von Joachim Lorenz, Karlstein a. Main
- eine der ältesten Naturforschenden
Gesellschaften
in Deutschland -
zelebrierte 2008 die 200-Jahrfeier!
Lage
Geschichte
Öffnungszeiten
Bestände
Publikationen
Aktivitäten
200-Jahrfeier
Mitgliedschaft
Exkursion
Der Schlossplatz in der Altstadt von Hanau: Die Wetterauische Gesellschaft besitzt mit der Bibliothek ein Domizil in einem historischen Gebäude (hier im Bild links - ehemaliges Regierungsgebäude (Kanzlei) 1685 - 1691 erbaut (Archtekt H. P. Dreyeicher) mit dem Allianzwappen über dem Eingang) neben der neu gebauten Stadthalle im Stadtzentrum von Hanau (gebührenpflichtige Parkplätze).
Adresse:
Wetterauische Gesellschaft für die gesamte Naturkunde
zu Hanau, gegr. 1808, e. V.
Schloßplatz 2
D-63450 Hanau
Tel.: 06181/5 08 96 50 (nur während
der Öffnungszeiten)
e-mail: wetterauischegesellschaft [@]* t-online.de
Internet: www.wetterauischegesellschaft.de
*bitte lassen Sie in der e-mail-Adresse die Leerzeichen und die eckigen
Klammern weg
Geschichte:
Die Gesellschaft wurde „zur Pflege naturwissenschaftlichen Studiums“
von bekannten Bürgern aus Hanau im Sommer 1808 gegründet. Die
Gründungsmitglieder sind:
- Karl Caesar von LEONHARD, Hanau
- Dr. Johann Heinrich KOPP, Hanau
- Dr. Carl RÖSSLER, Hanau
- Johann Christian Leberecht SCHMIDT, Bieber
- Bernard Sebastian von NAU, Mainz
- Johann Georg NEUBURG
- Dr. Christian Heinrich GRASEMANN
- Dr. Gottfried GAERTNER, Hanau
- Johann Philipp Achilles LEISLER
- Johann SCHERBIUS
- Bernhard MEYER, Offenbach
- Johann Heinrich SCHAUMBURG.
Hanau war damals von Napoleon annektiert und dem „Großherzogtum
Frankfurt“ zugeschlagen worden. Unter der „Wetterau“ verstand man damals
ein Gebiet zwischen Taunus, Vogelsberg, Spessart und Odenwald bis zum Rhein.
Die damaligen Vereinsstatuten muten heute fremd an und können nur im
Kontext der Zeit verstanden werden. Schon kurz nach der Gründung wurde
die Bibliothek begründet. Zur Beherbergung der Sammlung wurden von den
Franzosen 5 Zimmer im Schloss zur Verfügung gestellt. Der erste Beitrag
betrug 3 Gulden - damals ein hoher Betrag. Dazu kamen später Zuwendungen
von Fürstprimas DALBERG, „Großherzogtum Frankfurt“ von 1.200 Gulden
pro Jahr. Die Mitgliederzahl steigt dann auf 200 an. Im Folgejahr werden
die ersten Annalen herausgegeben. Die quadratischen, großformatigen
Annalen werden wegen der Nachkriegsverhältnisse und der darniederliegenden
Wirtschaft ein „flop“.
Bis zur Rückkehr von Kurfürst Wilhelm I. von Hessen dümpelte
die Gesellschaft vor sich hin. Weitere Mitglieder waren Alexander von
HUMBOLDT, Johann Wolfgang von GOETHE und der Chemiker WÖHLER. Infolge
der Probleme, die Sammlung im Schloss zu belassen, bemühte sich das
inzwischen bayrische Aschaffenburg um den Sitz der Gesellschaft! Der Wert
der Sammlungen wird auf 8.000 Gulden geschätzt. Man bleibt dann doch
geduldet in Hanau und muss 1821 mit ansehen, wie die erst 4 Jahre zurückliegende
Gründung der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft einen
beispiellosen Erfolg hat. 1825 musste man wegen einer fürstlichen Laune
sehr kurzfristig aus dem Schloss ausziehen.
1827 werden die kleinformatigen „Schriften der Wett. Ges. f. d. g. N.“
unter KOPP und CASSEBEER begründet und 1844 erstmals herausgegeben.
Um 1846 begann die Einrichtung von Lokalsammlungen zur Geologie und Mineralogie
durch THEOBALD und RÖSSLER. Nach 36 Jahren staatlichen finanziellen
Zuschusses wird dieser 1853 gestrichen. Unter preußischer Herrschaft
wird wieder ein Zuschuss gewährt, die Gesellschaft erhält neue
Räume, die bis heute genutzt werden, und 1868 erscheint wieder ein Jahresbericht.
Die inzwischen große Bibliothek war 1889 mit 30.000 Mark versichert.
Die Sammlungen wurden durch Schenkungen und Nachlässe vermehrt. Zur
100-Jahrfeier erschien eine Festgabe mit 215 Seiten über die Geschichte.
Lange Zeit war die Gesellschaft eine reine Männerwelt, die sich nur zögerlich den Frauen öffnete. Den größten Verlust musste die Gesellschaft während des 2. Weltkrieges hinnehmen, als die Sammlungen in 1. Obergeschoß am 6.1.1945 gegen 19 Uhr infolge eines britischen Bombenangriffes ausbrannten. Die mächtigen Gewölbedecken verhindern jedoch, dass die darunter befindliche Bibliothek beschädigt wird: So stehen die Bände und Jahrgänge heute noch so wie vor dem Krieg in den originalen hölzernen Regalen - an einer Stelle sind die Rücken durch Splitter beschädigt: Aber Wasserschäden, Schmutz und Diebstahl waren zu beklagen. In fünfjähriger Arbeit wurde sie mit Unterstützung der Stadt Hanau wieder neu geordnet. Die frühet aus der Gesellschaft ausgeschlossenen Frauen sorgten für einen Neuanfang der Gesellschaft.
Die Mitgliederzahl der seinerzeit sehr bedeutenden Gesellschaft liegt
heute bei ca. 150. Im Jahre 2008 steht die 200-Jahrfeier an.
Die Ziele der Gesellschaft sind die Vermittung eines breit angelegten,
naturwissenschaftlichen Weltbildes mit dem Schwerpunkt auf Botanik und Geologie,
ein Schärfen der Beobachtungsgabe und die Bewahrung der bibliophilen
Schätze.
Eines der mittelbaren Ziele ist die Planung und vorbereitet wird z. Zt.
die Wiederherstellung eines naturkundlichen Regionalmuseums.
(im Bild: Bücherrücken durch Bombensplitter im 2. Weltkrieg
beschädigt!)
Die Bestände bestehen aus einer sehr umfangreichen und wertvollen
Bibliothek. Diese beruhen auf Schenkungen, Zukäufen und dem jahrhundertelangen
Schriftentausch, der zur Zeitt ca. 100 nationale und internationale Tauschpartner
umfasst. Die Schriften werden von Frau Rose und Frau Krempel verwaltet.
Öffnungszeiten:
Mittwochs 15 - 17 oder nach Vereinbarung
Publikationen:
Die Schriftenreihe: „Jahresberichte der Wetterauischen Gesellschaft
für die gesamte Naturkunde zu Hanau/Gegr. 1808“. Diese „Jahresberichte“
erscheinen in der Regel alle 2 Jahre für die Mitglieder; Schriftleiter:
Dr. Günther SEIDENSCHWANN und Dr. Kurt GRENDEL.
In ihr werden Themen zur regionalen
Die aktuellen Bände:
JBer. wetterau. Ges. Naturkunde, 158. Jg., 2. Band, Seite I-VI, 1-233, 5 Fotos, 108 Abb., 18 Tab., 9 Bildtafeln, flexibler Einband, Hanau 01.09.2008, Jubiläumsband:
Der Band enthält:
JBer. wetterau. Ges. Naturkunde, 158. Jg., Seite 1-71, 33 Fotos, 15 Abb., 9 Tab., 2 Karten, flexibler Einband, Hanau 01.05.2008, Sonderband:
Der Band in einem kleineren Format enthält:
JBer. wetterau. Ges. Naturkunde, 155.-157. Jg., Seite 1-176, einige farbige und SW-Abb., flexibler Einband, Hanau 30.8.2007:
Der Band in einem kleineren Format enthält:
folgende Jahrgänge sind noch erhältlich:
Jahrgang 148
7,5 €
Jahrgang 146-147 10 €
Jahrgang 144-145 10 €
Jahrgang ab 142-143 5 €
ältere um 50% reduziert
Jahresberichte vor 1970 auf Anfrage für 2,5 €
Jahresberichte vor 1920 auf Anfrage (sind teilweise in Restbeständen
noch erhältlich)
Bei einer postalischen Bestellung müssen 4 € für Porto und
Verpackung hinzugerechnet werden.
Bestellungen richten Sie bitte an die oben angebene Adresse
Aktivitäten:
Das umfangreiche Halbjahres-Programm weist jeder Jahr zahlreiche, qualitativ
hochwertige Vorträge aus.
Regelmäßige Treffen des naturkundlichen Arbeitskreises finden
in der Bibliothek regelmäßig am 2. Dienstag eines Monats um
19.00 Uhr statt:
Dabei werden allgemein interessante, naturkundliche und aktuelle Fragen,
meist von Dr. Heinemann, aus dem Stehgreif, beantwortet.
Ein Stammtisch findet am letzten Freitag eines Monats ab 19.30 Uhr statt.
In der Reihe „Wetterauer zeigen ihre Bilder“ zeigen die Mitglieder und Besucher eine Auswahl ihres bildlichen Schaffens - immer der erste Montag eines Monats in der Bibliothek um 19.30 Uhr.
Das jährlich erscheinende,
umfangreiche Programm mit den Aktivitäten lassen wir Ihnen auf Wunsch
gerne zukommen.
200 Jahre Wetterauische Gesellschaft
Im Jahre 2008 jährt sich die Gründung der Gesellschaft zu
Zweihundertsten Mal. Zu diesem Anlass gibt es über das Jahr verteilt
einen ganzen Reigen von Veranstaltungen wie Vorträgen und Führungen.
Die Themen spannen sehr weit. Vom Jahrtausendhochwasser 1342 bis zu den
Thermalquellen der Wetterau oder Führungen in die Bulau und Kinderprogramme.
Die Vortäge finden im "Roten Saal" des Schlosses Philippsruhe im
1. OG des großen Gebäudes statt.
Am 17.01.2007 hörten ca. 80 Interessierte eine brilliant von Prof.
Dr. Hans-Rudolf Bork (vom Ökologie-Zentrum der Universität Kiel)
vorgetragene Präsentation zum Wetterereignis des Jahrtausends: Das
Hochwasser von 1342! Kein anderes Wetterereignis prägte Mitteleuropa
mehr als der einwöchige Regen im Juli 1342. Und kein Hochwasser der
letzten 2000 Jahre lief höher auf als dieses. Würde es sein heute
wiederholen, würde dies eine Katastrophe verursachen, die an den Grundfesten
unseres Staates rütteln würde, denn die heutige Technikgesellschaft
ist viel verwundbarer als die Hochmittelalterliche, nach heutigen Maßstäben
dünn besiedelte Gemeinschaft des Mittelalters.
Auch der Main war davon betroffen und z. B. ganz Frankfurt war überschwemmt.
In Würzburg stand das Wasser im Dom Dies ist heute wenig bekannt,
da nur wenige Gebäude aus dieser Zeit noch eine Marke tragen, denn
welche Gebäude sind so alt?
Der Vortrag soll in den Jahresberichten der Wetterauischen Gesellschaft
erscheinen.
So lange dies nicht vorliegt, kann man die Umstände nachlesen in:
BORK, Hans-Rudolf (2006): Landschaften der Erde untre dem Einfluss des
Menschen.- 207 S., 167 farb. Abb., Grafiken, Skizzen, Karten und Tab., [Wissenschaftliche
Buchgesellschaft] Darmstadt.
Im Rahmen der 200-Jahrfeier wurde im Historischen Museum Schloss Philippsruhe in Hanau vom 14.09.2008 bis 26.10.2008 eine besondere Ausstellung der Wetterauischen Gesellschaft geboten:
"Achtung! Bodenfrost -
Der Eiszeit im Rhein-Main-Gebiet
auf der Spur".
Öffnungszeiten: dienstags bis
sonntags von 11 bis 18 Uhr
Die Eröffnung fand am 14.09.2008
um 15 Uhr statt.
Weitere Infos unter http://www.achtung-bodenfrost.de
Impressionen von der Eröffnung der Ausstellung im Schloss in Hanau
Links: Blick in die Ausstellung: Lackprofile, Eisdriftblöcke und
Lockersedimente prägen die Hinterlassenschaften der letzten Kaltzeit.
Rechts ein Einblick in die Wetterauische Gesellschaft und ihre Sammlungsbestände.
Links: Bieber und Flusspferd tummelten sich im Main während der
Warmzeiten, hier belegt durch Zahnfunde.
Rechts: Windkanter, also Gesteinsbrocken die vom Wind getriebenen Sand
geschliffen und poliert wurden, als bei uns kaum eine Vegetation den Sand
in den Flusstälern fixierte.
Durchweg farbig bebildertes, 36seitiges Begleitheft zur Ausstellung
-
Preis nur 4 €; erhältlich in der Ausstellung und bei der Wetterauischen
Geselleschaft
Mitgliedschaft:
Werden Sie Mitglied in der Gesellschaft! Neben der kostenfreien Ausleihe
in der Bibliothek bietet Ihnen die Gesellschaft die Teilnahme an den Veranstaltungen.
Beiträge pro Jahr:
Einzelmitglieder 16 €
Ehepaare, auch mit Kindern unter 15 Jahre 17,5 €
Jugendliche, Auszubildende, Studenten 5 €
Bankverbindung:
Konto-Nr.: 51805 bei der Sparkasse Hanau (BLZ 506 500 23).
Die Gesellschaft ist als gemeinnützig anerkannt, und Sie erhalten
für Ihre Unterstützung eine steuerreduzierende Spendenbescheinigung.
Zur Historie siehe auch
LORENZ, J. mit Beiträgen von M. OKRUSCH, G. GEYER, J. JUNG,
G. HIMMELSBACH & C. DIETL (2010): Spessartsteine.
Spessartin, Spessartit und Buntsandstein – eine umfassende Geologie
und Mineralogie des Spessarts. Geographische, geologische, petrographische,
mineralogische und bergbaukundliche Einsichten in ein deutsches
Mittelgebirge.- s. S. 838.
Exkursion um den Spessart über das Mainviereck!
Bei traumhaft schönem Frühlingswetter konnten 42 Exkursionsteilnehmer
am Sonntag, den 25.3.2012 an einer Bustour unter Führung von Joachim
Lorenz erleben. Von Hanau fuhren wir nach Obernburg, dann Miltenberg und dann
nach Kirschfurt, wo wir einen der schönsten Steinbrüche im Buntsndstein
aufsuchten. Anschließend verfolgten wir die Perlenschnur der aufgelassenen
Steinbrüche bis nach Hasloch. Hier zeigte Herr Hock die Kunst des Glockenklöppelschmiedens
in der Hammerschmiede von 1779. Vorbei an Wertheim umfuhren wir die Mainschleife
von Urphar. In Homburg wanderten wir am Kalmut zu einer Stelle im Weinberg,
an der die Grenze zwischen Buntsandstein und Muschelkalk aufgeschlossen ist.
Dann folgte der Schlossfelsen aus dem Süßwasserkalk, der auch
rezent noch gebildet wird. Unmittelbar danach fuhren wir in den Steinbruch
des Zementwerkes der HeidelbergCement AG in Lengfurt; hier sahen wir die
80 bis 90 m hohe Bruchwand des Unteren Muschelkalks. Der Ausklang bildete
dann die Glasabteilung im Spessartmuseum in Lohr. Die Heimfahrt gelang hindernisfrei
über die Höhen des Spessarts. Eindrücke der Exkursion sehen
Sie in den folgenden Fotos:
Die Wetterauische Gesellschaft im Steinbruch Kirschfurt der Fa. Weber (Bürgstatt) am 25.03.2012. Hier werden Werksteine als Mainsandstein gewonnen. |
Die Exkursionsteilnehmer lauschen den Ausführungen von Herrn Hock in der Hammerschmiede bei Hasloch (neben Fa. Kurtz). Das Schmeiden der schweren Glöppel wurde eingestellt und das Hammerwerk wird zum Museum ungestaltet, da sich kein Nachfolger fand, der das Schmieden fortführen wollte. |
Der Steinbruch-Meister Herr Norbert Herrmann erläutert den fragenden und interessierten Besuchern im weitläufigen Steinbruch den Abbau und die Herstellung des Zements - mit all den Schwierigkeiten einer energieintensiven Branche. |
Exkursionen mit der Wetterauischen Gesellschaft beginnen sehr pünktlich
und sind immer spannend.
Zurück zur Homepage
oder an den Anfang der Seite