von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
Brauner Opal als ca. 3 cm breite Spaltenfüllung im
alterierten,
metamorphen Gestein (Amphibolit)
Zusammenfassung:
Beim Bau des Gebäudes der Kreissparkasse Aschaffenburg-Alzenau (früher
nur Alzenau) und der Straße dahinter wurden verschiedene Gestein der
Alzenauer Serie abgebaut. Sie führten Klüfte mit Opal-(T) und
Nontronit.
Das bei weitem grösste Stück Opal befindet sich im geologischen
Raum des Museum der Stadt Alzenau in Michelbach.
| Albit | Fe-Mn-Minerale | Opal-(T) |
| Aragonit | Goethit | Quarz |
| Calcit | Hämatit | |
| Epidot | Nontronit |
Lage und Geologie:
Im Stadtzentrum von Alzenau i. Ufr., am NW-Zipfel Bayerns, stehen Amphibolite bis Quarzamphibolite, Hornblende-Plagioklas-Gneise und Kalksilikatgneise an. Sie gehören zur Alzenauer Serie und werden als migmatitisch vergneiste Serie algonkischer Sedimente gedeutet. Die Metamorphose erfolgte demnach bei ca. 630° C und 5 kB Druck. Das bedeutet eine Teufe von >15 km. Als Alter werden ca. 600 Ma postuliert.
Frische Aufschlüsse entstehen nur kurzzeitig, während des Neubaues
von Straßen oder Gebäuden. Als 1972 die Straße "An der
Burg" neu angelegt und die Baugrube für das Gebäude der Kreissparkasse
Alzenau in der Burgstraße 3 ausgehoben wurde, ließen sich die
oben aufgeführten Gesteine über einige 10er Meter gut verfolgen.
Weiter konnte der Amphibolit dann über die Straße bis zum Einschnitt
der Kahlgrundbahn verfolgt werden. Inzwischen ist die Fläche mit einer
Treppe (sieh Bild oben) weiter überbaut worden und auch stark verwachsen.
Der Aushub wurde in die ehemalige Sandgrube der Stadt Alzenau - heute das
Industriegelände der Siemens-, Junkers- und Röntgenstraße
- gefahren und dort als Unterbau für die Straße und deren Gehwege
verwendet. Er ist heute nicht mehr zugänglich.
An der N-Seite der Straße "An der Burg" entstand eine Böschung;
hier (der der Eisenbahn Kahl-Schöllkrippen zugewandten Seite) wurden
in leukokraten Lagen mit Opal gefüllte Störungen beobachtet (GK
5920 Alzenau i. Ufr. R 350528 H 555009, siehe Okrusch et al. 2011, S. 139,
Aufschluss Nr. 3). Der Aufschluss ist heute durch eine Betonstützmauer
und eine Betontreppe teilweise verdeckt. Grobkörnige, pegmatitische
Einschaltungen führen in ihren Hohlräumen ebenfalls Opal. Die
Störungen verlaufen mit ca. 45° zur Schieferung des Gesteins. Sie
fallen mit ca. 70° ein. Das Streichen wurde nicht aufgezeichnet. Die
Gänge werden bis zu 5 cm mächtig und sind hauptsächlich mit
Opal gefüllt.
Das Vorkommen erinnert nach eigenen Beobachtungen an ähnliche Opalvorkommen
in den Basalten von Mühlheim-Dietesheim bei Offenbach.
Mineralien:
H ä m a t i t
Fe2O3
Feinschuppiger Hämatit belegt Grenzflächen zwischen Opal und
Gneis. Feinstschuppiger Hämatit färbt einige Bereiche des Opals
rot.
Q u a r z SiO2
Das Mineral bildet kleinste, farblose Kriställchen als Auskleidung
der Drusen im Opal.
O p a l - (T) SiO2·nH2O
Brauner Opal füllt die zahlreichen Spalten und Klüfte eines stark
alterierten Amphibolits. Die meist braunen, drusenreichen Kluftfüllungen
erreichen bis zu 5 cm Mächtigkeit. Im Bild unten sieht man ein zersätzes
Stück Gestein mit der Bruchfläche des Opals (links) und rechts
die angeschliffen und polierte Hälfte. In der Mitte ist der zersetzte
Amphibolit zu sehen, der hier scheinbar von Opal umgeben ist. In Wirklichkeit
war es eine Gabelung eines Ganges mit Opal, dessen Mitte dann gefunden wurde.
Der muschelig brechende, spröde Opal ist reich an bis zu cm großen Hohlräumen, welche mit kleinen Quarzkristallen ausgekleidet sind; er füllt die Spalten der Störungen. Hohlräume im Pegmatit oder in den porösen Lagen können ebenfalls mit Opal gefüllt sein. "Drahtwolleartige" Einschlüsse aus Nontronit und Hämatit geben dem sonst farblosen Opal eine braune Farbe. Im Anschliff unter dem Mikroskop ist zu erkennen, dass der Opal aus konzentrisch-schaligen Lagen (achatähnlich) aufgebaut ist. Die Zentren dieses Lagenaufbaues werden von den Nontronitfädchen gebildet.
Die Lagen fluoreszieren bei Beleuchtung mit kurzwelligem UV-Licht (254 nm) grün. Ockerfarbene Töne kommen ebenfalls vor. Ohne die Einschlüsse ist der Opal farblos (Hyalit), in dicken Lagen grau und in Hohlräumen (bis zu 10 x 15 cm groß) oft mit einer weißen Rinde überzogen. Hier ist er glaskopfartig bis stalaktitisch ausgebildet. Der weiße Überzug zeigt bei Bestrahlung mit langwelligem UV-Licht (366 nm) eine weiße Fluoreszenz.
Das angrenzende, hellbraune Gestein, ein stark alterierter glimmerarmer
Plagioklas-Gneis ist lagig ausgebildet und lagenweise stark mit Opal durchsetzt,
so dass er völlig porenfrei, homogen und „frisch“ erscheint. Erst der
Blick unters Mikroskop offenbart die Porenfüllungen aus Opal.
Die seinerzeitige Bestimmung erfolgte röntgendiffraktometrisch als
Opal-(T) (Tridymit).
Und dann stellt man doch hier die
Frage, warum der alzenauer Opal nicht so bunt schillert (Opaleszenz) wie
man dies von den Opalen aus Australien, Mexiko, Ungarn usw. kennt?
Opal ist eine amorphe Substanz und
besteht aus ganz kleinen Kügelchen, die ihrerseits aus Cristobalit
und/oder Tridymit bestehen. Wenn nun die Kügelchen alle gleich große
sind (unterhalb der Wellenlänge des Lichtes!) und schön regelmäßig
nebeneinander gleich orientiert fixiert wurden, keine färbenden Fremdbestandteile
enthält, dann ergibt sich der bekannte, bunt schlilllernde Edelopal.
Und die Räume zwischen den Kügelchen werden von Wassermolkülen
eingenommen, welches u. U. nach der Verarbeitung entweichen kann, wodurch
die Schönheit und die Brillianz eines solchen Steines leiden kann.
In Alzenau produzierte die Natur
aber ungleich große Kügelchen, die schon garnicht gleich orientiert
liegen; es ist noch etwas Eisen eingebaut (Farbe) und meist wurde noch während
dem Wachstum das Mineral Nontronit gebildet, so dass kein bunter Schiller
entsteht. So müssen Sie weiterhin auf die Opale aus den bekannten Vorkommen
zurück greifen, falls sie einen bunt schillernden Schmuckstein haben
wollen.
Und wenn Sie ein Schmuckstück
mit einem Edelopal besitzen, dann nicht vergessen, ab und zu mal ins Wasser
legen, so dass das Wasser wieder in den Stein eindringen kann.
F e - M n - M i n e r a
l e
Nicht näher bestimmbare Fe-Mn-Minerale bilden Dendriten auf den schmalen
Kluftflächen im Opal.
G o e t h i t FeO(OH)
Erdiger, brauner, teils Pseudomorphosen - nach einem nicht bestimmbaren
Mineral - bildender Goethit sitzt als lockerer Überzug auf den Quarzkristallen
der Drusen.
C a l c i t CaCO3
Bis 1 mm große, farblos klare, skalenoedrische und spaltrhomboederförmige
Calcitkristalle können auf dem Quarzrasen in Hohlräumen oder im
Pegmatit beobachtet werden.
A r a g o n i t CaCO3
Als Begleitmineral des Calcits im Pegmatit tritt farbloser, nadeliger,
bis 1 mm großer Aragonit auf.
E p i d o t Ca2(Fe3+,Al)Al2[O/OH/SiO4/Si2O7]
Dunkelbraune, kurzprismatische bis tafelige Epidotkristalle konnten zwischen
den Feldspäten beobachtet werden. Sie werden bis zu 8 mm lang und besitzen
angelöste, matte Flächen.
N o n t r o n i t
Na0,33Fe23+(Si,Al)4O10(OH)2·nH2O
Bei der röntgendiffraktometrischen Bestimmung konnte neben Opal noch
ein Mineral der Smektit-Gruppe noch Opal gefunden werden. Aufgrund der Paragenese
und der morphologischen Eigenschaften dürfte es sich um Nontronit handeln.
Bei einer chemischen Analyse wurden die Elemente Si, Fe, Al, Ca und Mg (in
abnehmender Reihenfolge) gefunden. Na konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.
Der Nontronit bildet verbreitet moosförmige oder "drahtwolleartige" Massen im Pegmatit und innerhalb des Opals.
Ein 0,5 mm langes und 30 m langes Stück wurde unter dem Rasterelektronenmikroskop untersucht. Wie die Bruchstelle zeigte, besteht es aus blättrigen, radial angeordneten, ca. 10 m großen und ca. 1 m dicken Blättchen. Zwei Analysen zeigten, dass sich die Zusammensetzung vom Rand zur Mitte nicht ändert.
In Klüften tritt Nontronit als rissige, sich fettig anfühlende
Füllmasse auf.
A l b i t Na[AlSi3O8]
Weiße, bis 3 mm große, teilweise angeätzte Kristalle konnten
als Albit identifiziert werden. Sie sind zum Teil mit einer 2. Generation
kleinster Albitkristalle überkrustet. Begleitmineral ist Epidot.
Anmerkung:
Bei Bauarbeiten im nördlichen Stadtgebiet von Alzenau im eigentlichen
Sinn werden immer wieder rätselhafte, runde Blöcke aus einem wohl
sedimentären, metasomatischen Quarzit freigelegt. Diese finden dann
lokal den Weg in die Gartengestaltung.
Die Genese dieser oft sehr gut gerundeten, äußerst harten und
stellenweise mit Windschliff versehenen Blöcke ist nicht geklärt.
Man findet sie von ca. 2 - 3 kg bis hin zu 2 t Gewicht.
Literatur:
LORENZ, J. (1992): Opal von Alzenau.- Aufschluss 43, Heft Mai/Juni
1992, S. 188 - 190, 2 Abb., Heidelberg.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG,
G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine.
Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie
und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische,
mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches
Mittelgebirge.- s. S. 259ff.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart.
Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl.,
Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103
größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten
(43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
OKRUSCH, M., STREIT, R. & WEINELT, Wi. (1967): Erläuterungen zur
Geologischen Karte v. Bayern. Blatt 5920 Alzenau i. Ufr.- 336 S. München
1967.
OKRUSCH, M., MÜLLER, R., & EL SHAZLY, S. (1985): Die Amphibolite,
Kalksilikatgesteine und Hornblendegneise der Alzenauer Gneis-Serie am Nordwest-Spessart.-
Geologica Bavarica 87, S. 5-37, München 1985.
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