerung des Gesteins rissig ist, angeschliffen und poliert, Bildbreite 6 cm |
Angeschliffen und poliertes Gangstück eines feinkörniges, rissigen Skapoliths aus dem Diorit, Bildbreite 13 cm. |
Die hier aufgeführten Beobachtungen zeigen die Bedeutung des Aufschlusses
für die Genese des im südlichen Vorspessarts verbreiteten
Gesteins. Im Spessart wird derzeit nur noch in einem Steinbruch bei
Dörrmorsbach (Fa. Erwin Stahl) das gleiche
Gestein zur Herstellung von Wasserbausteinen abgebaut.
Aus den vorgenannten Gründen ist der Steinbruch als Geotop
im Kataster des Landesamtes für Umwelt und Geologie in München
geführt (LFU-Nr. 660A004).
Teilnehmer der Führung in den Steinbruch zum Tag des Geotops
am 17.09.2006 im Schatten der großen Wand.
Die Universitäten der weiteren Umgebung – von Bonn über
Mainz bis nach Erlangen suchen diesen Steinbruch mangels anderer Vorkommen
– im Rahmen von Exkursionen regelmäßig auf. Der Schützenverein
ermöglicht interessierten Gruppen den ungehinderten Zugang, z.
B. auch am bundesweiten Tag des Geotops am 3. Sonntag im September. Termine
können mit dem Vorstand des Vereins vereinbart werden. Für
die Mitglieder des Schützenvereins wurde zuletzt am 22.05.2011 eine
geologische Führung angeboten und bei schönem Wetter durchgeführt.
Problem?
Der Diorit weist – wie man in dem Steinbruch unschwer erkennen
kann – nur wenige, sehr dünne Klüfte auf, die jedoch
keine Wegsamkeit für eine zirkulierendes Wasser darstellen. Der
Untergrund der Steinbruchsohle besteht aus kaum verwittertem Gestein
mit den gleichen Eigenschaften wie es im Bruch an den Wänden zu sehen
ist, so dass es keine Grundwasservorkommen gibt. Mit einer Änderung
der Eigenschaften des hier anstehenden, von granitähnlichen Eigenschaften
geprägten Gesteins ist aufgrund der Verwitterungsresistenz
und Frostbeständigkeit in den nächsten paar Generationen nicht
zu rechnen. Die Steinbruchsohle besteht nach einer ebenen Schicht von
aufgefülltem Material und der Bebauung aus dichtem Fels. Ein Versickern
von Wasser über die Klüfte findet – wenn überhaupt – in
einem sehr geringen Umfang statt. Wie man sehen kann, läuft das Regenwasser
auf der Zufahrt aus dem Steinbruch ab.
Der in Teilen nach dem Umbau wieder begrünte Steinbruch
am 05.11.2011 und am 03.11.2011.
Der Steinbruch wurde nach über 30 Jahren des Schießens mit Blei- und anderen Metallschrot in den Jahren 2010 bis 2012 umgebaut und dabei die Sedimente aus dem Schrot wiedergewonnen. Ein Abgang von schwermetallhaltigen Wässern in tiefere Klüfte ist infolge des Aufbaus des Diorits und der weitgehend geschlossenen Klüftung nicht zu befürchten. Dazu wurden alle Bäume und Sträucher aus der Steinbruchwand entfernt und die losen Gesteinsmassen gesprengt. Das Material wurde dann bis auf ca. 50 cm mit einem Hammer am Bagger zerkleinert und abgefahren. Ein Teil des Materials wurde in Obernau zwischen gelagert. Leider wurden dabei keine der hellen Partien angefahren, die die schönen Titanit-Kristalle beinhalten. Auch fanden sich kaum Kluftflächen oder gar offene Klüfte mit den typischen Mineralien wie Epidot, Chlorit usw. Mit dem Ende der Sanierungsarbeiten schwinden auch die Chancen auf weitere Funde.
Wurfmaschinen für die Wurfscheiben oder Tontauben, rechts die
"Tontauben" mit einem Durchmesser von ca. 11 cm, hergestellt aus einem sehr
spröden, keramischen Material und lackiert mit einer auffälligen
Farbe. Die Scherben der Scheiben findet man im gesamten Steinbruch. Neuerdings
werden auch knallig gelbe Tontauben verwandt, aufgenommen am 24.12.2011. .
Literatur:
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Kristallinschwelle: Geochronologie und Isotopengeochemie. – Dr. rer.
nat. Diss. Univ. Mainz, 154 S.
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J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit
und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie
des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische,
mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches
Mittelgebirge.- IV + 912 S., 2.532 meist farbigen Abb., 134 Tab.
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geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
WEINELT, W. (1962): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern
1:25000, Blatt 6021 – Haibach, 246 S., München (Bayer. Geol. Landesamt).
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