Die Sammlung von J. Lorenz,
Karlstein a. Main (Dettingen),
Spessart




metasomatischer Siderit
Siderit: Unscheinbar, aber faszinierend, wenn man die Entstehung kennt.
Danach habe ich 3 Jahre gesucht! 
Bildbreite 18 cm



Das Sammeln von Steinen ist eine sehr alte Kunst bzw. Gewerbe. Darin haben die Menschen einige Millionen Jahre Erfahrung, weil es überlebensnotwendig war. Das ist so tief verwurzelt, dass es kaum einen Menschen gibt, der nicht von einer Reise einen Stein als Erinnerung mit nach Hause nimmt. Daran hängen dann all die Erlebnisse und Gefühle der Reise oder des Urlaubs. So finden sich in den meisten Haushaltungen auf Fensterbänken, auf Ablagen, Regalen, Setzkästen usw. die Steine eines Lebens. Die Geschichten davon weiß in der Regel nur der Finder, so dass für alle anderen Menschen die Steine einfache Steine sind. Der Wert liegt in der Vergangenheit und der Erinnerung - manifestiert in einem Stein. 
Das systematische Steine sammeln kam wohl erst mit der Neuzeit auf, in dem man versuchte, die Vielfalt der Natur zu Ordnen, zu Benamen und anderen zu zeigen. Mit dem Bergbau kamen besondere Steine (Erze, Edelmetalle usw.) zu den Landesherrn und an den Klerus. Weiter fülte man zunächst die Wunderkammern des wohlhabenden Adels. Gleichzeitig wurden Gesteins- und Mineralproben zur Ausbildung der Berg- und Hüttenleute benötigt, so dass die Schulen und Universitäten ebenfalls Sammlungen anlegten. Es waren im 18. und frühen 19. Jahrhundert zunächst die Pfarrer, Lehrer und Ärtze, die als die universitär gebildeten auch private Sammlungen anlegten. Den Höhepunkt der Sammlungstätigkeiten erreichten die begüterten Menschen im 19. Jahrhundert mit der Gründung vieler Museen und Naturhistorischen Gesellschaften. Jetzt kam das gebildete Bürgertum und wohlhabende Industrielle hinzu, die nicht nur Lehrsammlungen, sondern auch systematisch sammelten. Die aufkommenden Geowissenschaften und die Verbreitung der Literatur sorgten für eine weite Verbreitung des Wissens. Zusammen mit der Entwicklung der Chemie wurden viele neue Mineralien beschrieben. Bedingt durch 2 Kriege nahm das Interesse an dem Sammeln in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland ab. Im alpinen Raum verdienten sich die Bauern und Senner als Mineraliensammler ein Zubrot, welche man in der Schweiz als "Strahler" bezeichnet. Und in vielen Bergwerken und Steinbrüchen wurden Mineralien gegen ein Entgeld an Besucher verkauft.
Mit dem Wirtschaftswunder nach 1960 nahm auch das Interesse an den Geowissenschaften wieder zu und es wurde in der 1980 Jahren in Deutschland der Kulminationspunkt im Sammlen von Steinen erreicht. Verschiedene Wellen wie Saurier und Heilsteine beflügeln das Interesse daran. Mit der Schließung der Bergwerke in Deutschland und etwas später auch der Steinbrüche erlahmte das Interesse, weil nur noch bescheidene Fundmöglichkeit bestehen. Und der Begrünungswahn unter dem Deckmantel des "Naturschutzes" führt dazu, dass Felsen aus dem Bewusstsein der Menschen schwinden. Gleichzeitig kamen die Mineralienbörsen auf, die zu einer teilweisen Kompensation führten, denn jetzt konnte man die Mineralien auf den Börsen finden, beschriftet, mühelos, trocken, warm, ausgeleuchtet usw. Und weltweit verdienen viele Menschen mit dem Abbau und der Gewinnung von schönem und exotischem Sammlermaterial ein Zubrot oder haben gar ihre ganze Existenz darauf begründet.

Besonders in den USA und in Ostasien werden ausgesprochen farbige und unbeschädigte Kristalle von ca. 30 bis 50 verschiedenen Mineralien (Fluorit, Turmalin, Topas, Azurit, ged. Silber, Quarz, usw.) zu Investitionsgütern erhoben und zu Preisen verkauft, die nach meinere Meinung in keinem Verhältnis zu einem "Wert" stehen. Davon betroffen sind Handstufen aus Bergwerken, die lange nicht mehr in Betrieb sind; z. B. die berühmten Galenite von Neudorf oder Pyromorphite von Bad Ems. Dieses wird zelebriert und man zeigt seine Sammlung auf Ausstellungen und in der Form von gedruckten Katalogen, für die auch entsprechende Seitenpreise gefordert werden (siehe z. B. die Ausgabe „Mineral Collections in Austria“ des Mineralogical Record 2015). In den USA kommt noch hinzu, dass man die Vorbesitzer einer Stufe bewertet, d. h. je "bedeutender" der oder die waren, um so höher bemisst sich der Preis.
Zunehmend werden die Mineralstufen nachbehandelt und mit allen technisch zur Verfügung stehenden Möglichkeiten so verschönert, dass diese einen "Guck" haben, also sehr ansprechend, das heißt fast schon "keimfrei" aussehen. Insbesondere in Italien gibt es Firmen, die solche Maßnahmen durchführen. Ob das zielführend ist, ist Geschmackssache. Auf jeden Fall ist der Prozess umumkehrbar.

Heute sammeln die meisten jungen Menschen Eindrücke und Selfies. Dies hat zur Folge, dass viele alte Sammlungen einfach weggeworfen oder zerstreut werden. Damit gehen viele wertvolle Belegstücke der Vergangenheit unwiederbringlich verloren.
Eigene Funde werden außerhalb der Fachwelt kaum wertgeschätzt, da mit den "Profi"-Mineralien von überallher verglichen, beim Laien bedeutungslos erscheinen. Dabei befriedigen diese Funde den eigenen "Goldgräber in der Seele" und vermittel ein echtes, weil reales und greifbares Erfolgserlebnis. Und die Arbeit, die in einem solchen Fund steckt, kann man nur ermessen, wenn man selbst nach intensiver Recherche, Gefühl, viel Geduld, langer Ausdauer und Schweiß das Ergebnis in Händen halten kann. Für einen Außenstehenden ist das nicht nachvollziehbar.



Ich besitze keine Mineraliensammlung üblicher Art, im Wohnzimmer, im Flur oder im Keller in Glasvitrinen, Regalen oder so ähnlich. Meine Sammlung von ausschließlich im Spessart gefundenen Mineralien, nahezu alle Gesteine (und ganz wenigen Fossilien) im Spessart, besteht aus folgenden Teilen, die sich sinnvoll ergänzen: 

Die Fundstellen-Nummer ist zentrale Odnungskriterium, das heißt diese findet man auf den Zetteln bei den Steinen, auf den Aufbewahrungskästen, auf den Dias, auf den Ordnerrücken oder in der Datenbank wieder. So ist gewährleistet, dass immer eine eindeutige Zuordnung der Materialien gegeben ist. Dies ist zwar oft aufwändig, unterscheidet aber die Spessart-Sammlung von anderen Sammlungen.
 

Hinweis:
Die Sammlungen der Mineralien und Gesteine stellen keine der üblichen glitzernden, farbenfrohen und kristallstrotzenden Kollektionen dar, wie man sie gemeinhin assoziiert. Die Mehrzahl der Stücke sind kleine Bröckchen, Krümel oder Mineralien oder bei größeren Stücken sind die beachtenswerten Mineralien klein - man braucht zum Anschauen ein Mikroskop. Und viele sind braun, schwarz oder grau, dann sicher nicht schön, aber einige davon eben selten. Dies ist eben für den Spessarts charakteristisch und nicht zu ändern.
 

Die Mineraliensammlung ist für Interessenten nach Vereinbarung zugänglich (siehe oben).


Aus der Anfangszeit meines Sammelns:

Ammonit Hohenmirsberg
Unbestimmter Ammonit, erhalten ohne die Wohnkammer, aus dem kalkigen Malm (oberer Jura) von Hochenmirsberg bei Pottenstein, gefunden am 28.08.1968. Damals gab es dort einen Steinbruch; heute wohl ein Klopfplatz für Fossilbegeisterte. Es war mein bester Fund, gut erhalten und groß!
Bildbreite 22 cm

Falkmanit Bayerland  Falkmannit 2 cm
Das bleigraue und teils bunt angelaufene Blei-Antimon-Sulfid Falkmanit (Pb5Sb4S) in einer feinfaserigen Ausbildung mit geringen Anteilen an eingewachsenem Pyrit aus der Untertageförderung des ehemaligen Bergwerks der Grube "Bayerland" bei Pfaffenreuth (Waldsassen) im Fichtelgebirge, besucht am 28.08.1970;
Bildbreite links 6 cm, rechts im Ausschnitt 2 cm.
Es ist das einzige Stück des Besuchs. Die übrigen Stücke aus großen Kristallen von Pyrit, Quarz, derbe Massen aus Falkmannit und weitere Erzproben habe ich an den Sammler und Mineralogen Michael WILDE verschenkt.


Der unschöne Endzustand einer Mineralien-Sammlung:

Zerfallene Mineralien
So können Sammlungsbestände enden: Insbesondere Sulfide und Salze 
neigen zu einem Zerfall, bei dem neben Säuren auch neue Salze gebildet 
werden können. Der Prozess kann eine Probe bis zur Unkenntlichkeit
zerstören (rechts unten) oder die Säure kann gar die Kunststofffolien
auflösen (oben Mitte); dass die Zettel aus Papier angeätzt werden, ist
dabei noch das geringste Übel (oben links).
aufgenommen aus einer Sammlung die 40 Jahre ohne Betreuung
eingelagert war.





Und was passiert nach dem Tod der Sammlers?


Da sammelt ein Mensch 20, 30, 50 oder noch mehr Jahre, trägt eine große Mineralien-, Fossilien- und/oder Gesteins-Sammlung (letzeres ist selten) zusammen, die dann die Vitrinen in der Wohnung füllen, dazu noch die Setzkästen, Wände und Schachteln überall. In vielen Wohungen werden die Steine in eigens dafür hergestellten, extra beleuchteten Vitrinen aufbewahrt. Es sind schöne Farben, hübsche Kristalle, merkwürdige Formen und exotische Namen, die da zu sehen sind. Die Restbestände stehen im Keller und in der Garage. Unzählige Stunden sind in das Zusammentragen, Beschriften und die Pflege investiert worden. An vielen Stücken hängen Erinnerungen an den Fund, den Tausch, den Kauf und die Bergung; diese wurden vom Besitzer gerne erzählt und das haben sich die Familienangehörigen gemerkt. Wenn es gut ging, sind alle Stücke schön beschriftet mit Herkunft usw.. Und in nicht wenigen Fällen steckt in so einer Sammlung auch viel, manchmal sehr viel Geld. Dazu gehört beim fortgeschritten Sammler ein Mikroskop, Literatur als Zeitschriften und Bücher und persönliche Dokumente wie Fotos, Notitzbücher und unter Umständen eine Kartei. Und bei denen die selbst sammeln, auch noch Werkzeug und eventuell Geräte zur Steinbearbeitung, usw. 

Dann stirbt der Sammler mehr oder weniger plötzlich.

Die Erben wissen, dass sich der Vater, Opa, Sohn, Onkel, usw. sehr darum bemüht hat und dass das auch dann "wertvoll" ist oder sein muss. So verbleibt die Sammlung und alles was an den Verstorbenen erinnert zunächst an Ort und Stelle - und verstaubt. Da meist nicht mehr geheizt wird, beginnen empfindliche Mineralien, wie einige Sulfide, zu zerfallen. Mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum Tod und dess Bewältigung wächst die Bereitschaft, sich davon zu trennen. Erben bedienen sich und nehmen die vermeintlich "wertvollen" (Erinnerung oder/und Geldwert) Stücke heraus. Und spätenstens wenn der Enkel die Wohung braucht oder man Geld benötigt, die Ehefrau auch verstorben ist, bemüht man sich um den Verkauf, also die Sammlungsauflösung. 
Man schaut im Internet, sieht die Preise der unverkauften Stücke und vergleicht mit den eigenen. Das bestätigt den Wert und erzeugt eine Hoffnung, dass man die Steine auch zu solchen Konditionen verkaufen kann. 

Dafür gibt es zahlreiche Optionen: 

Und wenn der Tag gekommen ist, wo die Sammlung abgeholt werden soll, dann kommen Zweifel, so dass das eine oder andere Stück dann doch da bleiben soll. Wenn das beim Einpacken geschieht, ist das einfach doof. Das ist ärgerlich für den Partner oder Händler, denn der kalkulierte mit dem was der sah; wenn dann Stücke fehlen, dann wirft das die Vorstellungen und Planungen durcheinander. Am besten ist es, dies vorher zu tun, so dass ein Interessent gar nicht sieht, was da vorhanden war. Das ist fair. 

Wenn Sie jetzt noch Fragen haben, dann können Sie mich ansprechen und ich kann Sie beraten. Es gibt ja zwischen den hier beschriebenen Optionen noch Mittelwege. Wir haben in den letzten 30 Jahren zahleiche Erben so beraten, dass diese zufrieden waren.
 





Weitere Mineralien-Sammlungen in der Region  


Walter NARR (*1926 2002) in Heigenbrücken 
Der Edelsteinschleifer Walter NARR betrieb in Heigenbrücken ein privates Museum mit einer Mineraliensammlung, dazu ein kleines Ladengeschäft "Kristallstube" und eine Schleiferei für Glas, Gesteine und Mineralien. Der Blickfang bestand aus einer großem Amethyst-Druse. Die Mineralien hatten einen Schwerpunkt im alpinen Raum, dazu Achate und Bergkristalle von überall her. Auch veranstaltete er Kurse für Menschen, die das Schleifen von Steinen und Glas in seiner gut ausgestatteten Werkstatt lernen wollten.
Darüber berichtete der Franken-Reporter (1979:52). Die hier gemachten Angaben sind allerdings einfach falsch: Spessartin aus dem Spessart ist kaum schleifwürdig. Den Spessartin hat der Erstfinder bereits richtigt kategorisiert. Die Herkunftsbezeichnung stammt von einem Franzosen, der damit das umständliche Wort "Braunsteinkiesel" ablöste. Der "Aragonit" als "Spessart-Onyx" ist wahrscheinlich ein gebänderter Calcit aus den Spalten des Buntsandsteins. Aragonit kommt im Spessart nur selten und in sehr kleinen Krställchen vor. Die Bemerkung, dass es genügend Mineralfundstellen im Spessart geben würde, ist eine Frage des Anspruches. Und dass die Mineraliensammlung unter Kennern Weltruf genießen soll, ist sicher etwas übertrieben.
Die Sammlung wurde 2019 verkauft.


  Amethyst
Der Blickfang: eine fast 2 m hohe Druse aus einem Basalt aus Südamerika.
Das ca. 0,5 t schwere Teil stammt aus der Frühzeit der Abbaue, wo man
noch keine Farbe auf die Oberfläche der Mandeln bzw. das Gestein strich.
aufgenommen am 24.03.2013


Andreas HOCK (*1866 1924) in Waldaschaff
Der bekannte Lehrer aus Waldaschaff und später in Laufach sammelte im Stil der Zeit als Bildungsbürgertum Gesteine und Mineralien zu Lehrzwecken. Ein Teil der sicher bemerkenswerten Sammlung blieb erhalten. Darunter sind auch einige Belegstücke aus dem Spessart. Die Erben berichteten, dass er auch Gesteine aus dem Spessart als Tauschmaterial verwandte.
Nach einer eingehenden Bearbeituung ist eine Publikation vorgesehen.




Literatur

CURRIER, R. (2009): About Mineral Collecting - Part 5 of 5.- The Mineralogical Record Vol. 40, Number 3 May - June 2009, p. 193 - 202, 9 figs.,
Der Franken-Reporter (1979): Der Spessart -  neues Dorado für Mineraliensammler und Hobbyschleifer. "Fluoreszierender Keller" im Luftkurort Heigenbrücken.- frankenland. Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege 31. Jahrgang 1979, Heft 2 Februar 1979, S. 51 - 52, 1 Abb., Hrsg. vom Frankenbund, [Pius Halbig] Würzburg.


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