Blankenbach
& Eichenberg - bekannt durch den weißen Sandstein, verbunden
durch den Kalk und über eine Seilbahn.
von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
Eröffnung des Kulturrundweges Blankenbach-Eichenberg am 10.10.2009
mit den Bürgermeistern Müller und Dümig, dem Landrat
Dr.Ulrich Reuter
und Dr. Gerrit Himmelsbach von Archäologischen Spessartprojekt
im Hof
des Hotel Brennbaus Behl, Blankenbach.
In Blankenbach gab es ein Kalkwerk. Der Kalk (eigentlich ein
Dolomit) wurde aus Eichenberg und später auch Sommerkahl mit einer
Seilbahn angeliefert. Am Dicksbusch gibt es einen Steinbruch im Muskovit-Biotit-Gneis.
In Eichenberg gab es darüber hinaus noch eine Ziegelei und es gibt
dort noch den weißen Steinbruch. Weiter wurden Manganerze und Schwerspat
abgebaut.
All diese Besonderheiten sind durch den 72. Kulturrundweg "Apfelwein
und Weißer Stein" erschlossen, der am 10.10.2009 eröffnet wurde.
- Das Kalkwerk in Blankenbach.
Mit der Erschließung des Kahlgrundes durch die Kahlgrundbahn
wurden Transportkosten erheblich reduziert. Dies führte zum Bau eines
Kalkwerkes in Blankenbach 1899, unmittelbar angrenzend an den heutigen
Parkplatz des Hotel Brennhaus Behl.
In dem riesigen Kalkofen wurde der "Kalk" (in Wirklichkeit ein Dolomit,
also ein Magnesium-haltiger Kalk) aus Eichenberg und später auch
aus Sommerkahl gebrannt. Der über eine Materialseilbahn angelieferte
Dolomit zunächst gebrochen und dann in den Ringofen zu Branntkalk
gebrannt.
Der Hoffmann´sche Doppel-Ringofen besteht aus einer ringförmigen
Brennzone aus 28 aneinander grenzenden Brennkammern mit Zugängen
von Außen (bogenförmigen Öffnungen); darüber befand
sich ein hölzerner Überbau und Dach zum Schutz des Heizers und
dem Einfüllen der Kohle. In diesen Ofen wurde der Kalk mit ca. 20
% Steinkohle aufgeschichtet. Das Feuer brannte derweil in der Brennzone,
während im abgebrannten und abgekühlten Teil der gebrannte Kalk
ausgeräumt wurde, nachdem man die Zugänge aufgebrochen hatte.
Dahinter wurde wieder neu zugestellt, die Öffnung wieder zugemauert
und so lief der Prozess immer fortlaufend durch die Kammern bzw. den ringförmigen
Brennraum. Die Brennleistung eines solchen Ofens war ca. 10 mal größer
als der eines einfachen Schachtofens.
Die Arbeitsbedingungen in dem Ofen waren sicher nicht gesundheitsfördernd,
denn Abgase, Staub und die Restwärme machten das Arbeiten schwer.
1907 wurde neben dem Wohnhaus in Blankenbach ein Brausebad für die
Arbeiter erbaut. Nachdem man den gebrannten Dolomit ausgeräumt hatte,
wurde der in einer Kugelmühlenanlage gemahlen, verpackt und als Branntkalk
verkauft. Infolge der relativ hohen Eisen- und Mangangehalte war der "Kalk"
nicht weiß sondern dunkelgrau. Er wurde vorwiegend zur Herstellung
von Mörtel zum Mauern verwandt; geringe Anteile gingen in die Landwirtschaft,
Gerbereien, in die Stahl- und Zuckerfabrikation. Das Kalkwerk besaß
eine Anlage in der der gemahlene Kalk in Säcke abgefüllt wurde.
Die Produktion lag bei ca. 1.400 gedeckten Waggons der Bahn. 50 kg Kalk
kosteten um 1900 ca. 1,25 Reichsmark. 1904 wurd mit den Schwarzkalkwerken
Aschaffenburg AG ein Verkaufsvertrag geschlossen, der den Absatz sichern
sollte.
Gestiegene Kohlenpreise und die Konkurrenz wurden die Preise gedrückt.
Das Kalkwerk wurde durch einen langen Streik bekannt. Infolge einer Absatzkrise
arbeiteten 1920 nur noch wenige Menschen im Kakkwerk. 1934 wurde Konkurs
angemeldet und die letzten Anlagen 1942 abgebrochen und der Kamin gesprengt.
Der einzige Betrieb im Spessart, der heute noch einen Kalkofen betreibt
um Dolomit (Kalk) zu brennen, ist die Fa. Hufgard in Rottenberg.
Links, das bereits leer stehende Kalkwerk, bestehend aus dem Kalkofen
mit einem hölzernen Überbau als Wetterschutz und dem ca. 60
m hohen Abgaskamin vor dem Abriss vor 1942 (Foto freundlicherweise zur
Verfügung gestellt von Familie Heeg). Rechts, das noch im Betrieb
befindliche Kalkwerk (Südwestecke) mit Direktor und dem Kalkofen
im Hintergrund, rechts erkennt man den Aufzug der Kohleförderung,
die vom Anschlussgleis zu einer Hängebahn führt, die über
dem Oben installiert ist.. Nicht datiertes Bild aus ?
Ein Ringofen mit den 14 Brennkammern, den Öffnungen und dem
zentralen Kamin, wie er in Blankenbach bestand, als zeitgenössische,
technische Zeichnung im (Halb-)Schnitt (links in der Brennzone in der
Draufsicht, rechts der Blick von oben, links unten im Querschnitt mit dem
Kamin und rechts unten quer dazu die Brennkammern mit dem Buchstaben B
gekennzeichnet).
Links: Der Hoffmann´sche Ringofen von ca. 1860 im Kalk- und
Ziegelmuseum der Gemeinde Winzer bei Deggendorf, der bis ca. 1960 im Betrieb
war. Er ist aus den Kristallingesteinen des Bayerischen Waldes erbaut und
ist als zentraler Teil des Museums erhalten geblieben. Die Ofenbühne
ist offen, so dass der Heizer dem Wind ausgesetzt war. Im Winter wurde
kein Ofen betrieben.
Rechts: Ein Bild des Inneren mit den aufgeschichteten Kalkbrocken
und Helga Lorenz als Maßstab. Gegen die Decke erkennt man die angeschmolzenen
Ziegelsteine der Ausmauerung des Ofens. Die Lücken wurden später
mit Kohle gefüllt (aufgenommen am 19.09.2009).
- Die Seilbahn.
Zur Herbeischaffung des Dolomites verwandte man eine Materialseilbahn.
Diese bestand auf 1,65 km Länge bei 114 m Gefälle bis zu
der Stelle, die ca. 300 m weiter reicht, als der heute als "Winkelstation"
bekannte Abzweig (System Otto mit Selbstkuppelapparten und einer Leistung
von 180 t pro Tag. Die Anlage wurde von der Fa. Pohlig aus Köln geliefert.
Es handelte sich um eine Seilbahn, aus einem stählernen
Trag- und einem separaten Zugseil; das Stahlseil zur Talseite hatte 36
mm Ø und das für die Leerfahrt hatte 25 mm Ø. Die Spanngewichte
waren mit 8.400 und 4.000 kg auf 5fache Sicherheit ausgelegt. Das Zugseil
war 13 mm dick und wurde über eine 2 m messende, einrillige Seilscheibe
in einem gleitenden Lager angetrieben. Der Antrieb (stationäre Maschine
mit 10 Pferdekräften der Fa. R. Wolff aus Magdeburg-Bucknau) befand
sich am Kalkwerk. Das Tragwerk der 24 Stützen bestand Holz, die (heute
noch vorhandenen) Fundamenten aus Beton. Die Geschwindigkeit der immer
laufenden Seilbahn war mit ca. 0,5 - 1 m/sec klein. Es befanden sich immer
14 Wagen im Seil, von denen die Hälfte mit Last fahren konnten. Zur
Beladung wurde der Wagen vom Seil genommen und per Hand mit der Schaufel
durchgeführt. Zum Entladen wurden die Wagen vom Seil genommen und
auf Schienen verfahren und durch Kippen im Ofen entleert. Zur Koordination
der Be- und Entladung war ein elektrisches Läutewerk und Mikrotelephone
installiert, so dass sich die Arbeiter abstimmen konnten.
Von dem Endpunkt bestand bis zum Steinbruch in Eichenberg
ein Gleis für Loren, die von Pferden gezogen wurden. Da dies auf
Dauer nicht rentabel war, verwandte man eine Dampflokomotive.
Als der Steinbruch 1926 nach Sommerkahl verlegt wurde, baute man
die Seilbahn im 4. Quartal 1925 aus und ca. 100 vor der Beladestation
wurde eine "Winkelstation" erbaut. Das Gleis auf der Straße
wurde abmontiert. Die letzten Reste der Seilbahn wurden 1936 abgerissen.
Es ist durch Zeitungsberichte überliefert, dass 1909 es zum
Zusammenbruch eines Tragwerkständers kam und später kam es
zu einem Seilriss. so dass 6 Wagen abstürzten.
Mit dem Bau der Winkelstation wurde einerseits die Richtung geändert,
aber auch das Gefälle, so dass im Steinbruch von Sommerkahl die Beladestation
mit einem 800 kg schweren Spanngewicht für das Zugseil ausgestattet
war. Das Tragseil war im Fels verankert. Über der Straße von
Sommerkahl nach Eichenberg befand sich ein Schutzgerüst gegen herabfallende
Steine. Die Seilbahn wurde um 1.260 m verlängert. Details zur Winkelstation
sind nicht bekannt, da entsprechende Akten nicht mehr vorhanden sind.
Das noch im Betrieb befindliche Kalkwerk mit mit der ersten
hölzernen Stütze der Seilbahn um 1922, links ein Eisenbahnwaggon
der Kahlgrundbahn, hinter den Bäumen (dashalb nicht sichtbar) die
Halle mit den Einrichtungen zum Betrieb der Seilbahn (Foto freundlicherweise
zur Verfügung gestellt von Familie Heeg).
- Der Kalksteinbruch.
Für den Betrieb des Kalkwerkes wurde der Dolomit benötigt.
Der Name Dolomit bezieht sich auf den französischen Mineralogen
und Forschungsreisenden Déodat de Dolomieu (1750 – 1801); die bizarr
felsigen Dolomiten in den südlichen Alpen wurden ebenfalls davon
abgeleitet. Dolomite sind im Spessart weit verbreitet und treten als nahezu
horizontale Sedimente zwischen den Sedimenten des Rotliegenden und dem
Buntsandstein in einem 5 bis 40 m mächtigen Gesteinsverband flächig
auf. Diese entstand vor ca. 255 Millionen Jahren am Grunde des Zechstein-Meeres.
Gegenüber dem normalen Kalkstein ist im Dolomit die Hälfte des
Calciums durch Magnesium ersetzt.
Die ausschließlich händische Gewinnung erfolgte in einem
noch vorhandenen, aber zugewachsenen Steinbruch an der Kuppe. In dem Kalkwerk
und in dem Steinbruch arbeiteten ca. 50 Menschen. In zeitgenössischen
Berrichten werden die Zustände sehr unterschiedlich beschrieben.
Zum Transport des Dolomites in den Kipploren wurden zunächst Pferde
verwandt, 1905 dann einen Dampflokomotive; diese fuhr auf dem Gleis auf
der Straße nach Blankenbach bis zur Beladestation. Von hier wurden
die Dolomit-Brocken auf die Wagen der Seilbahn verladen, die sie zum Kalkwerk
brachte.
Der 1905 erbaute Lokschuppen ist das noch erhaltene Gebäude
aus Sandstein neben dem einzeln stehenden Wohnhaus mit Pferde-, Schweine-
und Ziegenstall von 1903 neben dem Steinbruch an der Straße von Blankenbach
nach Eichenberg.
Bild aus den Anfängen des Kalksteinbruches zwischen Blankenbach
und Eichenberg. Dabei wurde der Dolomit mit den Brechstangen gelockert,
in eine handliche Größe zerkleinert und auf Loren verladen,
die mit Pferden bewegt wurden (um 1900) (Bild freundlicherwiese zur Verfügung
gestellt von Frau Maria Wenzel, Eichenberg). Rechts: der gleiche Steinbruch,
aber ca. 100 Jahre später, völlig verwachsen.
- Der weiße Sandstein.
Die Berge um Eichenberg bestehen aus Sandstein, der hier
in der Trias in einem flachen und weit ausufernden Flusssystem abgelagert
worden ist. Die Schichten des hier anstehenden, unteren Buntsandsteins
sind ca. 251 Millionen Jahre alt. Normalerweise ist der Sandstein durch einen
hauchdünnen Überzug aus Eisenoxiden und Tonmineralien auf den
Sandkörnern braun, rotbraun oder rot gefärbt. Der größte
Teil der Sandkörner im Sandstein besteht aus Quarz, aber je nach Herkunft
des Sandes können auch Teile aus Glimmermineralien und Feldspat bestehen.
Dies war hier in Eichenberg der Fall. Hinzu kam, dass es während des
Tertiärs deutlich wärmer und feuchter war als heute. Dies führte
zu einer tiefgründigen und zersetzenden Verwitterung der Feldspäte
im Sandstein bei gleichzeitiger Abfuhr der Eisenoxide. So wurden neue
Tonmineralien (Kaolinit und mit geringen Anteilen Illit) gebildet, die
in der eisenarmen Umgebung den Sandstein weiß färben. Dies
führte einerseits zu einer Änderung der Farbe als auch zu einer
deutlichen Reduzierung der Festigkeit. Dies ist der Grund für die
gute Bearbeitbarkeit beim Abbau und beim Behauen zu den fertigen Werkstücken.
Anderseits verwittern diese Sandsteine sehr schnell, so dass sich an exponierten
Stellen der daraus errichteten Gebäude umfangreiche Schadbilder einstellen.
Ein anderer Aspekt ist die gesundheitliche Gefährdung beim
Abbau und Verarbeitung des Sandsteines, bekannt als "Steinhauerkrankheit",
heute Silikose genannt. Dabei schädigt das jahrelange Einatmen des
Quarzfeinstaubes über 0,15 mg/m³ das Lungengewebe. Dies führt
zu Atemschwierigkeiten und schließlich zum Tod; die Silikose ist
auch heute noch unheilbar, tritt aber kaum noch auf, weil solche Stäube
heute abgesaugt und gefiltert werden.
Links, Bild vom weißen Steinbruch um das Jahr 1900. Darin
die von der Arbeit gezeichneten Gesichter der jungen Männer. Bemerkenswert
ist das Einmontieren eines Mannes, der wohl am Tage der Aufnahme fehlte
(Bild freundlicherwiese zur Verfügung gestellt von Frau Maria Wenzel,
Eichenberg). Rechts: Der gleiche Sandsteinbruch mit dem weißen Sandstein
oberhalb von Eichenberg, aber ca. 100 Jahre später.
Im Rahmen des Kulturrundweges wurde der Steinbruch im Sommer
2009 wieder frei geschnitten und vom Bewuchs befreit, so dass man die leuchtend
weißen Felsen wieder in der Sonne sehen kann.
- Der Gneis vom Dickbusch.
Der kleine Steinbruch wurde von der Straßenbaufirma
Becker aus Wasserlos in den 1950er Jahren angelegt (siehe Okrusch et al.
2011 S. 171, Aufschluss Nr. 50). Bei dem sehr harten, aber durch die Glimmerschüppchen
gut spaltbaren Gestein, handelt es sich um einen ehemaligen Granit mit
einem Erstarrungsalter von ca. 410 Millionen Jahren (damals lag der Spessart
unterhalb des Äquators), der vor ca. 330 Millionen Jahren durch Hitze
und Druck in den Gneis umgewandelt wurde (Metamorphose). Bei den Glimmern
auf den Spaltflächen handelt es sich um Biotit (dunkel) und Muskovit
(silbrig). Im Querbruch erkennt man den grauen Quarz und die spaltbaren
Feldspäte, die den größten Anteil am Aufbau haben. Das
Gestein ist im östlichen Vorspessart weit verbreitet. Als Besonderheit
sind sulfidische Kupfererze und grüner Malachit gefunden worden.
Weiter findet sich in den Felsen Schlieren vom Paragneis, hier als sehr
weiche Staurolith-Gneise und Glimmerschiefer, in dem Orthogneis!
Im Rahmen der Einrichtung des Kulturrundweges wurde von der Gemeinde
Blankenbach der Steinbruch frei geschnitten, so dass man jetzt ohne Schwierigkeiten
die Felsen sehen kann.
Felsen im Steinbruch Dicksbusch bei Blankenbach - vor dem Freischneiden,
rechts der Orthogneis mit den großen Feldspat-Einschlüssen
("Augengneis"), Bildbreite 17 cm.
Auch dieser Steinbruch wurde für den Kulturrundweg wieder
vom Baumbewuchs befreit, so dass man die noch bemoosten Felsen wieder studieren
kann.
- Manganerz und Schwerspat.
An vielen Stellen des Spessarts treten Eisen- und Manganerze
in und unter der Buntsandstein zu Tage. Diese wurden sicher seit dem
Mittelalter in geringem Umfang abgebaut und zur Eisengewinnung verhüttet.
Mit dem Beginn der Industriealisierung wurde der Bedarf größer,
so dass mehr Eisenerze gesucht, abgebaut und in den Hochöfen der
Eisenhüttenwerke wie in Laufach verschmolzen wurden. Die erste Verleihung
der Erze wurde um 1870 dokumentiert. Im 1. Weltkrieg war das Deutsche Reich
von den Rohstoffen des Auslandes abgeschnitten, so dass alle verfügbare
Erzreserven beprobt und auf Höffigkeit geprüft wurden. Die Gutehoffnungshütte
Aktienverein in Oberhausen begann hier in der Grube Heinrich Manganerze
zu gewinnen. Wegen des kriegsbedingten Mangels an Männern und dem Vorrang
der Landwirtschaft waren die Fuhrleute aus Sailauf unzuverlässig.
Deswegen wurde einen Schienenbahn (Feldbahn) projektiert die auf wegen des
Mangels keinen eigenen Damm bekommen sollte, sondern auf der bestehende
Straße erreichtet wurde. Bereits im März 1917 war die Bahnstrecke
zum Abtransport der Erze auf der damaligen Straße nach Sailauf und
durch den Ort Sailauf gänzlich fertig - bei 7 km Länge. Ein Zug
bestand aus 10 - 20 Muldenkippern mit einem Inhalt von 0,75 m³, mit
Ladung ein Gewicht von 1 - 1,5 t. Sie werden am Kopf des Zuges von einer Dampflokomotive
gezogen/gebremst mit einer Leistung von 25 - 35 PS. Das Bergwerk wurde wohl
anfangs im Tagebau und später untertägig mit 5 Schächten
betrieben. Wegen des Mangels an Facharbeitern suchte die Gutehoffnungshütte
Aktienverein in Oberhausen das Bergamt in Bayreuth um die Genehmigung nach,
50 belgische Arbeiter einstellen zu dürfen. Auch wurden Jugendliche
>14 Jahre eingestellt. In den Akten befinden sich auch Dokumente zu Unfällen
durch das Herabbrechen von Felsen, z. B. am 23.02.1917 wo Herr Schloth erschlagen
wurde. Die Förderung betrug 1917 ca. 32.000 t/a bei einem Mangangehalt
von ca. 9 Gew.-%. Das das Erz aber ca. 0,5 % Arsen enthielt, war die Verhüttung
problematisch.
Seit 1918 ist das Bergwerk aufgelassen, die Halden wurden größtenteils
abgetragen oder sind zugewachsen.
Links: Bild der Feldbahn auf der Straße in Schwellen
verlegt. Der fast flächendeckende Bewuchs zwischen den Schienen
deutet auf das Jahr 1917 hin, denn 1918 wurde sie ja wieder abgebaut.
Die Bäume und das Gras weist auf Spätsommer oder Herbst.
Die Lock ist von hinten zu sehen, auf der Straße läuft eine
Person auf gleicher Höhe. Im Vordergrund liegt Pferdekot auf der
Straße (Bild freundlicherwiese zur Verfügung
gestellt von Herrn Glaab, Hösbach). Rechts: Typisches
Manganerz (schwarzer Romanèchit) mit Eisenerz (brauner Goethit)
mit weißem Baryt wie es aus der Grube Heinrich gefördert wurde,
Bildbreite ca. 8 cm.
Das Schwerspatvorkommen der Grube Marga wurde während des Abbaues
des Manganerzes entdeckt, aber erst 1933 begann man diesen bergmännisch
zu gewinnen. Nur ein einzelnes Haus am Straßenrand der Straße
von Sailauf nach Eichenberg – die ehemalige Verwaltung – erinnert an das
mit Unterbrechung von 1933 bis 1952 hier betriebene Schwerspatbergwerk.
Das Mundloch ist verstürzt und ohne Kundigen kaum mehr erkennbar. Nach
einer Förderperiode von 1934 bis 1945 ersoff die Grube und wurde 1946
wieder eröffnet. Die hier angestellten Bergleute mussten nicht in den
Krieg.
Im September 1938 ereignete sich ein Unglück, bei dem der damals
ca. 38jährige Bergmann Eduard Müller tödlich verunglückte.
Die Ursache soll im Schalten der Fördertechnik gelegen haben und
war als „Scherz“ gedacht.
Links: das Stollenmundloch der Grube Marga bei Eichenberg im Jahre
2006 mit Prof. Dr. Martin Okrusch. Rechts: Stück Schwerspat mit Quarz
aus der Grube Marga (Bildbreite ca. 12 cm)
Literatur:
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG,
G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine.
Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie
und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische,
mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches
Mittelgebirge.- s. S. 730, 754ff, 774ff.
MATTHES, S. & OKRUSCH, M. (1965): Spessart.- Sammlung Geologischer
Führer, Band 44, 220 S., 14 Abb., 3 gefaltete Beilagen, 1 großformatige
mehrfarb. geolog. Karte, [Gebrüder Borntraeger] Berlin.
OKRUSCH, M. & WEINELT, W. (1965): Erläuterungen zur Geologischen
Karte von Bayern 1:25000 Blatt Nr. 5921 Schöllkrippen.- 327 S., 53
Abb., 10 Tab., 3 Beil. [Bayerisches Geologisches Landesamt] München.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart.
Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl.,
Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103
größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten
(43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
Joachim Lorenz beim Erklären der Gesteine im frisch freigeschnittenen
Steinbruch Dicksbusch bei Blankenbach.
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