von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
Der Inbegriff für Erfrischung und ein gesundes Durstlöschen:
Mineralwasser.
Es gibt sie auch im Spessart an verschiedenen Stellen,
auch wenn die Entstehung
und die Wanderung des Wassers
im Dunkel des Gesteins unter uns liegt ....
Historisches:
Das Auftreten der Mineralwässer ist sicher bereits seit sehr langen
Zeiträumen bekannt und die Gewinnung von Salz aus den Wässern ist
sehr alt (siehe dazu die bedeutenden Ausgrabungen in Bad Nauheim!).
In Soden bemühte man sich bereits mindestens seit dem Mittelalter
um die Gewinnung von salzhaltigen Wässern (1456 Salzborn von Soden).
Heute produziert dort ein großer Betrieb neben zahlreichen Getränken
auch das Sodenthaler Mineralwasser und weitere Erfrischungsgetränke.
Auch in Gelnhausen bemühte man sich vor ca. 80 Jahren um die Erschließung von Mineralwasser zu einem Bad Gelnhausen (siehe hierzu JAHN 2005).
Gradierwerk in Bad Orb mit den Schlehenreisig zum Aufkonzetrieren der
Sole. Infolge der großen Holzmassen und ohne Brandschutzeinrichtungen
sind solche Bauten früher öfters abgebrannt - trotz der Sole! In
der Mitte ist das Pumpenhaus und rechts im Dachgeschoß der Hahnkasten
zu sehen. Das Gradierwerk wurde mit einem Aufwand von ca. 2,6 Millionen
€ vom regen Förderverein Freunde des Orber Gradierwerkes e. V. restauriert.
In Bad Orb wurde über Jahrhunderte (mind. seit dem 9. Jahrhundert) die Sole zur Gewinnung von Speisesalz verwandt. Es gibt heute noch ein Gradierwerk zur Aufkonzentration der Sole, die jedoch nicht versotten wird, sondern man wandelt als Kurgast durch die feuchte Luft. Für die bewegte Geschichte lese man das Werk von SCHULZE-SEEGER (1994). Dabei wird ein kalkreicher Sinter ("Dörnstein") abgeschieden, der sich zu sehr großen Massen akkumulieren kann, wie etsprechende Blöcke in Bad Orb zeigen. Neben dem Gradierwerk wurde 2010 ein großer Block aufgestellt, der noch weitgehend frisch (nicht von Flechten, Moosen und Pflanzen) besiedelt ist.
Ein großes Stück aus Kalksinter aus dem Gradierwerk in
Bad Orb mit Helga Lorenz
Im Tal der Gemeinde Sailauf wurde eine tiefe Quelle erbohrt, deren Wasser
als Mineralwasser in Glasflaschen abgefüllt wird. Der sailaufer Mineralbrunnen
bezieht sein Wasser aus dem kristallien Grundgebirge.
Weitere mineralreiche Quellen sind auch Winzenhohl, Großwallstadt,
Goldbach, Waldaschaff, Burgsinn, Roßbach und Bad Soden bekannt.
Geologie:
Im Spessart wurde im Zechstein zwar Dolomit abgelagert, jedoch kein Steinsalz.
Dieses kommt erst weiter im Norden bei Fulda vor. Das weithin sichtbare
Zeichen des Bergbaues darauf ist des Salzberg bei Neuhof:
Somit ergeben sich für die Herkunft der gelösten Stoffe im Wasser
erhebliche Schwierigkeiten. Leicht erklärbar sind die Gehalte an Magnesium,
Calcium und Hydrgencarbonat. Schwer lassen sich die Elemente Nartium, Chlorid
und Sulfat erklären.
So bleibt nur die Erklärung, dass das Wasser weit nördlich
des Spessarts das Salz aus dem Zechstein löst und die schweren Solen
dann in sehr tiefe Spalten abwandern. Diese erreichen dann nach vielen
Jahren der Wanderung und Verdünnung die Austrittsstellen bzw. die erbohrten
Quellorte. Dies dürfte auch in der westlich gelegenen Wetterau so sein.
Chemie:
Entgegen dem Namen sind Mineralwässer chemisch gesehen keine Wässer
mit Mineralien (festen Stoffen), sondern die Bestandteile sind in gelöster
Form darin enthalten. Aus diesem Grund ist das Wasser auch farblose und
klar. Je nach der Eigenschaft bilden die Elemente nach der Lösung im
Wasser elektrisch geladene Teilchen (Ionen), die je nach der Art unterschiedlich
geladen sind, so dass man Anionen (-) und Kationen (+) unterscheidet.
Bei der Gewinnung des Wasser zur meschlichen Ernährung werden die
festen Stoffe ausgefiltert und unerwünschte Bestandteile gefällt,
z. B. das Eisen, weil es sonst als braune Teilchen ausflocken würde.
Der Gehalt an den Bestandteilen wird in mg/l (also tausendstel Gramm
pro Liter oder kg) angegeben und auf den Etiketten der Flaschen abgedruckt.
Typische Gehalte von Spessart-Wässern (u. a. aus CARLE 1975):
| Quelle, Ort und Wassertyp: | Philipps-Quelle in Bad Orb (eisenhaltiger Solsäuerling) |
Rochus-Quelle in Soden (Natrium-Calcium- Chlor- Mineralwasser) |
"Sailaufer Mineralbrunnen" aus Sailauf | "Sodenthaler Gourmet" aus der Andreas-Quelle in Soden | "Spessart-Quelle" aus Biebergemünd Rosbach |
| Kationen: | in mg/kg | in mg/kg | in mg/kg | in mg/kg | in mg/kg |
| Li | 2,62 | - | - | - | - |
| NH4 | 1,0 | - | - | <0,3 | - |
| Na | 5.654 | 2.068 | 7,50 | 12,4 | 11,8 |
| K | 407,4 | 75 | 1,00 | 2,8 | 3,7 |
| Mg | 201,1 | 83 | 4,95 | 19,9 | 31,2 |
| Ca | 1.153 | 962 | 35,00 | 56 | 58,1 |
| Sr | 14,23 | - | - | - | - |
| Cu | 0,093 | - | - | - | - |
| Zn | 0,33 | - | - | - | - |
| Fe | 22,73 | - | - | - | - |
| Mn | 0,98 | - | - | - | - |
| Anionen: | - | ||||
| Cl | 9.596 | 5.014 | 19,60 | 13,6 | 25,6 |
| Br | 1,45 | 20 | - | - | - |
| J | 0,0041 | - | - | - | - |
| SO4 | 1.301 | 188 | 13,90 | 19 | 34 |
| HPO4 | 0,058 | - | - | - | - |
| HAsO4 | 0,51 | - | - | - | - |
| HCO3 | 2.102 | 88 | 89,00 | 262 | 277 |
| F | - | - | 0,16 | 0,26 | 0,34 |
| H2SiO3 | 23,01 | - | 36,40 | - | - |
| HBO2 | 4,25 | - | - | - | - |
| HTiO3 | 0,028 | - | - | - | - |
| Feststoffe | - | 8.500 | - | - | - |
| CO2 | 1.729 | - | zugesetzt | zugesetzt | zugesetzt |
| Summe | 22.218 | 16.998 | 208 | 386 | 442 |
Die Striche in den Kästchen markieren, dass hierfür keine Werte vorliegen. Die Gehalte an Ionen sind sehr unterschiedlich. Bemerkenswert ist das hierbei das Brom, welches einen eindeutigen Hinweis gibt, dass der Ursprung der Bestandteile in den nördlich des Spessarts gelegenen Salzlagern zu suchen sind. Die Gehalte unterliegen auch einer zeitlichen Schwankung, so dass mit den Jahren Veränderungen nachzuweisen sind. Die oben angeführte Rochus-Quelle führt heute nur noch einen Bruchteil der hier wiedergegeben Werte.
Die Bestandteile in den Mineralwässern werden u. a. von Medizinern
gewertet und man spricht den Wässern eine wohltuende Wirkung auf den
menschlichen Organismus nach. Man macht dann mit den Wässern Trinkkuren.
Ein dauerhaftes Trinken der Wässer wie aus der Philipps-Quelle ist
sicher nicht schmackhaft und auch nicht sinnvoll. Die meisten Wässer
weisen nur sehr wenige Keime auf - keimfrei gibt es hier nicht, da auch nahezu
alle Bereiche im oberflächennahen Erdboden mit Kleinstlebewesen besiedelt
sind*; diese stellen jedoch kein hygienischen Problem dar. Da die meisten
Wässer aus größeren Tiefen gefördert werden, ist eine
Verschmutzung durch menschliche Aktivitäten kurzfristig nicht zu erwarten.
Trotzdem werden um solche Quellorte Schutzgebiete ausgewiesen.
In Teilen werden die Wässer auch zur Speisung von (beheizten) Schwimmbädern
verwandt.
Übrigens werden nur Wässer in Flaschen für Mineralwasser
abgefüllt, die geschmacklich dafür geeignet sind. Die dafür
nicht geeigneten Wässer können dann zur Herstellung von Säften
und Limonaden verwandt werden, da der Geschmack von den Zusätzen überdeckt
wird.
Die Abfüllung in Glasflaschen ist geschmacksneutral; die PET-Kunststofflaschen
sind dies nicht immer und so wurden bei Tests bereits Rückstände
(z. B. Acetaldehyd) des Kunststoffes bzw. deren Metaboliten im Wasser nachgewiesen
(siehe Tests der unabhängigen Stiftung Warentest mit Sitz in Berlin,
z. B. "TEST" Heft 2/2002 S. 68 ff). Aber die Kunststoffflaschen sind gerade
beim Wandern im leeren Zustand sehr leicht zu tragen.
Literatur:
Arbeitskreis Ortsgeschichte Soden (1998): Soden im Spessart Dörfliches
Leben in acht Jahrhunderten.- 288 S., zahlreiche SW- und wenige Farbabb.,
Markt Sulzbach am Main, [Sacher-Druck] Niedernberg.
CARLE, W. (1975): Die Mineral- und Thermalwässer von Mitteleuropa
Geologie, Cheminismus, Genese.- 643 S., 14 Abb., 1402 Analysen, 15 teils
zweifarbige Karten in Mappe, [Wissenschaftliche Buchgesellschaft mbH] Stuttgart.
JAHN, G. (2005): „Es sprudelt, sprudelt vor dem Thore.“ Erinnerungen
an „Bad Gelnhausen“.- Geschichtsblätter für Stadt und Altkreis
Gelnhausen, in Vorbereitung.
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG,
G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine.
Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie
und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische,
mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches
Mittelgebirge.- s. S. 801ff.
MATTHES, S. & OKRUSCH, M. (1965): Spessart.- Sammlung Geologischer
Führer Band 44, S. 164 f, Berlin.
MURAWSKI, H. (1992): "Nur ein Stein" Geologie des Spessarts.- 308 S.,
58 teils farb. Abb., Museen der Stadt Aschaffenburg.
SCHULZE-SEEGER, W. (1994): Orb 1300 Jahre Sole und Salz. Schicksale einer
Stadt und ihrer Menschen im Spiegel zeitgenössischer Dokumente.- 241
S., [Orbensien] Bad Orb.
* in den letzten 30 Jahren wurden die bakteriengroßen Archaeen nahezu
überall gefunden, die vorher als sehr lebensfeindlich galten: sauerstofffrei,
bis 110 °C und so sauer wie Schwefelsäure, reich an Metallen jeder
Art, ..... Man kennt inzwischen über 100 Arten und fand sie in den
Tümpeln mit kochendem Wasser an Vulkanen, in Geysiren, in den gesättigten
Salzlaugen der Salzseen, in der Tiefsee, in hydrothermalen Flüssigkeiten
und in den sauerstofffreien Teilen tiefer Seen. Sie leben von Allem (Sulfaten,
Methan, Sulfiden, Säuren, ....), nur nicht vom Sonnerlicht und stellen
wohl eine sehr urtümliche Form des Lebens dar. Einzige Bedingung ist
nur, dass der Lebensraum sauerstofffrei sein muss - was eine Kultivierung
im Labor vor erhebliche Probleme stellt.
Man kann dazu den schön bebilderten Artikel von Klaus WILHELM im
Juli-Heft 07/2005 der Zeitschrift "GEO" S. 66 - 82 lesen.
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