Der große Autobahn-Aufschluss für die Verlegung der Autobahn A3 südlich von Waldaschaff im Spessart
 

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main

  Panoramabild der Baustelle
Panoramabild (vom 18.07.2010) des großen Aufschlusses für die zukünftige Aufnahme des Autobahn A3 südlich von Waldaschaff


Bei den Bauarbeiten wurde ein eindruckvolles Profil erschlossen, welches sich vom Bröckelschiefer bis ins Kristallin erstreckt: 


Die Tiefbaufirma Hohenwarter aus Karlstadt trägt mit vielen LKW und einigen Baggern derzeit eine Hangschulter ab, so dass die Autobahn A3 nach Süden zur neuen Brücke verlegt werden kann. Dazu werden einige ca. 200.000 m³ Fels abgetragen und unter anderem zu den Brückenrampen weiter nach Osten verfahren. Die Baustelle ist von der derzeitigen A3 zu sehen, kann aber nur über Waldaschaff angefahren werden.

Hohenwarter Bauarbeiten der Strecke

Der schöne Aufschluss im Bröckelschiefer, der aber nur das Geologenherz höher schlagen lässt, hat in dem strengen und frostreichen Winter 2008/2009 stark gelitten, so dass jetzt nur noch die Sandsteine gut sichtbar sind. Die Tonsteine sind weitgehend zerbröckelt. Der ausgesäte Grassamen ist aufgegangen, so dass die Böschung inzwischen begrünt ist. Von den Tonsteinen ist kaum mehr etwas zu sehen. Sie abgespülten Stücke sind zerbröckelt, deshalb auch der Name Bröckelschiefer:
bröckeliger Bröckelschiefer
Der Name passt zu dem Gestein: zerbröckelter Bröckelschiefer! (Bildbreite ca. 15 cm) 

Leider fanden sich bisher nicht die erwarteten und vermuteten Mineralien. Es gibt etwas Calcit in den Klüften und der Basalbrekzie und in den Pagmatiten neben Biotit verbreitet nur Hämatit. Leider kein Turmalin, Granat, usw. Auch die nur ca. 5 cm mächtigen Baryt-Gänge blieben weit hinter den Erwartunge zurück: keine Bismut- oder Kupfersulfide und deren bunte Sekundärprodukte. Und auch keine Klüfte mit Chlorit, Epidot und Aktinolith usw., wie man es von solchen Gesteinen erwarten würde. Epidot gibt es ganz selten, aber nur als dünne, grüne Kluftbeläge so dünn wie Tapeten. Ach so, Titanit; ja den gibt es, aber infolge der Überprägung sind alle Titanite nennenswerter Größe in eine gelbliche Substanz ("Leukoxen") umgewandelt. Die Verwitterung hat weite Teile des Gesteins deutlich angegriffen, so dass kaum "frische" Mineralien gibt. Der Aufschluss müsste 10 m tiefer ausgehoben werden, was leider für die Bundesautobahn nicht notwendig ist.


Bildergalerie:

Sandstein
"geflammeter" Sandstein des Bröckelschiefers, Bildbreite 8 cm
Bröckelschiefer-Profil
Profil des Bröckelschiefers über dem Kristallin, einschließlich einer Basalbrekzie und einem scharfen Übergang zum Kristallin des Diorits
Pegmatit
Pegmatit im Diorit mit Biotit, Bildbreite ca. 10 cm
Pegmatit-Blöcke
Pegmatit-Blöcke in m³-Größe auf der Baustelle vor dem Zerkleinern. Diese Pegmatite enthalten nur lange, schmale Biotit-Tafeln sogn. "Riemenglimmer".
Diorit
Bruchfläche des Diorit, Bildbreite 8 cm
auf dem Bröckelschiefer
Thomas Mitschke und Joachim Lorenz auf dem Bröckelschiefer, an der Stelle, an der das Profil durch den Bröckelschiefer gelegt wurde (Foto Jürgen Jung)
Migmatit
Migmatitische Partie, Bildbreite 8 cm
Pegmatit
Riesige, rötliche Kalifeldspat-Kristalle im graunen Quarz eines Pegmatits, Bildbreite ca. 1,5 m
Bröckelschiefer
Bröckelschiefer mit grauen, mergeligen, verwürgten Lagen, Bildbreite ca. 2 m
Tonstein
Der "normale" Bröckelschiefer, ein Tonstein, der nach dem Entwässern zerfällt -
zerbröckelt, daher der passende Name; Bildbreite ca. 1 m
Calcit-Gang
Spalte mit Versatz im Diorit, gefüllt von gelblichem Calcit, Bildbreite ca. 35 cm
Diorit
Diorit mit dunklen, Hornblende-reichen Schollen und einem Pegmatit-Gang, Bildbreite ca. 2 m
Baryt
Weißer Baryt mit Einschlüssen aus feinschuppigem Hämatit, Bildbreite ca. 8 cm
Baryt-Gang
Geringmächtiger Baryt-Gang mit feinschuppigem Hämatit, anstehend im alterierten Diorit mit dem Geologenhammer als Maßstab.
Aplit-Gang
Aplit-Gang im Diorit, Bildbreite 8 cm
Amphibolit
Amphibolit, Bildbreite 8 cm
dunkle Scholle
Dunkle. amphibolitische Scholle im Diorit, Bildbreite ca. 25 cm
Pegmatit
Pegmatit im Diorit mit einem schwer erkennbarem, wohl metamiken Allanit (rechts unten im Bild), Bildbreite ca. 25 cm.
Epidot
Ca. 2 cm langer Epidot-Kristall im Calcit, gefunden von W. Beyer, Waldaschaff
Calcit-Gang
Weißer und brauner Calcit als Gangfüllung - ohne Baryt - im Diorit, Bildbreite ca. 15 cm
Basalbrekzie
Die waagrecht geschichtete Basalbrekzie (linke Bilddrittel) unter dem Bröckelschiefer und über der einst welligen, hier bogenförmig angeschnittenen Landoberfläche aus einem Diorit, der kleinstückig absondert; Bildbreite ca. 2 m
Biotit
Schwarzer, leicht welliger Biotit in einem Pegmatit, Bildbreite ca. 10 cm
Epidot als Kluftbelag
Kluftfüllung aus einem braungrünen, stängeligen Epidot mit etwas Chlorit, Calcit und Quarz; Bildbreite ca. 8 cm
Diorit-Bruchfläche
Bruchfläche eines Diorits; Bildbreite ca. 8 cm
Baustellensee
Baustellensee im April 2010
Lamprophyr
Bruchfläche eines exotischen Genggesteins aus der Gruppe der Lamprophyre, hier von der Baustelle, stark verwittert, Bildbreite 8 cm
Augengneis
Sehr schönes Stück eines Gneies mit cm-großen Feldspatporphyroblasten, ausgebildet als "Augengneis", Juni 2010
Granat-Gneis
Granat-Gneis mit cm-großen Granat-Kristallen, leider sehr rissig und verwittert, so dass diese weder Glanz besitzen noch als einzelne Kristalle herausgelöst werden können; Bildbreite ca. 20 cm. Bei dem Granat handelt es sich nicht um Spessartin, sodern um einen Almandin-betonten Granat. Das Gestein ist ähnlich dem bekannten Vorkommen am Grauberg bei Schweinheim


Beim Besuch trage man/frau feste Schuhe, besser Sicherheitsschuhe. Nach einem Regen der sind Gummistiefel sehr sinnvoll.
Hinweis: Man arbeitet täglich von 7 bis 19 Uhr und auch samstags, so dass die stark befahrene Baustelle nur sonn- und feiertags besucht werden kann. Die Baustelle ist derzeit keine Fundstelle, da kaum Erdarbeiten in den felsigen Stellen erledigt werden.


Der einmalige Aufschluss wird in Zusammenarbeit mit der Autobahndirektion Nürnberg vom Archäologischen Spessartprojekt dokumentiert und bearbeitet. Es wurden auch Führungen angeboten:

Führung am 05.07.2009
Sonntag, der 05.07.2009:
Bei "Kaiserwetter", ca. 30 ° C, einem leichten Lüftchen und völlig ohne Schatten trafen sich ca. 130 Interessierte aus einem Umkreis von ca. 70 km zur Führung in der
Autobahnbaustelle und lauschten sehr diszipliniert den Ausführungen von Joachim Lorenz, der einen zeitlichen Bogen von 400 Millionen Jahren spannte und dabei die
Geschichte aus den Steinen las. Der überraschend große Zuspruch machte die Verwendung eines Megaphons notwendig. Leider konnten dabei kaum Fragen gestellt
und beantwortet werden, nur im kleinen Kreis am Ende. Dies zeigt sehr eindrucksvoll, dass ein erhebliches Interesse in der Bevölkerung zu den Steinen im Boden
vorhanden ist.


Literatur:
OKRUSCH, M. & WEINELT, W. (1965): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25000 Blatt Nr. 5921 Schöllkrippen.- 327 S., 53 Abb., 10 Tab., 3 Beil. [Bayerisches Geologisches Landesamt] München.


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