Das Grundwasser trat auf den ersten 3 Sohlen nicht zu Tage. Aufgrund der zahlreichen breiten Klüfte war eine Wasserhaltung bis auf die 3. Sohle nicht notwendig gewesen. Niedergehendes Regenwasser versickert innerhalb weniger Tage in dem klüftigen Gestein. Der auf dem Berg stockende Baumbestand um den Steinbruch wird also nur vom Regenwasser ernährt! Auch im Grenzbereich um Zechstein bzw. am Kontakt zum Gneis treten keine Quellen auf.
Mit dem Auffahren einer 4. Sohle muss eine Wasserhaltung eingeführt werden. Das abgepumpte Wasser wird über einen Graben der Sailauf, die in die Aschaff mündet, zugeführt. Dabei kam es schon zu Schwierigkeiten, weil man den geringen Gehalt an stark färbenden (wegen des Hämatit), roten Ton (meist Illit) aus den Klüften für wasserschädigend ansah.
Zur Wasserhaltung wird in einem Pumpensumpf eine Tauchpumpe mit fester
Verrohrung (A-Leitung) verwendet und zur 1. Sohle gepumpt. Während langer
Trockenheit, wie z. B. im Frühjahr 1993 oder im aussergewöhnlich
trockenen Sommer 2003, war fast keine Wasserhaltung notwendig. Daran kann
man erkennen, dass nach Regenperioden die Klüfte leerlaufen. Wenn kein
Regen mehr fällt, trocknet der Steinbruch regelrecht aus.
Auch infolge der Trockenheit im Frühjahr 2011 trocknete der Steinbruch
völlig aus, so dass kein Wasser mehr heraus gepumpt werden musste - aufgenommen
am 14.05.2011.
Bei einem jährlichen Niederschlag von ca. 750 l/m³ pro Jahr in Sailauf werden die zu hebenden Wassermengen deutlich.
Und durch den weiteren Abbau werden die Grundwasserverhältnisse der
Hartkoppe nicht beeinflusst.
Die mit einer Zeitungsmeldung im Main-Echo im März 2007 über
die As- und U-Gehalte im Oberflächenwasser des Steinbruches kann man
leicht erklären. Das Regenwasser läuft durch das Kluftnetz und
löst dabei Spuren von Arsen und Uran, die sich dann im Wasser leicht
nachweisen lassen. Dies ist schon immer so und wird auch zukünftig so
sein, da ausgerechnet die Mineralien meist an Klüfte gebunden sind. Infolge
der von ca. 100 Millionen Jahren erfolgten Mineralisation mit einer arsenreichen,
sehr seltenen Paragenese, ist das leicht erklärbar. Dabei wurde bis
jetzt aber übersehen, dass es von großer Bedeutung ist, welche
Wertigkeit das Arsen im Wasser hat, also ob ein Arsenit oder Arsenat vorliegt.
Diese verhalten sich toxikologisch sehr unterschiedlich.
Zu dem auslösenden Zeitungsartikel gabe es einen Leserbrief, der leider
nicht abgedruckt wurde:
Main-Echo Donnerstag, 15. März 2007 Alzenau und Kahlgrund „Uran und Arsen im Sailaufer Bach“ und Freitag, 16. März 2007:
Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion,
Sie schrieben Artikel zum Arsen und Uran in Sailauf.
Dabei wird in den Beitragen alleine mit den Worten Arsen (dabei denkt man
an Vergiftungen) und Uran (erinnert an die mit religiösem Eifer geführte
Diskussion um die Kernkraft) eine erhebliche Gefahr suggeriert.
Arsen als Spurenstoff ist in der Natur weit verbreitet.
So enthalten natürliche Gesteine in der Regel 0,5 bis 13 g/t (Gramm
pro Tonne) Arsen (As). In Kohlen können es 0,5 bis 130 g/t sein; selbst
Erdöl führt 0,002 – 1,5 g/t. Und selbst unsere Luft führt 0,008
bis 1 ng/m³ (Milliardstel Gramm pro Kubikmeter)! Meerwasser enthält
auch ca. 1,5 mg/m³ As (Milligramm pro Kubikmeter). Also As ist überall
- es ist nur eine Frage der Konzentration. Und es ist wohl auch für
den menschlichen Organismau essentiell.
Ähnlich ist es mit dem Uran. In Gesteinen kommt
es im Durchschnitt mit ca. 0,5 bis 4 g/t vor. Man findet es auch wieder
im Meerwasser mit 3 mg/m³. In der Luft kommt es wegen des anderen chemischen
Verhaltens im Gegensatz zu As nicht vor, es sei denn man untersucht die
Luft nach einem Vulkanausbruch.
Bei der Verwitterung der Gesteine werden die Mineralien
zerstört, die As und U enthalten. Dabei werden die Elemente aus dem
Gitterverband als Ionen gelöst und je nach den Umgebungsbedingungen
neu eingebaut oder mit dem Wasser abtransportiert. So findet man die Stoffe
in den Bächen, Flüssen und letztlich im Meer wieder (stark vereinfacht).
Der Spessart ist geologisch sehr vielfältig und dies ist mit einer
im wahrsten Sinne bewegten Vergangenheit verbunden. Neben Vulkanen und komplexen
Sedimenten haben wir hier bis vor ca. 80.000.000 Jahren eine starke hydrothermale
Aktivität gehabt, die zu einer umfangreichen Mobilisation von Spurenstoffen
geführt hat. Aus diesem Grund sind die Gehalte von z. B. As und U an
vielen Stellen deutlich höher als im weltweiten Durchschnitt. Je nach
Gesteinsart im Untergrund können die Gehalte bis zu 250 g/t As erreichen.
Die größte As-Lagerstätte ist der Kupferschiefer im Spessart.
Hier ist das As an die Kupfererze gebunden. Da ein Teil davon auf die Bergbauhalden
gelangte, ist der Gehalt an As sehr hoch und behindert lokal sichtbar, das
Pflanzenwachstum.
Uran kommt als Bestandteil der Mineralien (z. B.
Zirkon, Monazit) in allen Gesteinen des Spessarts vor. Sichtbare Uranmineralien
sind seltener als Arsenmineralien, aber doch stellenweise vorhanden. Der
älteste Beleg dafür stammt von M. B. KITTEL, der es 1840 als Pecherz
beschrieb – die Fundstelle liegt heute im überbauten Bereich der Stadt
Aschaffenburg. Die Urangehalte können im Spessart bis zu 120 g/t U betragen.
Logischerweise findet man nach der Verwitterung diese Stoffe auch wieder
im Wasser (z. B. in Schöllkrippen, wo man sogar das Trinkwasser wegen
zu hoher As-Gehalte aufbereiten muss).
Die Konzentration hängt von der Höhe der
Niederschläge, seiner Einwirkdauer, der physikalisch-chemischen Umgebung
und vom Dargebot an Pufferstoffen ab, die eventuell freiwerdende Ionen sofort
wieder binden (z. B. organische Bestandteile) oder nur adsorbieren (z. B.
Eisenoxide, Tonmineralien). Aber dies ist auch nur eine Zwischenlösung,
denn irgendwann landen auch diese im nächsten Bach und dann findet man
die Stoffe gelöst oder an Partikel gebunden. Dann kann es sein, dass
ein Teil wieder im Sediment des Baches gebunden wird. Diese Vorgänge
sind äußerst komplex und hier nur sehr stark vereinfacht wieder
zu geben.
Weitere Analysen von Böden bringen keine Lösung,
weil man in der Regel keine Kenntnis davon hat, wie hoch der Gehalt lokal
oder in der Region normalerweise ist. Allein die repräsentative Probennahme
ist schon schwierig. Wenn man bis vor einigen Jahren mit Asche aus dem Hausbrand
gedüngt hat, ist der Gehalt an As und U höher, weil diese Stoffe
sich gerne an Kohlenstoff binden – mit der Asche findet man sie dann im
Gartenboden wieder, wenn der Gehalt an organischen Stoffen oder Tonen hoch
ist. In gut gepufferten (an Kalk reichen, z. B. mit Löss) Böden
ist das As oder U noch da, bildet hier aber unlösliche Komplexe, so
dass es da ist, aber für Pflanzen schwer verfügbar ist. In sauren
Boden (wie auf den kristallinen Gesteinen des Spessarts oder auf Buntsandstein)
werden die besagten Ionen nicht gebunden, sondern abgeführt.
Übrigens, die „rote Brühe“ ist einfach
ein Niederschlagswasser mit einem färbenden Anteil an Eisenoxiden und
dem Tonmineral Illit. Wie oben aufgeführt, adsorbieren beide sehr gerne
mobile Ionen. Aus diesem Grund weisen Eisenoxide erhebliche Gehalte z. B.
an Arsen auf (bis zu kg/t). Da solche Erze aus dem Spessart früher
zur Eisenverhüttung verwandt wurden, hatte man das Problem des Sprödbruches
durch zu hohe Arsengehalte – und konnte mit diesem Eisen keine belastbaren
Konstruktionsteile herstellen.
Mit freundlichen Grüßen
Joachim Lorenz
weiterführende Literatur zu den Schwermetallen:
Fragen zu dem äußerst komplexen Thema werden auf einer Bürgerversammlung
am 23.05.2007 in Sailauf beantwortet. Dabei wird auch auf die Besonderheiten
des Spessarts eingegangen. Dabei kann man Argumente schildern, Analogien
darlegen - aber die grundsätztliche Angst bei Vorurteilen und Nichtglaubenwollen
ist nicht zu beseitigen. Egal zu welchen Maßnahmen man sich entscheidet:
Die Quelle für das As und U wird so lange vorhanden sein, wie es einen
Rhyolith in der Hartkoppe gibt.
Im Oktober 2007 wurde eine komplexe Anlage zum Abscheiden von Arsen- und
Uranylionen installiert und in Betrieb genommen. Dabei wird dem aus dem
Steinbruch abgepumpten Steinbruchwasser in geringen Mengen Eisenchlorid,
Kalkmilch und ein Flockungsmittel zugegeben. Die Metalle werden darin gebunden
und über einen Lamellenabscheider abgetrennt, so dass nur noch klares
Wasser mit weniger als 0,3 mg pro Liter As und 0,5 mg pro Liter U abgegeben
werden. Das klare Wasser läuft dann wie bisher in einem Graben zum
Sailauf-Bach.
Der abgeschiedene Rest wird dann als Sondermüll entsorgt (Main-Echo
vom 27. Oktober 2007).
Der Steinbruchbetrieb wurde anschließend wieder aufgenommen.
Leider gibt es immer wieder Menschen, die mit dem Thema "Arsen und Uran"
Angst erzeugen. Einzelne Personen oder kleine Gruppen "entdecken" hier einen
Handlungsbedarf. Unterstützt durch eine sensationsgeile Presse erscheinen
dann unsachliche Beiträge (Prima Sonntag vom 15.05.2011, Titelseite):
Ich schrieb dazu einen Leserbrief an die Autorin, bekam aber weder eine Antwort
noch wurde der gedruckt:
Guten Tag Frau Arlt,
die Frage stellt sich nicht nur bei Kindern. Und nicht nur auf dem Spielplatz.
Denn wenn man Ihre Art des Hinterfragens auf Alles anwendet, dann
Essen und Trinken Sie auch Gift - täglich. Denn im Trinkwasser ist
immer auch Arsen und Uran, das Wasser aus dem Boden kommt. Bei den beiden
Wörtern wird in vielen Fällen der Verstand ausgeschaltet und eine
Giftigkeit inllisioniert, die in Wirklichkeit nicht vorhanden ist.
Aber nehmen wir mal an, dass ein maximaler Wert von 72 mg/As pro Kg
Splitt wirklich gemessen worden ist. Bei der Analyse wird alles aufgelöst,
unabhängig davon, ob es in einem Menschen auch löslich ist. Dann
ist die Frage, in welcher Oxidationsstufe liegt das As vor drei oder
fünf? Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Toxidizität, wurde
aber bei der Analyse nicht bestimmt (oder von Ihnen nicht abgeschrieben)!
Das mit der Oxidationsstufe fünf ist viel weniger Gifig als das mit drei.
Aber nehmen wir mal weiter an, ein Kind spielt auf den Splitt und isst/verschluckt
ein Korn von 2 bis 10 mm Größe (wobei ich bezweifle, dass
bei der größen Härte das überhaupt gemacht wird. Mit
den Zähnen kann man das nicht zerbeißen, denn der Apatit der
Zähne ist weicher, so dass die Zähne kaputt gehen würden).
So landet das ganze Korn im Magen und im Darm, wo es 1 bis 2 Tage bleiben
würde. Und jetzt gehen wir davon aus, dass das ganze As aus dem Korn
gelöst werden würde, das wären bei 72 mg/k dann etwa 0,07
mg oder ca. 70 µg (Millionstel Gramm) As. Wobei auch der
äußerst beständige Rhyolith im Magen nicht lösungsfähig
ist, so dass sicher nur ein sehr kleiner Teil löslich ist, denn sonst
hätte der Regen das As schon ausgewaschen. Das ist dann der Grenzwert
für das Trinkwasser, so dass Sie mit 1 l Wasser (legal) die gleiche
Menge As aufnehmen.
Und wo liegt da jetzt die Gefahr?
Für weitere Fragen stehe ich Ihnen zur Verfügung.
Mir scheint, dass man nach der Methode von Herrn Sarrazin Polemik (Arsen+Uran
versus Kinder) veranstaltet und auf billigem Stimmenfang Werbung für
sich macht.
Mit freundlichen Grüßen
Joachim Lorenz
Da können Sie sich selbst ein Bild machen.