Der Phonolith*
in der Rückersbacher Schlucht bei
Kleinostheim

von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main

der verwachsene und verfallene Steinbruch

Der kleine, alte und völlig überwachsene Steinbruch





*Phonolithe sind aus natürlichen Schmelzen erstarrte Ergussgesteine. Sie enthalten hauptsächlich Feldspäte, Nephelin und in geringem Umfang weitere Mineralien - aber übrehaupt keinen Quarz. Der Name (griechisch "Klingstein") leitet sich von der plattigen Absonderung her; diese klingen beim Anschlagen.
Weitere Vorkommen befinden sich in der Eifel, Kaiserstuhl, Hegau, Auvergne in Frankreich, Kanarische Inseln, ...



Lage:

Kleiner Steinbruch an der Althoburg am Ende eines Seitentälchens E "Eichelberg" nahe der Rückersbaches Schlucht bei Kleinostheim (Geologische Karte Blatt 5920 „Alzenau i. Ufr.“, R 350622 H 554345, siehe auch Okrusch et al. S. 211, Aufschluss Nr. 104). Zu erreichen über den geteerten Weg, beginnend an der Gaststätte "Schluchthof", nach ca. 800 m zweigt links ein kleiner Weg ab. Man sah 1977 noch Reste (Mauerwerk) des ehemaligen Bruchbetriebes. Hier wurde wahrscheinlich im 19. und vielleicht auch noch im 20. Jahrhundert der Phonolith als Rohmaterial zur Schottergewinnung (von Hand?) angebaut. Über die Mengen und Zeiten ist derzeit nichts bekannt.
Der nach heutigen Maßstäben recht kleine Steinbruch aufgelassen, verwachsen und kaum mehr als solcher erkennbar (siehe Foto oben). Obwohl das Vorkommen bei WEINIG et al. (1984:90f) erwähnt wird, ist aufgrund der Kleinheit des Gesteinskörpers wie auch der Lage im Wald eines Ballungsraumes nicht mit einer Wiederinbetriebnahme zu rechnen.
 

Geologie:

Bei dem kleinen Phonolith-Vorkommen handelt es sich um zwei nahe nebeneinander liegende, kleine Aufschlüsse. Es handelt sich um die einzigen dieser hellen Gesteinsart im Spessart (und auch in Bayern - in der Rhön liegen die nächsten Vorkommen). Das graue, unscheinbare Ergussgestein steckt in metamorphen Gesteinen, die hier als recht harte Staurolith-Gneise vorliegen. Für das Gestein wurde ein Kalium-Argon-Alter von 55 Millionen Jahren ermittelt (LIPPOLT et al. 1975).
Der im frischen Zustand sehr harte Phonolith verwittert zu einer weißlichen Masse und auch die heute noch im Wald herumliegenden Steine sind mit einer hellgrauen oder weißen Kruste überzogen.
das Gestein Phonolith (bruchrauh und angeschliffen)
Im Bild oben sind drei verschiedene Phonolith-Stücke abgebildet (Bildbreite ca. 25 cm):


Eine ausführliche Beschreibung der Petrographie des Phonolith findet sich bei WEINELT, SCHMEER & WILD (1965:321ff), OKRUSCH, STREIT & WEINELT (1967:123ff) und bei MATTHES & OKRUSCH (1965:82ff)):
Das Gestein besteht aus einer sehr feinkörnigen Grundmasse (aus Feldspäten) mit Einsprenglingen. Dem bloßen Auge auffallend sind dabei die bis zu 4 mm große Sanidin-Einsprenglinge. Weiter wurden im Dünnschliff nachgewiesen: Hauyn, Ägirinaugit, Ägirin, Apatit, Erzmineralien und Titanit.

Chemische Zusammensetzung des Phonlithes der Rückersbacher Schlucht
Oxide: Gew.-%:
SiO2 56,82
Al2O3 21,09
Na2O 8,51
K2O 5,72
CaO 1,95
Fe2O3 1,81
H2O 1,64
FeO 1,29
Cl2 0,35
TiO2 0,21
SO3 0,18
MnO 0,14
P2O5 0,08
MgO 0,05

Technische Daten zu dem Gestein finden sich bei WEINIG et al. 1984:90.

Gerölle des Phonolithes finden sich sehr selten in den Schottern des Maines, die zwischen Kleinostheim und Kahl in Kiesgruben zugänglich sind. Große Blöcke des auffällgen Gesteins wurden im Pleistozän mittels Treibeis des Maines verdriftet. Ein solcher, ca. 2 t schwerer, gut gerundeter Block mit der typischen weißen Verwitterungsrinde fand sich ca. 1987 in der Kiesgrube VOLZ in Kahl am Main und wurde von hier zur Gartengestaltung nach Dettingen an das Anglerheim neben dem Fußballplatz gebracht.

Findling in Dettingen
An dem efeuüberrankten Block wurde eine Tafel der verstorbenen Mitglieder angebracht.

In der älteren geologischen Literatur wird ein weiteres Vorkommen im Lindigwald aufgeführt, welches jedoch heute nicht mehr aufgefunden werden kann. Es könnte sich um ein so kleines Vorkommen handelnm, so dass es dem Abbau so weit zum Opfer fiel, so dass es nicht mehr gefunden werden kann. Oder es war nur ein einzelner Felsen, der vollständig abgebaut wurde.
 

Mineralien:

Das im Spessart ungewöhnliche Ergussgestein weist kaum sichtbare und sammelwürdige Mineralien auf. Das sehr dichte Gestein enthält außerdem überhaupt keine Drusen. Infolge der sehr schlechten Aufschluss-Situation sind kaum Felsen zu sehen bzw. zu finden. Man kann nur einzelne Lesesteine des bemerkenswerten Gesteins auf dem Zufahrtsweg auflesen.
 

Literatur:

GÜMBEL, C. W. (1866): Die geognostischen Verhältnisse des fränkischen Triasgebietes.- Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern, Band 4, I. Abtheilung: Unterfranken und Aschaffenburg, S. 3 - 77, [Literarisch-artistische Anstalt d. Gotta´schen Buchandlung] München.
LIPPOLT, H. J., BARANYI, I. & TODT, W. (1975): Die Kalium-Argon-Alter der postpermischen Vulkanite des nordöstlichen Oberrheingrabens.- Aufschluss Sonderband 27, S. 205 - 212, 2 Abb., Heidelberg.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG, G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine. Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische, mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches Mittelgebirge.- s. S. 667ff.
MATTHES, S. & OKRUSCH, M. (1965): Spessart.- Sammlung Geologischer Führer Band 44, S. 82 - 84, Berlin.
OKRUSCH, M., STREIT, R. & WEINELT, Wi. (1967): Erläuterungen zur Geologischen Karte v. Bayern. Blatt 5920 Alzenau i. Ufr.- S. 123 ff., München 1967.
OKRUSCH, M., GEYER, G. & LORENZ, J. (2011): Spessart. Geologische Entwicklung und Struktur, Gesteine und Minerale.- 2. Aufl., Sammlung Geologischer Führer Band 106, VIII, 368 Seiten, 103 größtenteils farbige Abbildungen, 2 farbige geologische Karten (43 x 30 cm) [Gebrüder Borntraeger] Stuttgart.
WEGNER, G. (1975): Kleinostheim Dokumente und Beiträge zu seiner Geschichte. - 285 S., 58 Abb., Hrsg. von der Gemeinde Kleinostheim, [Stock & Körber] Aschaffenburg.
WEINELT, W., SCHMEER, D. & WILD, A. (1965): Durchbrüche jungtertiärer Vulkanite im westlichen kristallinen Vorspessart.- in Geologica Bavarica 55 Geologica Bavarica Varia, S. 317 - 340, 18 Abb., Bayer. Geolgisches Landesamt, München.
WEINIG, H., DOBNER, A., LAGALLY, U., STEPHAN, W., STREIT, R. & WEINELT, W. (1984): Oberflächennahe mineralische Rohstoffe von Bayern Lagerstätten und Hauptverbreitungsgebiete der Steine und Erden.- Geologica Bavarica 86, S. 90 - 91, [Bayerisches Geologisches Landesamt] München.
 


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