W a s s e r -
Grundwasser/Regenwasser/Oberflächenwasser




Das Grundwasser trat auf den ersten 3 Sohlen nicht zu Tage. Aufgrund der zahlreichen breiten Klüfte war eine Wasserhaltung bis auf die 3. Sohle nicht notwendig gewesen. Niedergehendes Regenwasser versickert innerhalb weniger Tage in dem klüftigen Gestein. Der auf dem Berg stockende Baumbestand um den Steinbruch wird also nur vom Regenwasser ernährt! Auch im Grenzbereich um Zechstein bzw. am Kontakt zum Gneis treten keine Quellen auf.

Mit dem Auffahren einer 4. Sohle muss eine Wasserhaltung eingeführt werden. Das abgepumpte Wasser wird über einen Graben der Sailauf, die in die Aschaff mündet, zugeführt. Dabei kam es schon zu Schwierigkeiten, weil man den geringen Gehalt an stark färbenden (wegen des Hämatit), roten Ton (meist Illit) aus den Klüften für wasserschädigend ansah.

Zur Wasserhaltung wird in einem Pumpensumpf eine Tauchpumpe mit fester Verrohrung (A-Leitung) verwendet und zur 1. Sohle gepumpt. Während langer Trockenheit, wie z. B. im Frühjahr 1993 oder im aussergewöhnlich trockenen Sommer 2003, war fast keine Wasserhaltung notwendig. Daran kann man erkennen, dass nach Regenperioden die Klüfte leerlaufen. Wenn kein Regen mehr fällt, trocknet der Steinbruch regelrecht aus. Bei einem jährlichen Niederschlag von ca. 750 l/m³ pro Jahr in Sailauf werden die zu hebenden Wassermengen deutlich.

Steinbruch mit dem Oberflächenwasser

Und durch den weiteren Abbau werden die Grundwasserverhältnisse der Hartkoppe nicht beeinflusst.
 

Die mit einer Zeitungsmeldung im Main-Echo im März 2007 über die As- und U-Gehalte im Oberflächenwasser des Steinbruches kann man leicht erklären. Das Regenwasser läuft durch das Kluftnetz und löst dabei Spuren von Arsen und Uran, die sich dann im Wasser leicht nachweisen lassen. Dies ist schon immer so und wird auch zukünftig so sein, da ausgerechnet die Mineralien meist an Klüfte gebunden sind. Infolge der von ca. 100 Millionen Jahren erfolgten Mineralisation mit einer arsenreichen, sehr seltenen Paragenese, ist das leicht erklärbar. Dabei wurde bis jetzt aber übersehen, dass es von großer Bedeutung ist, welche Wertigkeit das Arsen im Wasser hat, also ob ein Arsenit oder Arsenat vorliegt. Diese verhalten sich toxikologisch sehr unterschiedlich.
Zu dem auslösenden Zeitungsartikel gabe es einen Leserbrief, der leider nicht abgedruckt wurde:

Main-Echo Donnerstag, 15. März 2007 Alzenau und Kahlgrund „Uran und Arsen im Sailaufer Bach“ und Freitag, 16. März 2007:

Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion,
Sie schrieben Artikel zum Arsen und Uran in Sailauf. Dabei wird in den Beitragen alleine mit den Worten Arsen (dabei denkt man an Vergiftungen) und Uran (erinnert an die mit religiösem Eifer geführte Diskussion um die Kernkraft) eine erhebliche Gefahr suggeriert.
Arsen als Spurenstoff ist in der Natur weit verbreitet. So enthalten natürliche Gesteine in der Regel 0,5 bis 13 g/t (Gramm pro Tonne) Arsen (As). In Kohlen können es 0,5 bis 130 g/t sein; selbst Erdöl führt 0,002 – 1,5 g/t. Und selbst unsere Luft führt 0,008 bis 1 ng/m³ (Milliardstel Gramm pro Kubikmeter)! Meerwasser enthält auch ca. 1,5 mg/m³ As (Milligramm pro Kubikmeter). Also As ist überall - es ist nur eine Frage der Konzentration. Und es ist wohl auch für den menschlichen Organismau essentiell.
Ähnlich ist es mit dem Uran. In Gesteinen kommt es im Durchschnitt mit ca. 0,5 bis 4 g/t vor. Man findet es auch wieder im Meerwasser mit 3 mg/m³. In der Luft kommt es wegen des anderen chemischen Verhaltens im Gegensatz zu As nicht vor, es sei denn man untersucht die Luft nach einem Vulkanausbruch.
Bei der Verwitterung der Gesteine werden die Mineralien zerstört, die As und U enthalten. Dabei werden die Elemente aus dem Gitterverband als Ionen gelöst und je nach den Umgebungsbedingungen neu eingebaut oder mit dem Wasser abtransportiert. So findet man die Stoffe in den Bächen, Flüssen und letztlich im Meer wieder (stark vereinfacht).  Der Spessart ist geologisch sehr vielfältig und dies ist mit einer im wahrsten Sinne bewegten Vergangenheit verbunden. Neben Vulkanen und komplexen Sedimenten haben wir hier bis vor ca. 80.000.000 Jahren eine starke hydrothermale Aktivität gehabt, die zu einer umfangreichen Mobilisation von Spurenstoffen geführt hat. Aus diesem Grund sind die Gehalte von z. B. As und U an vielen Stellen deutlich höher als im weltweiten Durchschnitt. Je nach Gesteinsart im Untergrund können die Gehalte bis zu 250 g/t As erreichen. Die größte As-Lagerstätte ist der Kupferschiefer im Spessart. Hier ist das As an die Kupfererze gebunden. Da ein Teil davon auf die Bergbauhalden gelangte, ist der Gehalt an As sehr hoch und behindert lokal sichtbar, das Pflanzenwachstum.
Uran kommt als Bestandteil der Mineralien (z. B. Zirkon, Monazit) in allen Gesteinen des Spessarts vor.  Sichtbare Uranmineralien sind seltener als Arsenmineralien, aber doch stellenweise vorhanden. Der älteste Beleg dafür stammt von M. B. KITTEL, der es 1840 als Pecherz beschrieb – die Fundstelle liegt heute im überbauten Bereich der Stadt Aschaffenburg. Die Urangehalte können im Spessart bis zu 120 g/t U betragen. Logischerweise findet man nach der Verwitterung diese Stoffe auch wieder im Wasser (z. B. in Schöllkrippen, wo man sogar das Trinkwasser wegen zu hoher As-Gehalte aufbereiten muss).
Die Konzentration hängt von der Höhe der Niederschläge, seiner Einwirkdauer, der physikalisch-chemischen Umgebung und vom Dargebot an Pufferstoffen ab, die eventuell freiwerdende Ionen sofort wieder binden (z. B. organische Bestandteile) oder nur adsorbieren (z. B. Eisenoxide, Tonmineralien). Aber dies ist auch nur eine Zwischenlösung, denn irgendwann landen auch diese im nächsten Bach und dann findet man die Stoffe gelöst oder an Partikel gebunden. Dann kann es sein, dass ein Teil wieder im Sediment des Baches gebunden wird. Diese Vorgänge sind äußerst komplex und hier nur sehr stark vereinfacht wieder zu geben.
Weitere Analysen von Böden bringen keine Lösung, weil man in der Regel keine Kenntnis davon hat, wie hoch der Gehalt lokal oder in der Region normalerweise ist. Allein die repräsentative Probennahme ist schon schwierig. Wenn man bis vor einigen Jahren mit Asche aus dem Hausbrand gedüngt hat, ist der Gehalt an As und U höher, weil diese Stoffe sich gerne an Kohlenstoff binden – mit der Asche findet man sie dann im Gartenboden wieder, wenn der Gehalt an organischen Stoffen oder Tonen hoch ist. In gut gepufferten (an Kalk reichen, z. B. mit Löss) Böden ist das As oder U noch da, bildet hier aber unlösliche Komplexe, so dass es da ist, aber für Pflanzen schwer verfügbar ist. In sauren Boden (wie auf den kristallinen Gesteinen des Spessarts oder auf Buntsandstein) werden die besagten Ionen nicht gebunden, sondern abgeführt.

Übrigens, die „rote Brühe“ ist einfach ein Niederschlagswasser mit einem färbenden Anteil an Eisenoxiden und dem Tonmineral Illit. Wie oben aufgeführt, adsorbieren beide sehr gerne mobile Ionen. Aus diesem Grund weisen Eisenoxide erhebliche Gehalte z. B. an Arsen auf (bis zu kg/t). Da solche Erze aus dem Spessart früher zur Eisenverhüttung verwandt wurden, hatte man das Problem des Sprödbruches durch zu hohe Arsengehalte – und konnte mit diesem Eisen keine belastbaren Konstruktionsteile herstellen.
Mit freundlichen Grüßen
Joachim Lorenz

weiterführende Literatur zu den Schwermetallen:


Fragen zu dem äußerst komplexen Thema werden auf einer Bürgerversammlung am 23.05.2007 in Sailauf beantwortet. Dabei wird auch auf die Besonderheiten des Spessarts eingegangen. Dabei kann man Argumente schildern, Analogien darlegen - aber die grundsätztliche Angst bei Vorurteilen und Nichtglaubenwollen ist nicht zu beseitigen. Egal zu welchen Maßnahmen man sich entscheidet: Die Quelle für das As und U wird so lange vorhanden sein, wie es einen Rhyolith in der Hartkoppe gibt.
 

Wasseraufbereitungsanlage
Im Oktober 2007 wurde eine komplexe Anlage zum Abscheiden von Arsen- und Uranylionen installiert und in Betrieb genommen. Dabei wird dem aus dem Steinbruch abgepumpten Steinbruchwasser in geringen Mengen Eisenchlorid, Kalkmilch und ein Flockungsmittel zugegeben. Die Metalle werden darin gebunden und über einen Lamellenabscheider abgetrennt, so dass nur noch klares Wasser mit weniger als 0,3 mg pro Liter As und 0,5 mg pro Liter U abgegeben werden. Das klare Wasser läuft dann wie bisher in einem Graben zum Sailauf-Bach.
Der abgeschiedene Rest wird dann als Sondermüll entsorgt (Main-Echo vom 27. Oktober 2007).

Der Steinbruchbetrieb wurde anschließend wieder aufgenommen.


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